Sandra Löw begleitet Führungskräfte und Teams dabei, Führung neu zu denken. Weg von reinem Funktionieren, hin zu bewusster Selbstführung, innerer Klarheit und tragfähigen Entscheidungen. Als Wirtschaftspsychologin, systemische Coach und Trainerin für Mindful Leadership verbindet sie Achtsamkeit mit fundierter Führungsarbeit und persönlicher Entwicklung.
Im Interview erklärt Sandra Löw, warum klassische Führungsprogramme oft zu kurz greifen, wie Achtsamkeit im Berufsalltag echte Stabilität schafft und weshalb wirksame Führung immer bei der eigenen Haltung beginnt. Ein Gespräch über innere Arbeit, klare Entscheidungen und Führung, die leistungsfähig und menschlich zugleich ist.
Im Interview mit Sandra Löw
Frau Löw, wie sind Sie zur Achtsamkeit und Mindful Leadership gekommen?
Mein Zugang zur Achtsamkeit entstand in einer sehr persönlichen Veränderungsphase. Ich habe damals ein Coachingprogramm für mich selbst absolviert, das intensiv mit achtsamkeitsbasierten Methoden gearbeitet hat und diese Erfahrung hat unglaublich viel in Bewegung gebracht.
Durch meinen eigenen transformativen Prozess habe ich verstanden, wie sehr unsere innere Haltung, unsere Gedanken und Emotionen unser Handeln prägen.
Da ich beruflich aus dem Personalbereich komme und meinen wissenschaftlichen Background in der Wirtschaftspsychologie habe, wurde mir recht schnell bewusst, dass in klassischen Führungsprogrammen oft Tools und Techniken vermittelt werden, aber die eigentliche Grundlage – die innere Arbeit – meist außen vor bleibt.
Dabei ist genau dieser innere Zugang entscheidend, wenn Führung wirksam und integer sein soll. Das war der Punkt, an dem ich mich dazu entschieden habe, die Ausbildung zur Mindfulness-Trainerin für Organisationen zu absolvieren. Ich wollte dieses Wissen nicht nur für mich nutzen, sondern Menschen und Organisationen zugänglich machen.
Heute verbinde ich achtsamkeitsbasierte Methoden, systemisches Coaching und persönliche Entwicklung und genau diese Kombination macht meine Arbeit so wirkungsvoll.
Wobei hilft Achtsamkeit Menschen im beruflichen Alltag am meisten?
Achtsamkeit hilft vor allem dabei, aus dem Funktionieren auszusteigen und wieder bewusster zu handeln. Viele erleben ihren Arbeitsalltag im Autopilotmodus – ohne klaren Kontakt zu sich selbst. Achtsamkeit schafft die Fähigkeit, innezuhalten, hinzuspüren und dann bewusst zu entscheiden.
Besonders spürbar wird das in folgenden Bereichen:
- Innere Stabilität: Stress verschwindet nicht, aber wir gehen anders damit um.
- Klarheit in Entscheidungen und in der eigenen Haltung: Achtsamkeit hilft dabei, die eigenen inneren Prozesse besser wahrzunehmen – etwa Unsicherheiten, innere Antreiber oder emotionale Reaktionen. Dadurch wird klarer, aus welcher Haltung heraus ich entscheide und ob diese Entscheidung wirklich zu mir, meiner Rolle und der Situation passt.
- Beziehungs- und Kommunikationskompetenz: Im Kontakt mit anderen werden Menschen aufmerksamer dafür, wie sie wirken, wann sie in alte Reaktionsmuster rutschen und wann es sinnvoll ist, innezuhalten. Das führt zu klarerer Kommunikation, weniger Missverständnissen und zu Beziehungen, die auch in schwierigen Situationen tragfähig bleiben.
Achtsamkeit bedeutet nicht, mit allen auf Kuschelkurs zu sein oder Konflikte zu vermeiden. Ganz im Gegenteil: Achtsamkeit ermöglicht Klarheit und konstruktive Kritik – aber auf eine Art und Weise, die respektvoll bleibt und Beziehung erhält.
Mit welchen Herausforderungen kommen Führungskräfte oder Teams typischerweise zu Ihnen?
Viele Führungskräfte kommen zu mir, weil sie gelassener, sicherer und klarer werden möchten – im Umgang mit sich selbst und in ihrer Rolle. Häufig geht es um den Ausbau der eigenen Führungsfähigkeiten, den souveränen Umgang mit schwierigen Situationen oder ein stärkeres Selbstbewusstsein.
Ein weiteres großes Thema sind Entscheidungen und berufliche Perspektiven:
Wo will ich hin? Was passt zu mir? Was ist mein nächster Schritt?
Die Menschen, die mit mir arbeiten, sind bereit, auf einer tieferen Ebene hinzuschauen, statt nur an äußeren Symptomen zu arbeiten. Wir schauen uns Muster, innere Überzeugungen und blinde Flecken an. Dieses Bewusstsein ist die Grundlage dafür, dass sich im Außen wirklich etwas verändert und dabei unterstütze ich auch mit konkreten Tools und Methoden, damit Veränderung sicher und alltagstauglich wird.
Viele beschreiben nach dem Coaching, dass sie sich innerlich stabiler fühlen, klarer auftreten und Entscheidungen bewusster treffen, weil sie sich selbst besser verstehen und dadurch handlungsfähiger werden.
Sandra Löw steht für achtsame Führung mit Klarheit
Wie verändert sich die Zusammenarbeit, wenn Führung achtsam gelebt wird?
Achtsame Führung wirkt unmittelbar auf Kultur, Effizienz und Miteinander. Wenn Führung achtsamer gelebt wird, verändert sich Zusammenarbeit spürbar. Der Fokus verschiebt sich weg von Reibungsverlusten und unnötigen Konflikten hin zu Klarheit, Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt. Teams arbeiten konzentrierter, weil Erwartungen klarer sind und weniger Energie in unausgesprochene Spannungen fließt.
Gleichzeitig entsteht ein Klima, in dem Rückmeldungen möglich sind, ohne dass Menschen sich persönlich angegriffen fühlen. Das fördert nicht nur Motivation und Zufriedenheit, sondern auch Lernbereitschaft, Innovation und einen gesünderen Umgang mit Stress und Belastung.
Und das Kernprinzip bleibt:
Wenn Führungskräfte sich selbst gut kennen, klar kommunizieren und präsent sind, entsteht ein Umfeld, in dem andere sich trauen, mitzudenken, Verantwortung zu übernehmen und sich einzubringen. Dadurch wird Zusammenarbeit nicht nur effizienter, sondern menschlicher.
Für wen eignen sich Ihre Programme besonders gut?
Meine Programme richten sich vor allem an Menschen, die bereit sind, sich selbst ehrlich zu begegnen und wirklich etwas verändern möchten.
Besonders profitieren:
- neue Führungskräfte, die eine stabile Basis für ihre Rolle schaffen wollen
- erfahrene Führungskräfte, die tiefer gehen möchten als klassische Führungs-Skills
- Menschen in beruflichen Veränderungsphasen
- Personen, die gelassener werden und ihren Umgang mit Stress und Belastungen verbessern möchten
- Menschen, die sehr selbstkritisch mit sich und ihrer Leistung umgehen und lernen möchten, sich selbst klarer, wohlwollender und realistischer zu führen
- alle, die für ihre Ziele losgehen wollen und persönliche Entwicklung ernst meinen
Es ist nie zu spät, seinen eigenen Kompass neu auszurichten und es lohnt sich immer.
Was raten Sie Menschen, die mit Achtsamkeit starten möchten?
Das Wichtigste: die Einstiegshürde so gering wie möglich zu machen.
Statt sich vorzunehmen, täglich eine Stunde zu meditieren, lieber mit einer Minute beginnen und dann langsam steigern.
Es hilft außerdem, Achtsamkeit an Dinge zu koppeln, die ohnehin passieren:
z. B. Zähneputzen, Kaffee holen oder den Computer hochfahren. So wird daraus eine alltagstaugliche, kleine Routine, die wirklich bleibt.
Und: Achtsamkeit ist nicht an Meditation gebunden.
Es geht darum, im Alltag immer wieder kurz präsent zu werden – im Moment, mit sich selbst, mit der Situation und mit dem Gegenüber.
Wer bereit ist, sich selbst besser kennenzulernen, schafft damit die Grundlage für wirksame Führung und gesunde Zusammenarbeit.
Über Sandra Löw
Sandra Löw ist Diplom Systemische Coach, Wirtschaftspsychologin und Trainerin für Mindful Leadership. Ihre Arbeit verbindet Achtsamkeit, systematisches Coaching und persönliche Entwicklung – immer mit dem Ziel, Menschen stärker, klarer und wirksamer zu machen. Mit viel Empathie schafft sie Räume, in denen echte Reflexion und tiefes Wachstum möglich werden.







