Während andere nach Feierabend abschalten, taucht Inka Loreen Minden tiefer ein. In fremde Welten. In Figuren voller Sehnsucht, Schmerz und Leidenschaft. In Geschichten, die sich nicht einfach lesen lassen, sondern einen komplett verschlucken. Genau deshalb haben ihre Bücher eine so treue Fangemeinde: Sie fühlen sich an wie ein emotionaler Ausnahmezustand mit Happy End Garantie.
Seit ihrer Kindheit schreibt die Autorin gegen die Realität an und erschafft dabei Universen voller Dämonen, Gargoyles, Drachenwandler und gebrochener Held:innen. Hinter ihren Romanen steckt jedoch weit mehr als Fantasy und Romance. Im Interview erzählt Inka Loreen Minden, warum Schreiben für sie überlebenswichtig geworden ist, wie sie trotz chronischer Erkrankung täglich neue Welten erschafft und weshalb sie ihre Leser:innen niemals mit einem gebrochenen Herzen zurücklassen würde.
Interview mit Inka Loreen Minden
aka Ariana Rossi, Monica Davis ua.
Wann hast du gemerkt, dass du schreiben möchtest und was hat dich dazu gebracht, dranzubleiben?
Das Schreiben ist seit jeher ein sehr wichtiger Teil meines Lebens. Kaum hatte ich Lesen und Schreiben gelernt, habe ich ein Buch nach dem anderen verschlungen. Mich wegzuträumen war schon immer genau mein Ding.
Allerdings habe ich bald bemerkt, dass ich nicht immer genau den Lesestoff gefunden habe, den ich haben wollte, weshalb ich schon während meiner Kindheit angefangen habe, zu schreiben. Damals allerdings noch kleinere Geschichten oder Gedichte.
Nach dem Abi folgte der erste Job als Zahntechnikerin; danach wurde mein Sohn geboren und das Schreiben geriet etwas in den Hintergrund. Doch als Junior in den Kindergarten kam und ich wieder ein bisschen Me-Time hatte, brachen plötzlich alle Ideen, die sich über die Jahre in mir angestaut hatten, wie bei einem Vulkanausbruch hervor.
Seit 2006 habe ich nur noch geschrieben, geschrieben, geschrieben und all meine verrückten Ideen verwirklicht. Zwischenzeitlich habe ich auch mal als Mädchen für alles bei einem Verlag gearbeitet (Korrektorin, Lektorin, Herausgeberin, Grafikerin uvm), aber bald bemerkt, dass meine Leidenschaft primär dem Geschichtenerzählen gilt.
Im Laufe der Jahre habe ich für die größten deutschen Verlage schreiben und somit meinen Kindheitstraum verwirklichen dürfen. Ich durfte quasi mein Hobby zum Beruf machen, worüber ich sehr glücklich bin.
Mich motiviert außerdem, dass es da draußen so viele liebe Menschen gibt, die meine Fantasiereisen mögen. Ihr Feedback ist wie Benzin für mich, das meine Weltenschmiede weiterhin anheizt.
Doch der Hauptgrund, warum ich nicht aufhören kann: Ich brauche das Schreiben wie die Luft zum Atmen. Ohne könnte ich gar nicht existieren.
Was inspiriert dich aktuell am meisten für deine Geschichten?
Das wurde ich schon unzählige Male gefragt, und leider kann ich darauf immer noch keine konkrete Antwort geben. Schon meine Deutschlehrerin wollte wissen, woher ich all die Ideen habe, die ich während meiner Schulzeit zu Papier gebracht habe, und genau wie heute habe ich damals schon gesagt:
Keine Ahnung, sie sind einfach da.
Vielleicht inspiriert mich meine eigene, überbordende Fantasie? In meinem Kopf gab es noch nie Ruhe, dort sind immer mindestens zwanzig Browsertabs auf einmal geöffnet. Womöglich inspirieren die sich gegenseitig?
Ich kenne auch keine Schreibblockaden oder habe das Problem, dass ich in einer Story plötzlich nicht mehr weiter weiß – im Gegenteil. Oft habe ich mehrere Lösungen parat und halte dann Rücksprache mit meiner Lektorin oder den Testleserinnen, weil ich mich selbst nicht entscheiden kann.
Grundsätzlich schreibe ich auch nur solche Geschichten, die ich selbst gerne lesen würde. Also ich schreibe mir quasi meinen Lesestoff selbst, erlebe das Schreiben aber eher so, als würde ich mich persönlich mittendrin befinden. Ein Teil dieser Welt sein. Gleichzeitig sehe ich aber alles von außen. Schwer zu erklären.
Ich bin nicht nur die Drehbuchautorin, Regisseurin, Bühnen- und Maskenbildnerin meines eigenen Filmes, sondern stecke gleichzeitig in jeder einzelnen Figur und schwebe geistig über der gesamten Szene.
Ich weiß, was jeder fühlt und denkt, spüre, wie meine Charaktere leiden, und vergieße schon mal das eine oder andere Tränchen oder lache mit ihnen. Also zusehen darf mir keiner, während ich in meinen Schreibprozess eintauche, da würde mich wohl jeder für verrückt halten 😉
Wie würdest du deinen Schreibstil oder deine Bücher in wenigen Worten beschreiben?
Ich schreibe Wohlfühlromane mit Herz und Seele und mit nicht immer ganz perfekten Protagonisten, aber stets mit Happy End.
Leserinnen sagen mir immer wieder, sie können in meine Bücher eintauchen, als würden sie einen Film ansehen. Und genau so soll es sein.
Gibt es Themen oder Emotionen, die sich wie ein roter Faden durch deine Geschichten ziehen?
In all meinen Büchern (ausgenommen mein einziger Mystery »Racheclown« unter meinem Alter Ego Mo Davis) geht es immer um die Liebe und große Gefühle, verpackt in einer spannenden Story. Außerdem bin ich ein Happy-End-Junkie. Eine Liebesgeschichte darf bei mir niemals schlecht ausgehen, das zerstört mich emotional.
Inka Loreen Minden braucht Geschichten wie Luft
Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus – eher geplant oder intuitiv?
Ich arbeite seit 2006 täglich an meinen Büchern, von morgens bis abends (unterbrochen von »dem bisschen Haushalt«) und bis vor wenigen Jahren bis zu 80 Stunden in der Woche, an 365 Tagen im Jahr.
Während das Schreiben und alles, was dazugehört – wie Recherche, Plotting und Co – früher einen Großteil meiner Arbeit ausgemacht hat, blockiert heute, wie in allen Jobs, zu viel Bürokratie meinen Schaffensprozess, was für mein neurodivergentes Gehirn die Hölle ist. Am liebsten befinde ich mich in meinem »Schreibtunnel« und möchte durch nichts anderes gestört werden.
Grundsätzlich weiß ich immer, wohin die Richtung in meinen Büchern geht. Ohne roten Faden würde ich mich verirren – das ist mir zu Beginn ein paar Mal passiert. Aber obwohl ich das Ende kenne, überraschen mich meine Protagonisten hin und wieder, da sie ihren eigenen Kopf haben und sich nicht immer alles von mir vorschreiben lassen, was es für mich spannend macht.
Allerdings versuche ich, heute etwas vom Gas runterzugehen, mehr auf meinen Körper zu hören und brav Pacing zu betreiben, also mir meine wenigen Energiereserven optimal einzuteilen, denn ich leide seit 26 Jahren an ME/CFS, einer chronischen neuroimmunologischen Multisystemerkrankung, für die es leider noch keine Heilung gibt.
Da ich die meiste Zeit hausgebunden bin und sitzen oder liegen muss, liebe ich meinen Job gleich noch mehr und bin unfassbar dankbar, dass ich trotz meiner Situation meinem Beruf nachgehen kann. Außerdem lenkt mich die »Flucht in andere Welten« von meinem eigenen Alltag ab, und ich kann meine Charaktere all das erleben lassen, wozu ich leider nicht mehr fähig bin.
Und so fliege ich mit meinen Gargoyles über die Dächer von Paris, segele mit einem Piratenkapitän über die Meere oder rette die Welt vor dem ultimativen Bösen.
Habe ich schon gesagt, dass ich meinen Job liebe?
Welche Szene oder welcher Moment aus deinen Büchern ist dir besonders im Kopf geblieben und warum?
Grundsätzlich liebe ich alle meine Buchbabys, da ich sie immer mit Herzblut schreibe (ohne geht auch gar nicht bei mir). Aber mit meinen letzten Protagonisten bin ich stets am engsten verbunden. Schließlich habe ich sie mehrere Wochen lang intensiv begleitet. Das waren jetzt mein Wächterengel Quentin und seine Dämonenlady Minerva (aus »Ein Duke zwischen Himmel und Hölle«).
Die Geschichte zu schreiben hat mir besonders viel Spaß gemacht, weil meine beiden Lieblings-Genres Historical Romance und Fantasy vereint wurden und Minerva als dämonische Exfrau ziemlich viel Feuer im Blut hat. Ich liebe es, wenn zwischen den Figuren auf allen Ebenen die Funken fliegen.
Spontan fällt mir die Szene ein, als Quentin nicht nur sprichwörtlich durch die Hölle marschiert, um seine Liebste zu retten. Die Unterwelt zu beschreiben, so wie ich sie mir vorstelle, hat mir sehr großen Spaß gemacht.
Dann habe ich in »Verfluchtes Drachenherz« einen monumentalen Endkampf zwischen einem Drachenwandler und seinem Widersacher im Weltall beschrieben. Auf diese verrückte Idee bin ich heute noch besonders stolz, lach, und ich musste auch einiges dazu recherchieren. Schließlich herrschen im All sehr ungünstige Überlebensbedingungen vor.
Aber am allermeisten beeindruckt mich noch heute, dass ich nach tagelanger Recherche in Biochemie-Foren selbst eine nachvollziehbare Erklärung ausgetüftelt habe, warum Vampire verpuffen, wenn sie das Blut eines Wolfswandlers trinken.
Dass Vampire in Flammen aufgehen, kommt ja in Filmen und Büchern immer wieder vor. Aber niemand erklärt, warum das so ist! Ich habe sehr lange gesucht und keine wissenschaftliche oder tiefgehende mythologische Erklärung gefunden. In der Popkultur gilt dieser Umstand meistens als »kosmisches Gesetz«.
Da es mir aber ein Grundbedürfnis ist, dass auch in meinen Fantasybüchern immer alles Hand und Fuß hat, habe ich die Erklärung dann eben selbst geliefert. Die verrate ich hier natürlich nicht. Mein Inkubus Percy aus der »Beast Lovers« Reihe, der als Forensiker beim DPI arbeitet – dem Department of Paranormal Investigations – erklärt im Buch ganz gut, warum Vampire kein Wolfswandlerblut vertragen.
Was sollen Leser:innen fühlen oder mitnehmen, wenn sie dein Buch beendet haben?
Während des Lesens und danach soll sich ein wohliges Gefühl einstellen. Meine Geschichten sind Urlaub für den Kopf und Streicheleinheiten für die Seele. Bestenfalls lassen meine buchigen Ausflüge den eigenen Alltag für eine Weile vergessen.
Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Leser:innen als Nächstes freuen?
Gerade arbeite ich an Teil 27 (31 mit den Sidestorys) der Lieblingsserie meiner Leserinnen und Leser, den »Warrior Lover«. Das sind genetisch manipulierte Supermenschen, die in einer Welt voller Gefahren und brutaler Shows leben. Darin riskieren taffe Heldinnen und »tortured Heroes« alles für die Liebe.
Die Serie vereint nervenaufreibende Action mit tiefen Gefühlen und atemloser Leidenschaft. Jede Folge handelt von einem Paar (oder manchmal auch mehreren), während die Hintergrundstory weitergeführt wird. Man kann allerdings auch quer einsteigen.
Die meisten Geschichten spielen auf der Erde, ein paar auf anderen Planeten oder Raumschiffen. Und natürlich gibt es in jeder Folge ein Happy End.
Aktuell habe ich zum ersten Mal eine Geschichte, die in einer reinen Eiswelt spielt und zwar auf Grönland, hundert Jahre in der Zukunft. Die Erde ist nach einem globalen Krieg nur noch teilweise bewohnbar, und in abgeriegelten Kuppelstädten und Bunkern herrschen gnadenlose Diktaturen, die jeden Widerstand im Keim ersticken.
Jeden?
Nun ja, da kommen meine taffen Heldinnen und sexy Helden ins Spiel 😉
Als ich 2013 mit dem ersten Teil »Jax« einen Überraschungserfolg gelandet bin, wusste ich noch nicht, dass sich die Ereignisse im Buch dem tatsächlichen politischen Weltgeschehen angleichen werden. So als hätte ich damals schon die Zukunft vorhergesehen.
Ich hoffe natürlich nicht, dass alles so kommen wird wie in meiner Serie beschrieben. Falls doch, können wir nur beten, dass uns die Warrior retten werden 😉
Ich schweife ab … Also in Teil 27 wohnen die vermeintlich letzten Überlebenden der Menschheit in einem Bunker unter dem ewigen Eis Grönlands. Dort regieren die Valkyren, genetisch perfektionierte Kriegerinnen, die mit unerbittlicher Disziplin über die Bewohner des Bunkers bestimmen. Eine Gruppe männlicher Warrior hingegen, einst ihre besten Jäger, wurde in die tödliche Eiswüste verbannt, da sie sich nicht unterordnen wollten.
Ronan ist einer von ihnen. Verstoßen und dazu verdammt, im »Whiteout« gegen ein riesiges Untier zu kämpfen, kennt er nur ein Ziel: Rache. Er will die Tochter der Befehlshaberin entführen, um damit den Rückzug in den sicheren Bunker zu erzwingen … Doch dann kommt natürlich alles ganz anders.
Wenn alles nach Plan läuft, wird das Buch im Juli erscheinen. Außerdem plane ich für 2026 noch einen weiteren Wohlfühlroman unter meinem Alter Ego Ariana Rossi, eine »Later in Life Romance«, die wieder auf Sardinien spielen wird mit Protagonisten, die über 50 Jahre alt sind. Ich freue mich schon wahnsinnig auf Sonne, leckere Pasta und türkisblaues Meer.
Außerdem möchte ich noch mit »Regency Creatures 4« anfangen, denn im vorherigen Buch hat mich der gefallenen Engel »Lord Sheffield« fasziniert, der unbedingt noch verkuppelt werden muss.
Mehr Fantasy, mehr Romance und mehr gefährlich gute Bookboyfriends?
Auf Instagram, Facebook und ihrer Website nimmt Inka Loreen Minden ihre Leser:innen mit hinter die Kulissen ihrer Buchwelten.







