Manche Bücher unterhalten. Andere treffen einen an Stellen, über die man sonst lieber schweigt. Genau deshalb fühlen sich viele Leser:innen von New Adult heute nicht mehr nur zu Romantik hingezogen, sondern zu Geschichten, die emotionale Nähe schaffen, Orientierung geben und das eigene Innenleben greifbarer machen.
Merit Niemeitz schreibt genau solche Bücher. Atmosphärisch, intensiv und voller Figuren, die nicht perfekt sein müssen, um tief zu berühren. Im Interview erzählt die Autorin, warum ihre Geschichten oft mit einem Gefühl beginnen, weshalb Mulberry Mansion für sie mehr als nur ein Setting geworden ist und warum Literatur Menschen manchmal näher bringt als das echte Leben.
Interview mit Merit Niemeitz
Wann hast du gemerkt, dass du schreiben möchtest und was hat dich dazu gebracht, dranzubleiben?
Ich habe mir schon als Kind gern eigene Geschichten ausgedacht und sie aufgeschrieben, sobald ich konnte. Für mich war das Schreiben – wie das Lesen auch – dabei nicht nur eine Form von Eskapismus, um dem Alltag zu entfliehen, sondern in erster Linie eine Möglichkeit, mich mit der Realität auseinanderzusetzen.
Es hat mir geholfen, das Leben zu verarbeiten und zu verstehen, und wurde schnell zu einem Teil meines Alltags und meiner Persönlichkeit. Dabei ging es mir im Grunde nie darum, zu veröffentlichen, für mich hatte das Schreiben ja bereits einen intrinsischen Wert.
Während meines Studiums habe ich mich dann zunehmend nach mehr Zeit für meine Geschichten gesehnt. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, den Versuch zu wagen, nicht mehr nur für mich zu schreiben. Ich hatte ganz viel Glück und gutes Timing und konnte bald meine ersten Verlagsverträge abschließen und darf das Schreiben seitdem nicht nur meine größte Leidenschaft, sondern auch einen Job nennen.
Ein Leben ohne meine Kopfwelten könnte ich mir gar nicht vorstellen, weil sie auch die Welt um mich herum so viel schöner und bedeutender färben.
Was inspiriert dich aktuell am meisten für deine Geschichten?
Am meisten inspiriert mich das alltägliche Leben, weil es nur so vor Besonderheiten wimmelt, wenn man genau hinsieht.
Gespräche mit anderen und vor allem auch bei dem hinhören, über das es schwerer fällt zu reden, mich mit Kunst beschäftigen, zum Beispiel mit Ausstellungen, Musik, Literatur und Filmen, lange Spaziergänge in der Natur, am liebsten im Wald oder am Meer und während alledem einfach die Gedanken treiben lassen … dabei kommen mir ständig Ideen für neue Geschichten.
Wie würdest du deinen Schreibstil oder deine Bücher in wenigen Worten beschreiben?
Bildlich, atmosphärisch, gefühlvoll (zumindest hoffe ich das!).
Gibt es Themen oder Emotionen, die sich wie ein roter Faden durch deine Geschichten ziehen?
In meinen Augen ist jede Geschichte am Ende eine Liebesgeschichte. Natürlich geht es dabei nicht nur um romantische Liebe, sondern auch um die zwischen Freund:innen, zur eigenen (Wahl-)Familie, zum Leben und sich selbst.
Meine Geschichten beschäftigen sich daher immer auch damit, wie man das eigene Leben so gestalten kann, dass es sich ganz nach einem selbst anfühlt.
Dabei spielen Fragen wie »Wer will ich sein?«, »Was ist mir wirklich wichtig und was sind nur Erwartungen anderer?«, »Mit wem und was will ich mich umgeben?« eine Rolle, weil ich denke, dass das Herausforderungen sind, mit denen wir alle konfrontiert werden.
Merit Niemeitz trifft mitten ins Herz
Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus – eher geplant oder intuitiv?
Es ist vermutlich eine Mischung aus beidem. Am Anfang einer Geschichte steht immer ein bestimmtes Empfinden. Eine Atmosphäre, ein spezieller Gefühlsfarbton, der das Grundbild ausmacht.
Danach entwickeln sich in der Regel zunächst die wichtigsten Figuren, ihre prägendsten Eigenschaften, Hoffnungen und Ängste, das Setting, in dem sie zu Hause sind, der Grundkonflikt, mit dessen Lösung sie sich im Verlauf der Handlung beschäftigen müssen.
Darauf aufbauend entwerfe ich einen groben Plot, also eine Art Skelett für den Aufbau. Mit Details fülle ich diesen aber erst beim Schreiben, damit ich mich selbst während des Prozesses überraschen kann und der Geschichte auch ihren eigenen Willen lasse.
Letztlich fühlt es sich an, als würde diese bereits in einem verborgenen Raum in meinem Kopf existieren – ich muss nur die Tür aufbekommen, mich in Ruhe dahinter umsehen und alles aufschreiben.
Welche Szene oder welcher Moment aus deinen Büchern ist dir besonders im Kopf geblieben und warum?
Meine Mulberry Mansion-Reihe spielt in einem leicht heruntergekommenen Herrenhaus in einer englischen Kleinstadt, das für eine Gruppe Studierender von einem Renovierungsprojekt zu einem Zuhause wird. Dieser Ort war für mich von Anfang an etwas ganz Besonderes.
Er ist voller Makel, aber gleichzeitig gemütlich, schützend, verwunschen.
Ich denke noch oft an die allererste Szene, als die Protagonistin des ersten Bands vor der blassblauen Haustür steht, das Anwesen zum ersten Mal vor Augen hat und instinktiv spürt, dass dieser Ort ihr Leben verändern wird.
Dasselbe hat er für meins getan, deswegen wird er immer auch ein Gefühlszuhause für mich bleiben.
Was sollen Leser:innen fühlen oder mitnehmen, wenn sie dein Buch beendet haben?
In allererster Linie freue ich mich, wenn sie etwas fühlen und mitnehmen! Geschichten können uns so viel schenken, auch für unsere eigene Lebensgeschichte. Vor allem, in dem man sich durch sie verstanden fühlt – oder sich selbst besser versteht.
Das wünsche ich mir vermutlich am meisten für meine Leser:innen: dass sie eins meiner Bücher zuschlagen und das Gefühl haben, weniger allein mit etwas zu sein, das sie zuvor vielleicht als seltsam, schambehaftet oder isolierend empfunden haben. Literatur verbindet uns miteinander, das ist unglaublich kostbar, finde ich.
Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Leser:innen als Nächstes freuen?
Meine nächste New-Adult-Romance-Dilogie, der Reihentitel lautet Oxford Academics, erscheint noch dieses Jahr im LYX-Verlag. Footnotes of Fairytales und Footnotes of Forever erzählen von Brielle und Coben, zwei Doktorierenden an der britischen Eliteuniversität Oxford.
Es geht um Märchen, um die Brontë-Geschwister, um Freundschaft, die die Welt (oder auch ganz viele Welten) bedeutet, um die Liebe zum Lesen, zum Lernen und zum Leben. Ich habe bereits beide Bände geschrieben und freue mich jetzt sehr darauf, dass sie gelesen werden können!
Außerdem arbeite ich bereits an neuen Geschichten, aber bis ich darüber genauer sprechen darf, dauert es leider noch eine Weile … ein Buch nach dem anderen!
Wenn du mehr über Merit Niemeitz und ihre neuen Buchprojekte erfahren möchtest, lohnt sich ein Blick auf ihre Socials. Auf Instagram und TikTok teilt sie Einblicke in ihren Schreiballtag, neue Releases, emotionale Buchmomente und die Atmosphäre hinter ihren Geschichten.







