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Zehn Sekunden am Konto und trotzdem 25 Tage Wartezeit auf die Rechnung

Seit dem 9. Oktober 2025 muss eine Euro-Überweisung im Euroraum binnen zehn Sekunden auf dem Empfängerkonto gutgeschrieben sein, rund um die Uhr und an jedem Tag des Jahres. Bei Rechnungen an Firmenkunden in Österreich vergehen bis zur Zahlung im Schnitt 25 Tage.

Mit der Leitung hat die Differenz nichts zu tun. Sie entsteht zwischen Rechnungseingang und Freigabe, also in einem Bereich, den keine Zahlungsverordnung erreicht.

Seit 9. Oktober 2025 muss das Geld in zehn Sekunden am Konto sein

Die Verordnung (EU) 2024/886 hat den Umbau in zwei Stufen zerlegt. Ab 9. Jänner 2025 mussten Banken im Euroraum Echtzeitüberweisungen empfangen können, und sie durften dafür nicht mehr verlangen als für eine gewöhnliche SEPA-Überweisung. Seit Oktober gilt auch die Pflicht zum Versenden. Dazu kam der IBAN-Namensabgleich, bei dem die Bank vor jeder Überweisung prüft, ob der eingegebene Empfängername zum Kontoinhaber passt. Wessen Bank das nicht anbietet, kann sich laut Oesterreichischer Nationalbank bei der Finanzmarktaufsicht beschweren. Für andere EU-Währungen greift die Pflicht erst ab 2027.

Damit ist der Aufpreis für das Tempo verschwunden. Bis dahin boten viele Banken Echtzeitüberweisungen nur gegen gesonderte Gebühr an, weshalb sie im Zahlungsalltag die Ausnahme blieben.

Versicherer arbeiten an Sofortgutschriften im Schadenfall, Händler wickeln Erstattungen über dieselben Konto-zu-Konto-Verfahren ab, Verkaufsplattformen zahlen Erlöse früher an ihre Anbieter aus. Die Erwartung an Auszahlungsgeschwindigkeit hat sich damit über Branchengrenzen hinweg verschoben. Eine gewöhnliche Überweisung dauert nach Angaben der Nationalbank dagegen weiterhin bis zu einem vollen Bankgeschäftstag. Im Glücksspielsektor dient die Auszahlungsdauer inzwischen als Werbeargument, sichtbar an Vergleichsseiten für Casinos mit Sofortauszahlung, die den Zeitraum bis zur Gutschrift an prominenter Stelle ausweisen. Die zugrunde liegende Bankeninfrastruktur ist in allen Fällen dieselbe, das Tempo hängt an den Prüfprozessen der Anbieter davor.

Der Bund braucht 36 Tage, obwohl er seit 2014 nur E-Rechnungen annimmt

Der Bund braucht 36 Tage, obwohl er seit 2014 nur E-Rechnungen annimmt

Der Kreditschutzverband von 1870 hat im August 2025 gemeinsam mit dem Institut Marketagent rund 1.200 heimische Unternehmen zu ihren Zahlungserfahrungen befragt und die Ergebnisse am 8. Oktober 2025 vorgelegt. 17 Prozent der offenen Forderungen werden zu spät beglichen, ein Wert auf Vorjahresniveau. Firmenkunden brauchen im Schnitt 25 Tage bis zur Zahlung, der Bund 36. Auffällig ist eine Verschiebung im Muster, weil unter den verspäteten Zahlungen mehr vollständige Ausfälle stehen als im Jahr davor.

Walter Koch, Geschäftsführer der KSV1870 Forderungsmanagement GmbH, bezeichnete die Frist des Bundes in der Aussendung des KSV1870 als entschieden zu lang.

Bemerkenswert ist der Wert von 36 Tagen, weil die Rechnungsstrecke zum Bund seit Jahren vollständig digital läuft. Seit 1. Jänner 2014 nehmen die Dienststellen des Bundes ausschließlich strukturierte elektronische Rechnungen über das Unternehmensserviceportal an, geregelt im IKT-Konsolidierungsgesetz. Eine PDF-Datei per E-Mail gilt als nicht eingebracht und wird zurückgewiesen. Der Weg der Rechnung ist damit seit zwölf Jahren papierlos.

Die Rechnung liegt binnen Sekunden im System des Empfängers, die Überweisung dauert seit Oktober zehn Sekunden. Dazwischen vergehen 36 Tage.

Bis zu 60 Tage Zahlungsfrist gelten zwischen Unternehmen als zulässig

In Österreich waren 2025 rund 376.000 Wirtschaftstreibende als Ein-Personen-Unternehmen tätig. Der Frauenanteil lag laut Wirtschaftskammer Österreich mit Datenstand Dezember 2025 bei rund 51,6 Prozent, wobei die Personenbetreuung in dieser Zahl enthalten ist und den Wert nach oben zieht. Für diese Gruppe entscheidet ein einzelner verspäteter Zahlungseingang oft über den Monat. Wer neu gegründet hat, arbeitet nebenbei noch am professionellen Auftritt gegenüber Kunden, von der eigenen Domain bis zur Angebotsvorlage.

Der Hebel dafür sitzt im eigenen Rechnungswesen. Die Wirtschaftskammer Österreich nennt in ihrer Information zum Zahlungsverzug mehrere Ansatzpunkte, die ohne Anwalt funktionieren:

  • Ein datumsmäßig bestimmtes Zahlungsziel auf der Rechnung statt Formulierungen wie prompt nach Erhalt
  • Anzahlung oder Vorauszahlung bei Erstaufträgen, notfalls als Teilbetrag
  • Verzugszinsen und die Pauschale für Betreibungskosten tatsächlich verrechnen statt sie nur in den Geschäftsbedingungen anzukündigen
  • Eigentumsvorbehalt bei Warenlieferungen, damit die Ware im Insolvenzfall aus der Masse gefordert werden kann

Zwischen Unternehmen greift bei Verzug ein gesetzlicher Zinssatz von 10,73 Prozent im Jahr, dazu kommen 40 Euro Pauschale je Fall. Beides fällt an, ohne dass vorher gemahnt werden muss. Der Satz richtet sich nach dem Basiszinssatz und wird halbjährlich neu festgelegt.

Zahlungsfristen bis zu 60 Tagen gelten zwischen Unternehmen nach dem Zahlungsverzugsgesetz nicht als grob nachteilig. Wer kürzere Fristen durchsetzen will, muss sie vereinbaren, bevor der Auftrag läuft. Im laufenden Geschäft steht dann die Kundenbindung gegen den Zinsanspruch.

Erste Bank und Raiffeisen steigen bei Wero ein, ein Starttermin fehlt

Am 22. Juni 2026 gab die European Payments Initiative bekannt, dass die Erste Bank Oesterreich und die Raiffeisen Bankengruppe als Anteilseigner beitreten. Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und die Raiffeisen-Landesbank Steiermark haben den Beitritt angekündigt, er steht noch unter dem Vorbehalt der jeweiligen Aufsichtsratsbeschlüsse. Nachzulesen ist das in der Aussendung der Raiffeisen Bank International.

Hinter der Initiative steht die Bezahllösung Wero, die Zahlungen direkt zwischen Konten abwickelt und seit 2024 in Deutschland, Belgien und Frankreich läuft. EPI beziffert die Zahl der Nutzer auf 55 Millionen.

Im deutschen Handel lässt sich damit seit Ende 2025 bezahlen, Belgien und Frankreich sollen 2026 folgen. In Österreich ist der Dienst bislang nicht verfügbar. Für Selbstständige zählt vor allem die angekündigte Funktion für Zahlungen an Gewerbetreibende. Kunden könnten damit direkt vom Konto an ein Unternehmen zahlen, ohne Kartennetzwerk dazwischen. Was das an Gebühren spart, hat EPI nicht beziffert.

Wann österreichische Kunden Wero nutzen können, steht nicht fest. Die PSA Payment Services Austria bereitet seit Jänner 2026 die technische Anbindung für Banken in Österreich und Deutschland vor. Ein Datum nennt auch sie nicht.

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