Interviews

Karin Strobl: Frauen im Management am Limit?

Frauen im mittleren Management leisten viel – oft zu viel. Sie führen Teams, tragen Verantwortung, organisieren Familie und halten Systeme am Laufen. Und genau dabei verlieren viele ihre eigene Kraft. Karin Strobl spricht offen über den „unsichtbaren Rucksack“, den Frauen noch immer tragen und warum Veränderung für sie oft doppelt so viel Energie kostet.

Im Interview wird klar: Es fehlt nicht an Kompetenz. Es fehlt an Einbindung, an echter Wertschätzung und an konsequenter Selbstfürsorge. Karin Strobl zeigt, wie Frauen im Management wieder klar, souverän und kraftvoll führen können – ohne sich selbst dabei auszubrennen.

Karin Strobl im Interview

Interview Karin Strobl

Warum geraten Frauen in Veränderungsprozessen besonders unter Druck?

Veränderungen stellen grundsätzlich für viele Menschen, egal ob Frau oder Mann eine Herausforderung, weil wir unsere gewohnten Routinen in bestimmten Bereichen verlassen müssen. Gewohnte Abläufe zu verändern kostet unser Gehirn sehr viel mehr Energie als unsere Routinetätigkeiten auszuführen.

Nach wie vor tragen Frauen „einen unsichtbaren Rucksack“, der sich unter anderem aus einem größeren Beitrag zur Hausarbeit und dem Löwenanteil in der Care Arbeit – sowohl für die Kinder als auch für zu pflegende Eltern befüllt. Dadurch entsteht eine Doppelbelastung, die zusätzlich zum beruflichen Alltag viel Energie und Zeit in Anspruch nimmt.

In Veränderungsprozessen ist es wichtig, die Menschen, die diese Prozesse leben und gestalten, mit einzubinden, um eine höhere Akzeptanz zu erzielen. Gerade in männlich dominierten Hierarchien werden Frauen nicht oder nur wenig eingebunden, wenn sie das nicht aktiv und selbstbewusst immer wieder einfordern und Teil dieser Netzwerke werden.

Oft fehlt es auch heute noch vielen Frauen am Bewusstsein, dass sie gut ausgebildet sind, Erfahrung mitbringen und vor allem, dass es wichtig ist, die eigene Überzeugung zu äußern und Wichtiges einzufordern.

Was brauchen berufstätige Mütter, um langfristig kraftvoll zu bleiben?

Um als Mutter einen erfüllenden und erfolgreichen Job ausüben zu können, ist eine Grundvoraussetzung, dass ausreichende und qualitativ gute Kinderbetreuungseinrichtungen bzw. Ganztagesschulangebote mit Mittagsverpflegung und Hausaufgabenbetreuung vorhanden sind.

Das setzt nach meinem Verständnis voraus, dass Mütter bzw. Eltern auch bereit sind, älteren Kindern auch Eigenverantwortung für schulische Aufgaben zu übergeben.

Ich stelle einen zunehmenden Trend fest, dass Eltern versuchen, ihren Kindern alle Hürden oder Probleme aus dem Weg zu räumen – aber nach meiner festen Überzeugung müssen Kinder ihrem Alter entsprechend auch lernen, die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zu übernehmen.

Berufstätige Mütter brauchen neben guten öffentlichen Einrichtungen auch eine(n) Partner:in die/der sie sowohl bei der Kinderbetreuung als auch in der täglich anfallenden Hausarbeit unterstützt.

Gerade berufstätige Mütter benötigen kleine Auszeiten vom Alltag – sei es durch sportliche, künstlerische oder entspannende Tätigkeiten, um langfristig ihre Kraft zu erhalten.

Welche Rolle spielt das persönliche Umfeld für beruflichen Erfolg?

Das persönliche Umfeld spielt eine große Rolle. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe vermittelt das Gefühl, wertgeschätzt zu werden. Sehr wertvoll ist ein Partner/eine Partnerin der/die mir spiegelt, wie sehr er/sie meine Stärken und Fähigkeiten schätzt, die/der stolz ist auf meine beruflichen Leistungen und mir bei Bedarf auch die erforderlichen Freiräume für meine berufliche Weiterentwicklung einräumt.

Leider wird der Anteil alleinerziehender Mütter und Väter immer größer. Daher sind neben dem Partner auch ein Familien- und Freundeskreis wertvoll, der für unvorhergesehene Ereignisse einspringen kann – aber auch hier zählt, dass es ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein sollte.

Karin Strobl über klare Führung mit Perspektivwechsel

Zitat Karin Strobl

Warum gerät der Mensch in Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten so schnell aus dem Fokus?

Es gibt in immer mehr Unternehmen inzwischen Bestrebungen die Menschen, die das Unternehmen ausmachen, mehr in den Blick zu nehmen und sich Gedanken zu machen, was erforderlich ist, damit die Mitarbeitenden engagiert und motiviert sind und dadurch letztlich dem Unternehmen einen Mehrwert liefern. Ansätze wie beispielsweise Positive Leadership werden in immer mehr Unternehmen und Organisationen eingesetzt.

In Krisenzeiten wird dieser Vorsatz allerdings häufig fallen gelassen. Als Gründe werden dann Kosteneinsparungen und die wirtschaftliche Lage des Unternehmens genannt. Das ist sicher in manchen Fällen zutreffend. Aber häufig ist das eine vorschnelle Entscheidung und aus meiner Sicht ein fataler Fehler.

Mitarbeiter, die sich nicht wertgeschätzt fühlen und die ihre Stärken nicht einsetzen können, verlieren ihre Motivation und ihr Engagement. Insgesamt verschlechtert sich dadurch die Gesamtsituation des Unternehmens noch stärker.

Was stärkt Frauen im mittleren Management wirklich?

Selbstbewusstsein, Klarheit über die eigenen Stärken und ein gutes Netzwerk sind die Basis für jede Frau im Management.

Eine gesunde Selbstfürsorge ist eine wichtige Haltung, die nach meiner Erfahrung nicht vernachlässigt werden darf, um den Anforderungen an eine Führungskraft dauerhaft gerecht werden zu können. Dieser Aspekt wird leider viel zu oft vernachlässigt.

Immer wieder erlebe ich im Coaching weibliche Führungskräfte, die Selbstfürsorge für Egoismus halten und erst dann reagieren, wenn gesundheitliche Probleme wie Erschöpfungszustände oder massive Rückenbeschwerden auftreten.

Frauen im mittleren Management werden durch gute Beziehungen zu ihrem Team gestärkt, die sie durch regelmäßige Kontakte zu den einzelnen Mitarbeitenden, eine klare Kommunikation und Verantwortungsübergabe stärken können.

Mindestens so wichtig ist aber ein gutes Netzwerk, insbesondere gute und wertschätzende Kontakte zum höheren Management. Hilfreich an dieser Stelle, insbesondere für Frauen, die neu in dieser Rolle sind, ist ein Mentoring. Mentoren geben ihre eigene Erfahrung weiter und können gegebenenfalls auch als Türöffner für eine weitere Entwicklung dienen.

Welchen ersten Schritt raten Sie Frauen, die wieder klar und souverän führen wollen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Der erste Schritt ist, sich einen Coach oder einen Mentor/eine Mentorin zu suchen.

In meiner Arbeit als Business Coach geht es unter anderem darum, sich der eigenen Werte und Stärken bewusst zu werden und darauf aufbauend die persönliche berufliche Entwicklung zu gestalten. Menschen, die ihre Stärken ausleben können, sind zufriedener und engagierter in ihrem Leben.

Ich biete Menschen die mit mir arbeiten möchten eine kostenfreies 30 minütiges Kennenlerngespräch an, das über meine Homepage gebucht werden kann.

Über Karin Strobl

Karin Strobl ist berufstätige Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern und wurde durch ihre eigene Biografie privat wie beruflich immer wieder vor Herausforderungen gestellt. Das Meistern dieser Situationen hat sie nachhaltig geprägt.

Nach vielen Jahren, in denen sie Veränderungsprozesse in Unternehmen initiiert und umgesetzt hat, erkannte sie, dass der Mensch als wichtigstes Gut oft nicht im Mittelpunkt steht. Heute begleitet sie als Coach Menschen dabei, ihren eigenen Weg zu gehen – im Einklang mit ihren Stärken und Werten.

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