Interviews

Alicia Zett schreibt Geschichten mit Nachhall

Manche Bücher liest man und vergisst sie wenige Tage später wieder. Andere bleiben unter der Haut. Sie lösen etwas aus, bringen Menschen zum Weinen, Träumen oder dazu, sich selbst plötzlich ein Stück besser zu verstehen. Genau solche Geschichten schreibt Alicia Zett.

Die Autorin begeistert mit emotionalen Figuren, intensiven Beziehungen und einer Bildsprache, die sich beim Lesen wie ein Film im Kopf entfaltet. Im Interview spricht sie über ihren kompromisslosen Schreibdrang, die Magie starker Freundschaften und warum das Ende eines Romans für sie jedes Mal wie ein emotionaler Zieleinlauf ist.

Interview mit Alicia Zett

Interview Alicia Zett

Wann hast du gemerkt, dass du schreiben möchtest und was hat dich dazu gebracht, dranzubleiben?

Ich habe von klein auf Bücher vorgelesen bekommen und sobald ich lesen konnte, selbst gelesen. In diese anderen Welten einzutauchen, hat mich mehr als alles andere fasziniert. Die Vorstellung, einmal selbst Geschichten zu schreiben, die in anderen große Gefühle auslösen, war überwältigend.

Mit 14 fing ich an, Kurzgeschichten zu schreiben und der Wunsch, einen ganzen Roman zu veröffentlichen, wuchs immer weiter. Was mich dazu gebracht hat, dranzubleiben? Nun, ich muss all meine Projekte zu Ende bringen. Das ist ein innerer Drang, der vielleicht auch nicht ganz gesund ist, aber er bringt mich dazu, meine Deadlines stets einzuhalten.

Was inspiriert dich aktuell am meisten für deine Geschichten?

Ich denke, das wird sich nie ändern: Das Leben und die Menschen, die mir darin begegnen. Aber auch jegliche Art von Kultur: Musik, Theater, Filme, Serien, Musicals und natürlich auch andere Bücher.

Wie würdest du deinen Schreibstil oder deine Bücher in wenigen Worten beschreiben?

Die Worte, die ich immer wieder auf Lesungen höre, sind: Warm, authentisch und bildhaft. Ich selbst würde sagen: Wenn während des Lesens meiner Bücher ein Film vor den Augen der Leser*innen abläuft und sie mit den Figuren durch Höhen und Tiefen gehen, dann habe ich alles richtig gemacht.

Gibt es Themen oder Emotionen, die sich wie ein roter Faden durch deine Geschichten ziehen?

Enge Freundschaften und tiefe Geschwisterbeziehungen, das ist mir erst letztens wieder aufgefallen und es sind auch die Themen, die ich in Büchern selbst am liebsten lese.

Alicia Zett schreibt direkt ins Herz

Zitat Alicia Zett

Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus – eher geplant oder intuitiv?

Definitiv geplant. Ohne eine Kurzzusammenfassung der Handlung und einen Kapitelplan starte ich in kein Romanprojekt. Auf dem Weg können sich natürlich noch Dinge ändern. Figuren handeln anders, oder Szenen finden an einem anderen Ort statt, aber dieser anfängliche Plan hilft mir dabei, einem roten Faden zu folgen.

Welche Szene oder welcher Moment aus deinen Büchern ist dir besonders im Kopf geblieben und warum?

Es ist interessant, denn erst dachte ich, die Antwort auf diese Frage wäre schwer, doch das ist sie nicht. Ich habe kurz in mich hineingehört und wusste: Es ist bei jeder Geschichte gleich. Das Ende. Dieser letzte Satz. Weil ich es liebe, ihn zu schreiben, aber auch, weil er bedeutet, dass ich es geschafft habe.

Ein Buch zu schreiben ist ein Marathon. Ein wahrer Kraftakt. Und dieser letzte Satz ist wie das Rennen über die Ziellinie. Nur, dass deutlich weniger Menschen am Rand stehen und dich anfeuern. Es ist also nicht eine Szene, es ist dieser Moment, in dem ich weiß:

Ich habe es gechafft. Es ist vollbracht.

Es warten noch Monate der Überarbeitung auf mich, aber ich habe mir selbst und diesen Figuren ein Ende geschenkt, das ich liebe.

Was sollen Leser:innen fühlen oder mitnehmen, wenn sie dein Buch beendet haben?

Oh, so so viel. Ich möchte niemandem Gefühle vorschreiben, das maße ich mir nicht an. Es gibt so viele unterschiedliche Emotionen und am liebsten wäre mir natürlich, sie würden alle fühlen.

Am meisten freue ich mich darüber, wenn Leser*innen nach einer Lesung zu mir kommen und mir erzählen, was das Buch mit ihnen gemacht hat. Ganz egal, ob es sie zum Weinen oder Lachen gebracht, ob es ihnen die Augen geöffnet oder sie vom stressigen Alltag abgelenkt hat.

Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Leser:innen als Nächstes freuen?

Gerade sitze ich an meiner ersten Fantasy Reihe und liebe es. Mit „Die Underwoods – Drowned in Shadows“ kommt eine düstere Geschichte über eine skurrile Familie, die das Gleichgewicht zwischen unserer Welt und der der Toten aufrechterhält.

Im Fokus stehen Talia Underwood, die als Medium arbeitet und Emma Hawthorne, die Talia aufsucht, um herauszufinden, wer verantwortlich für den Tod ihrer besten Freundin ist. Ich hatte die Idee zu der Geschichte als ich die Serie „Wednesday“ schaute und dachte mir: Genau so einen Vibe möchte ich. Nur in queer und mit etwas weniger Blut.

Band eins erscheint am 28. September diesen Jahres.


Mehr von Alicia Zett gibt es auf TikTok und Instagram. Dort teilt die Autorin Einblicke in ihren Schreiballtag, neue Buchprojekte und alles rund um ihre emotionalen Geschichten zwischen Herzklopfen, Freundschaft und Fantasy.

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