Wenn der eigene Körper plötzlich Grenzen setzt, wird der Alltag kleiner. Für Christin Dürwald hat sich durch ihre schwere Herzerkrankung vieles verändert: kein Sport mehr, mehr Ruhe, weniger Freiheit, dafür ein Leben, das neu sortiert werden musste. Ausgerechnet Bücher wurden in dieser Zeit zu einem Ort, an dem sie wieder Luft holen konnte.
Heute liest sie zehn bis fünfzehn Bücher im Monat, liebt Psychothriller, Krimis, Horror und Romane mit Herzschmerz. Auf Bookstagram hat sie eine Community gefunden, die aus einem stillen Hobby echte Verbindung macht. Im Interview geht es um das Lesen als Rückzugsort, ehrliche Rezensionen, klare Grenzen bei Kooperationen und den Satz, der für Christin längst mehr ist als ein Motto: Gemeinsam statt einsam.
Interview mit Christin Dürwald
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Ich habe als Kind schon sehr gern gelesen, aber dies irgendwann nicht weiter fortgeführt. Ich bin seit meinem 16 Lebensjahr herzkrank und 2022 kam dann die richtige Diagnose. ARVC.
Dies ist eine sehr seltene und unheilbare schwere Erkrankung am Herzen. Kurz gesagt, das Herz baut sich ab und die Lücken werden mit Fett und Bindegewebe ersetzt und dadurch entstehen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen. Aufgrund dessen hat sich mein ganzes Leben verändert.
Ich kann keinen Sport mehr machen und darf eigentlich nur noch ruhige Tätigkeiten machen und ab diesem Zeitpunkt habe ich das Lesen wieder neu für mich entdeckt. Zudem hilft es mir, meinen Alltag und meine Sorgen zu vergessen und in andere Welten abzutauchen, daher auch mein Name auf Instagram im.buch.versunken.
Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?
Das, was ich lesen möchte, mache ich davon abhängig, wie spannend der Klappentext ist und ich gebe es zu: Ich bin ein absolutes „Cover-Opfer“ aber lesen und Bücher kaufen sind ja bekanntlich zwei unterschiedliche Hobbies.
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Mich zieht es immer wieder zu Psychothrillern, Thrillern, Krimis und Horror-Büchern, aber auch Romane mit viel Liebe und Herzschmerz lese ich sehr gern! Sci-Fi lese ich absolut nicht gern, da komme ich einfach nicht ran.
Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?
Durch meine Erkrankung weiß ich, wie kurz das Leben sein kann und man sollte alles machen was Spaß und Freude macht und dazu zählt auch das Lesen. Wenn ich merke, dass mir ein Buch absolut keine Freude macht und es mich nicht packen kann, dann breche ich es ab.
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Ich habe zuletzt zwei Autorinnen neu entdeckt. Ich durfte für Marie Louvel und ihren Debütroman „Follow your Darkness“ bloggen und ich mag ihre Schreibweise, ihren Ausdruck und bin absolut begeistert, wie sie Spannung und Gefühl in der Geschichte umgesetzt hat.
Dazu kommt, dass Marie eine unwahrscheinlich liebe Frau ist. Sie supportet und wertschätzt die Community und ist immer zur Stelle! Das schätze ich sehr an ihr! Dann habe ich Michelle Schrenk für mich entdeckt. Sie schreibt Romane, die auf Sylt spielen und sie sind genau das Richtige für mich, wenn ich mich tief in andere Welten verstecken will. Sie berührt mich jedes Mal sehr mit ihren Büchern.
Dann haben wir da noch Clarissa Kühnberger und ich bereue bis heute nicht einmal, ihr begegnet zu sein! Sie schreibt so tolle Bücher und immer wenn sie ein neues Buch ankündigt, bin ich Feuer und Flamme, weil ich einfach weiß das es gut wird! Ich könnte noch viele weitere Autoren nennen wie Fitzek, Strobel oder Bentow, alles top Autoren, die ich unwahrscheinlich gern lese.
Christin Dürwald findet Nähe in Büchern
Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?
Ich habe Redebedarf, wenn ich Bücher gelesen habe und da ich extrem viel lese (10-15 Bücher im Monat) kann ich mich perfekt in der Community austauschen, so war mein Gedanke vor dem Registrieren.
Am Anfang war ich sehr unsicher und hatte auch Angst vor den Reaktionen in meinem Umfeld, aber ich wollte einen Ort schaffen, wo es nur um Bücher geht, also habe ich mich einfach mal registriert und die ersten Rezensionen gepostet, um zu sehen, ob es überhaupt was ist.
Wie hat Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?
Es hat mir gezeigt, dass man auch wenn man zu Hause „gefangen“ ist nicht einsam ist und dass es viele liebe Menschen gibt, die da sind und dasselbe Hobby teilen.
Meine Community ist sehr aktiv und ich bin so dankbar dafür!
Ich habe viele unglaublich nette Meschen kennengelernt und bei einigen kann ich mit Stolz sagen, dass ich sie nicht mehr missen möchte!
Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?
Ich lese unwahrscheinlich gern Rezensionen und da schaue ich natürlich in erster Linie darauf. Ist der Account aktiv, sammelt er nur Follower. etc. Es muss einfach vom Gefühl her passen.
Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?
Wenn der Klappentext stimmt und ich schon viel im Vorfeld von dem Buch gehört habe. Aber auch wenn ich den Autor oder die Autorin schon kenne.
Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?
Wenn es eine Geschichte schafft, mich in ihre Welt zu ziehen und ich gedanklich wirklich abschalten kann und das Buch dann auch in einem Rutsch lese.
Oder aber auch, wenn ein Buch mir nicht wirklich zusagt, aber auch nicht wirklich schlecht war, dann poste ich gern darüber, um andere Meinungen zu hören oder einen Denkanstoß zu bekommen etc.

KI generiert
Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?
Kooperationen kommen für mich persönlich nur in Frage, wenn alles drumherum stimmt. Wenn ich sehe, dass ein Verlag oder ein Autor:innen unverhältnismäßige Anforderungen haben, dann lehne ich ab. Content produzieren macht sehr viel Arbeit und einige wenige sehen dies leider nicht.
Aber ich bin bei einigen Verlagen und Autor:innen/Bloggerin und es macht mir unwahrscheinlich viel Spaß! Ich persönlich lehne alle Anfragen mit Geld ab und nehme „nur” ein Rezensionsexemplar.
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Einfach machen! Achte nicht auf andere und vor allem Achte nicht auf Zahlen. Wer was und wie viel liest, ist kein Maßstab und ganz wichtig finde ich, dass man sich aus allen Streitereien um Bücher raushält.
Wenn jemand ein Buch nicht gut findet, habe ich nicht das Recht dazu, ihm das abzusprechen. Leider sehe ich das immer wieder in der Bookbubble, daher ist das meine Empfehlung an alle neuen. Raushalten und das machen, wozu man Lust hat!
Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?
In der Kirche, bevor der Gottesdienst begonnen hat und dann war es auch noch ein Dark Romance. Joa ist lustig, wenn man dann gefragt wird, worum es in dem Buch geht.
Ich muss aber auch zugeben, dass ich schon an der Supermarktkasse gelesen habe und auch beim Zahnarzt auf dem Stuhl, kurz bevor es losgeht. Generell lese ich überall und habe auch immer Bücher mit.
Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?
Es wäre ein Psychothriller mit einer kleinen Portion Liebe.
Mehr von Chrissy gibt es auf Instagram mit ehrlichen Rezensionen, Thrillerliebe und Buchmomenten für alle, die gemeinsam lieber lesen als einsam.







