Manche Lesebiografien beginnen nicht mit Algorithmus, sondern mit einer Bettdecke als Höhle und Büchern, die ganze Nachmittage verschwinden lassen. Bei Alina Dreßler waren es Reihen wie „Warrior Cats“, „Tintenherz“, „Eragon“, „Percy Jackson“, Harry Potter, Panem und Twilight, die früh Spuren hinterlassen haben. Heute liest sie anders, bewusster und mit einem klaren Gespür dafür, welche Geschichten wirklich bleiben.
Auf Bookstagram hat sie ihren eigenen Ton gefunden: literarische Fiktion, persönliche Empfehlungen, starke Erzählweisen und wenig Lust auf Trends, die nur für Reichweite funktionieren. Alina Dreßler vertraut schönen Covern, guten Klappentexten und Menschen mit ähnlichem Geschmack, aber sie verbiegt ihre Buchliebe nicht für Zahlen. Im Interview wird deutlich, weshalb ein eigener Kompass manchmal wichtiger ist als der nächste Hype.
Alina Dreßler im Interview
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Ich habe schon als Kind begonnen zu lesen, ich erinnere mich ganz genau daran, wie ich ein Laken über meine Bettpfosten gespannt habe (um mir eine Höhle zu bauen) und stundenlang die „Warrior Cats“ Bücher verschlang.
„Freche Mädchen“, „Ein Pferd namens Milchmann“, „Lola“, „Tintenherz“ „Eragon“ , „Percy Jackson“ und „Dork Diaries“ habe ich wahnsinnig gerne gelesen.
Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?
Auf jeden Fall. Ganz besonders erinnere ich mich an den ersten Band von Harry Potter, bei dem mich meine Mutter wirklich zunächst überreden musste, ihn zu lesen. Danach habe ich alle Teile verschlungen. Ansonsten die Tribute von Panem-Reihe. Im Sommerurlaub an der Nordsee wollte ich mein Zimmer nicht verlassen, um einfach weiterzulesen.
Und ich hatte natürlich auch eine ganz dolle Twilight-Phase, in der ich alle Bücher inhaliert und mein Zimmer mit Postern tapeziert habe. Es waren also vor allem (Fantasy)-Reihen, die mich sehr geprägt haben.
Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?
Beides! Am liebsten eigentlich durch persönliche Empfehlungen, durch befreundete Bloggerinnen oder solche, bei denen ich weiß, dass wir einen ähnlichen Geschmack haben.
Ich liebe es aber auch, in Buchhandlungen einfach durch schöne Cover angesprochen und durch interessante Klappentexte überzeugt zu werden.
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Ich lese wirklich zu 85% literarische Fiktion. Das ist das Genre, das mich am allermeisten begeistern kann. Ansonsten lese ich auch ab und zu gerne mal einen Klassiker, ein feministisches Sachbuch oder einen Gedichtband. Persönlich nicht greifen würde ich zu „Dark Romance“, da dort (meiner Meinung nach) Gewalt gegen Frauen romantisiert und verherrlicht wird.
Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?
Ich habe bis vor einem halben Jahr super selten Bücher abgebrochen. Doch seitdem sich meine berufliche Situation verändert hat und ich einfach viel weniger Zeit zum Lesen habe, breche ich Bücher auch ab. Wenn ich merke, dass mir der Schreibstil nicht gefällt, mich die Geschichte nicht abholen kann oder ich nicht in das Buch rein finde, breche ich ein Buch mittlerweile ab.
Das Leben ist zu kurz und es gibt zu viele tolle Bücher!
Alina Dreßler folgt dem Bauchgefühl
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Nicht ganz neu entdeckt, aber es erschienen jeweils das zweite Buch von „Dana Vowinckel“ und „Ruth-Maria Thomas“, welche mich absolut begeistert haben.
Ich bin wirklich großer Fan von ihren Erzählweisen, den Themen, denen sie in ihren Büchern Platz geben und der eindrucksvollen Dynamik ihrer Erzählungen. Von daher: eine große Empfehlung!
Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?
Ich habe vor 2,5 Jahren meinen ersten Beitrag hochgeladen, um meine größte Leidenschaft (Literatur) mit anderen Menschen zu teilen. Ich wollte Menschen kennenlernen, die diese Leidenschaft teilen und über Bücher ins Gespräch kommen.
Ich wollte eigentlich schon viel früher beginnen, doch habe mich lange nicht getraut und dachte immer, es gibt ja schon genug Accounts, die spannende Inhalte teilen. Doch ich bin wirklich froh, trotzdem begonnen zu haben, da sich seitdem viel in meinem Leben verändert hat.
Ich habe dadurch tolle Möglichkeiten erfahren, wie beispielsweise dieses Jahr für den Deutschen Buchpreis bloggen zu dürfen, Events mit spannenden Autorinnen besuchen zu können und tolle andere Menschen kennengelernt zu haben. Ich möchte diesen Teil meines Lebens nicht missen!
Wie hat BookTok oder Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?
Stärker als ich es im Vorhinein vermutlich gedacht hätte. Ich habe früher sehr selten deutsche Neuerscheinungen gelesen und deutlich häufiger zu „älteren“ Taschenbüchern oder englischen Titeln gegriffen.
Durch meinen Account habe ich das Privileg, dass mir viele Neuerscheinungen zugeschickt werden und ich viel mehr deutschsprachige Autor:innen entdeckt habe, auch wenn ich noch immer gerne Übersetzungen lese.
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Bleibe dir selbst treu. Sich für Trends zu verbiegen, nur um schnell eine Reichweite zu bekommen, wird dich vermutlich am Ende des Tages nicht glücklich machen. Es ist natürlich vollkommen in Ordnung, sich auszuprobieren, aber ich denke schon, dass jeder ein bisschen sein Ding machen darf und sich nicht alle Accounts an dieselben Trends „halten“ müssen.
Außerdem ist es wertvoll, den Fokus auf die Bücher und die Menschen zu legen und sich weniger auf die Zahlen zu konzentrieren, das kann schnell zu Unzufriedenheit führen.
Mehr von Alina Dreßler gibt es auf Instagram mit literarischen Empfehlungen, ehrlichen Lesemomenten und viel Liebe für besondere Bücher.







