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Martina Sturainer de Cueto denkt Kinderhaut neu

Wenn Babys nachts blutig gekratzte Arme haben und Eltern seit Wochen kaum noch schlafen, geht es längst nicht mehr nur um trockene Haut. Neurodermitis verändert ganze Familienalltage. Viele Mütter fühlen sich zwischen Arztterminen, Cremes, Verzicht und ständiger Sorge irgendwann komplett ausgelaugt. Und trotzdem wird ein entscheidender Faktor oft unterschätzt: die Kleidung, die täglich direkt auf der empfindlichen Haut liegt.

Martina Sturainer de Cueto kennt genau diese Realität aus unzähligen Gesprächen mit betroffenen Familien. Mit Chill n Feel entstand deshalb nicht einfach nur ein nachhaltiges Label, sondern eine Marke mit einer klaren Haltung: weniger Reiz, weniger Stress und mehr echte Entlastung für Kinder mit sensibler Haut. Im Mittelpunkt stehen nicht Trends oder süße Prints, sondern die Frage, was kleinen Hautpatienten wirklich guttut.

Interview mit Martina Sturainer de Cueto

Interview Martina Sturainer de Cueto

Warum unterschätzen viele Eltern den Einfluss von Kleidung auf Neurodermitis und sensible Kinderhaut?

Viele Eltern unterschätzen den Einfluss von Kleidung auf Neurodermitis und sensible Kinderhaut, weil der erste Weg bei Hautproblemen verständlicherweise zum Kinderarzt führt.

Gerade wenn in der Familie bisher keine Hautthematik bekannt war, kommt man oft gar nicht auf den Gedanken, dass auch Kleidung einen Einfluss auf das Hautbild haben kann.

Die erste Babykleidung wird meist schon lange vor den ersten Symptomen gekauft – zu einem Zeitpunkt, an dem Neurodermitis überhaupt noch kein Thema ist. Oft entscheidet man nach Optik, Gefühl oder Praktikabilität. Auf schadstofffreie Materialien oder besonders reizfreie Verarbeitung achten viele Eltern anfangs noch nicht, weil ihnen die Zusammenhänge schlicht nicht bewusst sind.

Wenn dann erste Symptome auftreten – was bei einer entsprechenden Veranlagung häufig schon ab dem 4. Lebensmonat der Fall ist – liegt der Fokus verständlicherweise zunächst auf der ärztlichen Behandlung.

Auch wenn immer mehr Kinderärzte Neurodermitis inzwischen ganzheitlicher betrachten und mit Neurodermitis-Tagebüchern arbeiten, um mögliche Trigger und Provokationsfaktoren zu erkennen – dazu zählt auch Kleidung mit direktem Hautkontakt –, stehen meist zuerst Cremes und Salben, bei stark entzündeter Haut oft auch Cortison, im Mittelpunkt.

Werden Eltern nicht frühzeitig über die Bedeutung reizfreier und schadstoffarmer Kleidung aufgeklärt, setzen sie ihre Hoffnung verständlicherweise zunächst auf die medizinische Behandlung.

Viele Familien sind mit der Diagnose Atopische Dermatitis anfangs komplett überfordert. Themen wie Ernährung, Waschmittel oder eben die Kleidung rücken oft erst nach und nach stärker in den Fokus.

Welche Fehler sehen Sie bei herkömmlicher Babykleidung für hochsensible Kinder besonders häufig?

Oh, hier könnte ich weit ausholen – was ich an dieser Stelle natürlich nicht tun werde.

Zunächst einmal verstecken sich in Babykleidung vieler Marken Inhaltsstoffe, die die noch sehr durchlässige Babyhaut reizen können und das nicht nur dann, wenn bereits ein neurodermitisches Hautbild vorliegt.

Viele Eltern verlassen sich auf „Bio“-Versprechen auf dem Etikett, ohne zu wissen, dass manche eigens entworfenen Labels oft nur einen kleinen Anteil an Biobaumwolle bewerben. Wer wirklich hohe Standards sucht, sollte auf Zertifizierungen wie GOTS oder IVN achten.

Neben möglichen Chemikalien und Schadstoffen, die für das Auge unsichtbar bleiben, wird bei günstiger Babykleidung häufig auch an der Baumwollqualität gespart. Ein Babybody kann nur dann für wenige Euro verkauft werden, wenn entweder bei Material oder Produktion massiv eingespart wird.

Minderwertige, kurzfaserige Baumwolle neigt beispielsweise schneller zu Pilling – also kleinen Knötchen auf der Stoffoberfläche, die gerade sensible Haut zusätzlich reizen können.

Hinzu kommt, dass herkömmliche Babykleidung oft sehr einfach vernäht wird. Das Resultat sind dicke oder kratzende Nähte, die permanent an der empfindlichen Haut reiben. Dazu kommen harte Synthetiketiketten im Nacken, die selbst mich als sehr hautsensible Frau wahnsinnig machen würden und die ich – wenn möglich – noch vor dem ersten Tragen entferne.

Das ist übrigens nicht immer einfach, weil manche Etiketten so fest vernäht sind, dass man beim Heraustrennen schnell die Naht des Kleidungsstücks beschädigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Vieles sieht optisch unglaublich süß aus und spricht natürlich das Auge der Eltern an – trägt aber nicht unbedingt zum Wohlbefinden sensibler Babyhaut bei.

Wie stark beeinflussen Stress, Reibung und Stoffe den Alltag von Kindern mit Neurodermitis wirklich?

Psychischer Stress ist tatsächlich ein sehr häufiger Auslöser von Neurodermitis-Schüben. Vielen Eltern ist gar nicht bewusst, wie eng Haut und Nervensystem miteinander verbunden sind. Gerät ein Kind unter Stress – und das kann bei Babys schon Übermüdung, Reizüberflutung oder Unruhe sein –, schüttet der Körper vermehrt Cortisol aus, also unser körpereigenes Stresshormon.

Hier entsteht oft ein spannender Aha-Effekt: Viele kennen Cortison als entzündungshemmende Creme und wundern sich deshalb, warum Stress die Haut verschlechtern kann. Obwohl die Begriffe ähnlich klingen, wirken sie nicht gleich.

Während medizinisches Cortison Entzündungen beruhigen soll, signalisiert Cortisol dem Körper eher Alarmbereitschaft. Der Körper steht unter Spannung und gerade bei Neurodermitis reagiert die Haut darauf oft besonders empfindlich.

Die Haut beginnt stärker zu jucken, das Kind kratzt sich, die Hautbarriere wird weiter geschädigt und der Juckreiz nimmt erneut zu. So entsteht dieser typische Juck-Kratz-Kreislauf, aus dem viele Familien kaum noch herausfinden.

Kommt dann zusätzlich noch reibende oder scheuernde Kleidung hinzu, kratzige Stoffe, wenig atmungsaktive Materialien oder im schlimmsten Fall Rückstände von Schadstoffen, die über die ohnehin gestörte Hautbarriere leichter eindringen können, wird Neurodermitis schnell zur Dauerbelastung im Alltag.

Die meisten Eltern, mit denen ich spreche, erleben diese Belastung vor allem nachts. Das Kind kratzt sich im Schlaf unbewusst wund, die Eltern wechseln sich ab, halten kleine Hände fest oder versuchen irgendwie, ihr Baby zu beruhigen, damit die Haut wenigstens für einen Moment zur Ruhe kommt.

Genau deshalb kann schon eine scheinbar kleine Veränderung – wie besonders weiche, reizfreie Kleidung (idealerweise mit Kratzschutz an Händen und Füßen) – im Alltag einer betroffenen Familie unglaublich viel bewirken.

Martina Sturainer de Cueto gegen Hautstress

Zitat Martina Sturainer de Cueto

Warum war für Sie früh klar, dass Chill n Feel mehr als nur ein nachhaltiges Modelabel werden soll?

Schon früh hatte ich eine Vision im Leben: Ich wollte etwas schaffen, das Menschen wirklich hilft. Mit Chill n Feel habe ich dafür meinen eigenen Weg gefunden – indem wir Babys und Kindern mit hochsensibler Haut und Neurodermitis zu etwas mehr Wohlgefühl verhelfen.

Kinder sollen einfach Kind sein dürfen. Sie sollen spielen, entdecken, sich entwickeln dürfen – in ihrem eigenen Rhythmus, mit Neugierde und möglichst viel Unbeschwertheit. Gerade bei Neurodermitis geht das im Alltag leider oft verloren.

Mir ist sehr bewusst, dass Kleidung die Haut nicht heilen kann – unabhängig davon, wie hochwertig ein Material ist. Aber sie kann beruhigen, entspannen, Reize reduzieren und dabei helfen, besser zu schlafen. Und genau das senkt wiederum das Stresslevel, was sich bei Neurodermitis oft positiv auf die Haut auswirkt.

Zu Beginn hätte ich niemals gedacht, dass wir schon bald mit Ärzten, Hautkliniken und Krankenkassen zusammenarbeiten würden und uns damit zunehmend auch im medizinisch-therapeutischen Umfeld bewegen.

Für mich ist das eine sehr schöne Entwicklung, weil sie uns hilft, Chill n Feel stetig weiterzuentwickeln und betroffene Familien heute gezielter, kompetenter und ganzheitlicher begleiten zu können.

Wie haben Peru und die Zusammenarbeit mit betroffenen Familien Ihre Sicht auf Unternehmertum verändert?

In Peru kam ich bereits vor fast 20 Jahren erstmals in Kontakt mit Biobauern, Frauen aus Strickkooperativen und Baumwollexperten, die mir gezeigt haben, wie nachhaltiger Landbau in Peru aussehen kann und was das für die kostbare Pima Baumwolle des Landes bedeutet.

Ich habe die Menschen hinter den Produkten kennengelernt, gesehen wie sie leben und arbeiten und genau das hat meine Sicht auf Unternehmertum stark verändert.

Sehr schnell wurde mir klar, dass ich ein Unternehmen gründen möchte, das nicht nur schöne Produkte verkauft, sondern auch zur Wertschöpfung in Peru beiträgt. Ich wollte mit genau den Menschen arbeiten, denen ich dort begegnet war – mit dem guten Gefühl, zufriedene Menschen hinter meinen Produkten zu wissen.

Vielleicht klingt das für manche etwas romantisch oder sogar wie Humbug, aber ich bin überzeugt davon, dass man spürt, wenn ein Produkt unter guten Bedingungen hergestellt wurde.

Und die betroffenen Familien? Sie sind bis heute meine größte Motivation und Inspiration. Durch den Austausch mit ihnen lernen wir ständig dazu. Wenn eine Naht für ein Kind noch zu viel Reibung bedeutet, setzen wir alles daran, sie weiter zu optimieren oder möglichst zu vermeiden.

Letztlich geht es nicht mehr nur darum, etwas zu entwickeln, das Eltern optisch gefällt, sondern vor allem darum, was unseren kleinen Hautpatienten wirklich guttut.

Welchen Tipp geben Sie Eltern von Kindern mit Neurodermitis und sensibler Haut und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Auch wenn Neurodermitis für die ganze Familie oft Stress bedeutet – mit schlaflosen Nächten und einer ständig mitschwingenden Sorge –, ist es wichtig, Wege zu finden, entspannter mit der Hautkrankheit umzugehen.

Neurodermitis braucht Zeit.

Zeit, um herauszufinden, was der Haut guttut und was nicht. Es ist oft ein langsames Kennenlernen, Beobachten und Entdecken. Und gerade als Mama haben wir häufig ein sehr gutes Bauchgefühl – wenn wir lernen, darauf zu vertrauen.

Nicht jede Aussage eines Arztes oder Ratgebers muss automatisch zur eigenen Situation passen. Es gibt viele unterschiedliche Wege und Ansätze, die langfristig zu einem entspannteren Alltag mit Neurodermitis beitragen können. Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem, nichts zu überstürzen und nicht alles gleichzeitig auszuprobieren.

Ich selbst habe über die Jahre viele Ansätze und Erfahrungen kennenlernen dürfen und schreibe auf unserem Blog viel über diese Themen.

Mein persönlicher Schwerpunkt und meine Expertise liegen allerdings ganz klar im Bereich hautfreundlicher Kleidung für Babys und Kinder mit sensibler Haut. Bei Fragen dazu bin ich jederzeit gerne telefonisch oder per E-Mail unter tina@chillnfeel.com erreichbar.

Über Martina Sturainer de Cueto

Martina Sturainer de Cueto ist Mutter von drei Söhnen und seit vielen Jahren mit ihrem peruanischen Mann verheiratet. Gemeinsam mit ihrer Familie und den prägenden Eindrücken aus Peru entstand über die Jahre die Idee hinter Chill n Feel.

Das Faultier im Logo steht für bewusste Ruhe im Alltag und erinnert daran, sich trotz Hektik kleine Momente zum Durchatmen und Ankommen zu schenken.

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