Manche Geschichten wollen nicht leise bleiben. Sie tauchen auf, setzen sich fest und verlangen irgendwann danach, aufgeschrieben zu werden. Bei Jessica Wedekind begann genau das schon früh: erst mit kleinen Geschichten im Schulunterricht, später mit dem ersten Roman und dem Wunsch, ihren Figuren genau das Ende zu geben, das sie verdienen.
Ihre Bücher leben von großen Emotionen, inneren Kämpfen und Charakteren, die durch Schmerz, Angst und Sehnsucht wachsen müssen. Im Interview erzählt Jessica Wedekind, warum Musik ihre Szenen befeuert, weshalb sie ihre Geschichten detailliert plant und warum ein Buch für sie erst dann wirklich wirkt, wenn es Spuren bei den Leser hinterlässt.
Interview mit Jessica Wedekind
Wann hast du gemerkt, dass du schreiben möchtest und was hat dich dazu gebracht, dranzubleiben?
Schon mit zwölf Jahren habe ich begonnen, die ersten kleinen Geschichten im Schulunterricht auf meinen Schreibblock zu kritzeln. Sie sind irgendwann einfach in meinem Kopf aufgetaucht und haben sich strikt geweigert, diesen wieder zu verlassen.
Aus kleinen, kurzen Storys, wurde schließlich im Rahmen eines Schreibwettbewerbes zu einer Kurzgeschichte, die damals sogar in einem richtigen Buch erschienen ist, und danach habe ich mich mit dreizehn an meinen ersten Roman gesetzt.
Dranzubleiben war zuerst etwas schwierig, doch der Wunsch diesen Charakteren die vollständige Geschichte zu bieten, die sie verdienen und auch ihr Happy End, hat mich angetrieben weiterzuschreiben.
Was inspiriert dich aktuell am meisten für deine Geschichten?
Mich inspirieren ganz verschiedene Dinge. Momentan würde ich sagen, ist es vor allem viel Musik. Einzelne Songs oder ganze Alben, die GefühleJessica Wedekind schreibt mit voller Wucht so intensiv einfangen, dass ich sie auf meine Charaktere oder einzelne Szenen beziehen kann, die ich im Kopf habe und diese dadurch weiterentwickle.
Im Augenblick sind es vor allem Songs von Künstler:innen wie: Sombr, Alex Warren, Olivia Rodrigo, Taylor Swift und Noah Kahan. Aber natürlich auch noch von vielen weiteren.
Wie würdest du deinen Schreibstil oder deine Bücher in wenigen Worten beschreiben?
Wenige Worte sind natürlich immer schwierig für Geschichten, an denen man so lange gearbeitet hat. Aber wenn ich für meine Werke eine allgemeine Einschätzung treffen müsste, würde ich sie vor allem als tiefgründig, intensiv und vereinnahmend beschreiben.
Gibt es Themen oder Emotionen, die sich wie ein roter Faden durch deine Geschichten ziehen?
Auf jeden Fall! All meine Protagonisten schicke ich emotional erst mal durch die Hölle. Wie im echten Leben haben auch sie ihr Päckchen zu tragen und lernen für sich selbst im Laufe der Geschichten besser damit umzugehen und ihre Komfortzone zu verlassen.
Nur so kann man als Mensch wachsen. Oft, weil die andere Person sie zum Nachdenken und Umdenken bringt, was ihnen dabei hilft zu heilen.
Themen, die mir wichtig sind und konkret immer mal wieder auftauchen sind zum Beispiel Angststörungen, das Gefühl von Einsamkeit und das Streben nach Zugehörigkeit, aber auch starke unabhängige Frauen die es entweder von vornherein sind oder im Lauf der Geschichte lernen für sich, ihre Wünsche und Bedürfnisse einzustehen.
Jessica Wedekind liebt intensive Geschichten
Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus – eher geplant oder intuitiv?
Ich bin schon immer eine Plotterin gewesen. Das bedeutet, wenn ich eine Idee zu einer neuen Geschichte habe, kommt sie immer zuerst in die Notiz-App auf meinem Handy. Mit der Zeit fallen mir schließlich immer mehr Szenen und Ideen dazu ein.
Wenn ich mir dann sicher bin, dass ich diese Geschichte schreiben möchte und genug gesammelt habe, bekommt jede Idee ihr eigenes Notizbuch, in das ich alles reinschreibe, um nichts zu vergessen.
Im nächsten Schritt nehme ich mir ein A3 Blatt, ordne meine Ideen und Szenen in eine Kapitelübersicht und ergänze darauf, was noch fehlt. Erst wenn der Plot steht und ich weiß, was in jedem Kapitel passiert, setze ich mich an den Laptop und beginne zu tippen.
Welche Szene oder welcher Moment aus deinen Büchern ist dir besonders im Kopf geblieben und warum?
Wer etwas gegen Spoiler hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen. Denn natürlich gibt es Momente und Szenen, die mir ständig im Kopf herumschwirren. Auch von Projekten die eigentlich bereits beendet sind.
Wenn ich mich auf eine festlegen muss, was mir zugegebenermaßen schwerfällt, dann wäre es wohl eine der letzten Szenen aus meinem Debüt Roman »Identityless«. Rachel flieht mit Tanners Hilfe aus einem Forschungszentrum an den Klippen von Florida. Dabei jagen sie das gesamte Gebäude in die Luft. Sie springt im letzten Moment von den Klippen in das eiskalte Ozeanwasser und stellt fest, dass Tanner es nicht geschafft hat, ihr zu folgen.
Jedes Mal, wenn ich daran denke, zieht sich mein Herz vor Trauer für Rachel zusammen. Manchmal frage ich mich, warum ich mir das selbst angetan habe. Es ist ein Moment der so intensiv, spannungsgeladen und emotional ist, dass ich ihn einfach nicht aus dem Kopf bekomme. Ganz egal, wie viele Jahre es bereits her ist, dass ich ihn niedergeschrieben habe.
Was sollen Leser:innen fühlen oder mitnehmen, wenn sie dein Buch beendet haben?
Ich wünsche mir vor allem, dass sie etwas von meinen Charakteren lernen können oder sich darin bestärkt fühlen, dass sie alles schaffen können, was sie sich vornehmen.
Aber auch tolle Zitate, ein hoffentlich warmes, angenehmes Gefühl in der Brust und etwas Sehnsucht nach noch mehr von der Geschichte oder weiteren Büchern von mir. Ich möchte mit meinen Worten berühren und meine Leser:innen alle Emotionen spüren lassen, die es gibt. Jede Geschichte hat bei mir den Anspruch Eindruck zu hinterlassen.
Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Leser:innen als Nächstes freuen?
Ich wünschte, ich dürfte mehr verraten, aber leider darf ich nur ein bisschen was dazu sagen. Momentan arbeite ich an einem Werk, welches erstmalig in Deutschland spielt und vor allem auf Spannung und große Emotionen setzt, einen aber auch aus der eigenen Welt herausreist und in ein gefährliches aber unfassbar aufregendes Abenteuer wirft.
Es wird anders als alles, was ich bisher geschrieben habe. Aber ich bin mir sicher, ihr werdet es lieben!
Mehr von Jessica Wedekind gibt es auf Instagram und Tiktok. Dort teilt sie Einblicke in ihre Bücher, neue Projekte und emotionale Schreibmomente für alle, die intensive Geschichten lieben.







