Nicht jede Buchliebe beginnt im Kinderzimmer mit Taschenlampe unter der Decke. David Spiegel kam erst vor rund drei Jahren wieder richtig zum Lesen zurück und merkte schnell, dass Geschichten allein ihm nicht mehr reichten. Er wollte sich austauschen, Empfehlungen teilen und Bücher nicht einfach nach der letzten Seite zurück ins Regal stellen.
Heute ist Bookstagram für ihn kein Wettbewerb, sondern ein Ort für Gespräche, Begegnungen und neue Perspektiven. Er liest historische Romane, Romantasy, Thriller, Horror und wieder Manga, lässt sich gern von starken Covern locken und hält trotzdem Abstand zu Zahlenstress. Im Interview erzählt David Spiegel, weshalb ein Account wachsen darf wie der Mensch dahinter und warum aus seinem eigenen Romance Roman längst mehr geworden ist als nur eine Idee.
Interview mit David Spiegel
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Eigentlich bin ich gar nicht der klassische Bookstagrammer, der sagt: „Ich habe als Kind schon jedes Buch verschlungen.“ Bei mir war das etwas anders. Ich habe lange Zeit kaum gelesen und erst vor ungefähr 3 Jahren wieder richtig damit angefangen.
Dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass ich mehr machen möchte. Ich wollte darüber sprechen und genau dieser Wunsch nach Austausch hat mich schließlich zu Instagram und Bookstagram gebracht.
Heute ist daraus ein Hobby geworden, das weit über das Lesen hinausgeht.
Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?
Das eine Buch, das alles verändert hat, gibt es bei mir tatsächlich nicht. Und ich glaube, das muss es auch gar nicht geben.
Bei mir war es vielmehr die Freude am Lesen, die nach einer langen Pause wieder zurückgekommen ist. Seitdem entdecke ich ständig neue Geschichten, Genres und Autor. Manche Bücher bleiben natürlich stärker im Gedächtnis als andere, aber meine Begeisterung für Bücher würde ich nicht an einem einzigen Titel festmachen.
Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?
Ich gebe es ganz offen zu: Ich bin definitiv ein Cover-Leser. Ein außergewöhnliches oder besonders schönes Cover bekommt meine Aufmerksamkeit sofort. Wenn mich ein Cover anspricht, möchte ich automatisch wissen, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.
Natürlich lese ich anschließend auch den Klappentext und schaue, ob die Geschichte zu mir passt, aber das Cover ist häufig der erste Impuls, weshalb ich ein Buch überhaupt in die Hand nehme. Bei der riesigen Auswahl an Büchern darf es für mich eben auch optisch etwas Besonderes sein.
David Spiegel bleibt literarisch neugierig
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Mich auf ein einziges Genre festzulegen, wäre für mich fast unmöglich. Genau diese Abwechslung liebe ich beim Lesen. Besonders gerne greife ich zu historischen Romanen, Romantasy, Thrillern und Horror. Je nach Stimmung darf es also romantisch und fantastisch, historisch oder auch ziemlich düster werden.
Inzwischen habe ich außerdem Manga wieder für mich entdeckt. Die habe ich bereits als Jugendlicher sehr gerne und viel gelesen. Nach so vielen Jahren wieder in diese Welt einzutauchen, macht unglaublich viel Spaß.
Ich möchte mich beim Lesen grundsätzlich nicht in eine Schublade stecken lassen. Warum sollte ich mich auf ein Genre beschränken, wenn es so viele unterschiedliche Geschichten zu entdecken gibt?
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Eine Autorin, die ich für mich entdeckt habe, ist Miriam Georg. Besonders ihre historischen Romane aus dem Norden haben es mir angetan.
Ich selbst wohne in München, bin aber unglaublich gerne im Norden. Beim Lesen ihrer Geschichten kann ich mich dorthin träumen, auch wenn ich gerade zu Hause sitze. Genau das ist für mich eine der schönsten Eigenschaften von Büchern: Sie können einen innerhalb weniger Seiten an einen vollkommen anderen Ort und manchmal sogar in eine andere Zeit bringen.
Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?
Der wichtigste Grund war für mich von Anfang an der Austausch. Ich wollte nicht einfach nur Bücher lesen und sie danach wieder ins Regal stellen, sondern mit anderen darüber sprechen.
Durch Bookstagram habe ich inzwischen viele andere Buchmenschen kennengelernt und bin auch mit Autoren in Kontakt gekommen.
Besonders schön finde ich außerdem Begegnungen auf Buchmessen.
Menschen, mit denen man sich vorher vielleicht nur über Instagram ausgetauscht hat, plötzlich persönlich gegenüberzustehen, ist immer wieder etwas Besonderes.
Gleichzeitig ist mir aber wichtig, dass Bookstagram ein Hobby bleibt. Ich lese heute definitiv mehr als vorher, lasse mich aber nicht davon verrückt machen, wie viel andere lesen, welche Bücher gerade überall gezeigt werden oder welche Zahlen ein Beitrag erreicht. Familie, Freunde und das Leben außerhalb von Instagram sind mir wichtiger.
Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?
Besonders gerne mag ich Blogtouren. Dabei stellen mehrere Blogger gemeinsam ein Buch vor, beschäftigen sich aber jeweils mit einem anderen Aspekt der Geschichte.
Genau das finde ich spannend: Ein einziges Buch kann aus so vielen unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Während sich jemand beispielsweise mit den Charakteren beschäftigt, schaut ein anderer vielleicht auf den historischen Hintergrund, das Setting oder ein bestimmtes Thema innerhalb der Geschichte.
Dadurch entsteht nicht einfach mehrfach derselbe Content, sondern viele verschiedene Perspektiven auf ein Buch. Gleichzeitig kommt man mit anderen Bloggern, Autoren und der Community ins Gespräch. Für mich ist genau dieser Austausch das, was eine schöne Kooperation ausmacht.

KI generiert
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Lasst euch nicht von Zahlen, Reichweite oder anderen Accounts verrückt machen. Es wird immer jemanden geben, der mehr Follower, mehr Likes oder mehr gelesene Bücher hat. Wenn man anfängt, sich ständig damit zu vergleichen, geht irgendwann genau das verloren, weshalb man angefangen hat: der Spaß.
Bookstagram ist für mich ein Hobby und kein Wettbewerb. Deshalb würde ich jedem raten, sein eigenes Ding durchzuziehen. Lest die Bücher, auf die ihr wirklich Lust habt, und nicht die, von denen ihr glaubt, dass ihr sie für Instagram lesen müsst.
Und lasst euch nicht in eine Schublade stecken. Nur weil ihr mit Romance angefangen habt, dürft ihr morgen trotzdem einen Thriller und übermorgen einen Manga zeigen. Ein Account darf sich genauso verändern wie der Mensch dahinter.
Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?
Aus dem „würde“ ist bei mir tatsächlich schon ein „mache ich“ geworden.
Ich arbeite gerade an einem Romance-Roman über zwei Männer, deren unterschiedliche kulturelle Hintergründe für einige Turbulenzen sorgen. Die Geschichte spielt in München und neben den beiden Hauptfiguren gibt es einige ziemlich humorvolle Nebencharaktere, die ihren ganz eigenen Anteil am Chaos haben.
Mir ist dabei wichtig, nicht nur eine Liebesgeschichte zu erzählen. Es geht auch darum, sich selbst kennenzulernen, Unterschiede zu akzeptieren und manchmal den Mut zu haben, einen Weg einzuschlagen, mit dem man selbst vielleicht gar nicht gerechnet hätte.
Die Geschichte und ihre Figuren sind also bereits da. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der passende Verlag, der sie genauso ins Herz schließt wie ich.
Mehr von David Spiegel gibt es auf Instagram mit ehrlichen Buchempfehlungen, Genrevielfalt und viel Liebe für Geschichten, die bleiben.







