Ein Stapel Rezensionsexemplare kann sich erst wie ein Geschenk anfühlen und irgendwann wie eine offene Rechnung. Saskia Papen kennt genau diesen Kipppunkt. Was in der Pandemie mit Buchvideos begann, wurde für sie zu Austausch, Community und Sichtbarkeit, aber auch zu Druck, Neuerscheinungen hinterherzujagen und ständig neuen Content liefern zu müssen.
Heute liest sie wieder bewusster. Dystopien, Enemies to Lovers und Marah Woolf können sie sofort packen, Slow Burn und Second Chance eher weniger. Im Interview erzählt Saskia Papen, weshalb sie Bücher auch abbricht, warum simple Accounts oft stärker wirken als perfekt produzierte Videos und weshalb bei BookTok am Ende nicht Zahlen zählen sollten, sondern Menschen, die wirklich mitfühlen.
Interview Saskia Papen
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Ich habe etwa 2015 in meiner Abi-Zeit angefangen zu lesen, um mich abzulenken. Ich habe ursprünglich ein Sport-Abitur gemacht und habe schnell gemerkt, dass ich keine Laufbahn in diese Richtung einschlagen möchte, also habe ich mich umgeschaut nach einem Job mit Büchern und bin auf den Buchhandel gekommen.
Dort habe ich dann meine Ausbildung gemacht und aufgrund der Pandemie und den damit einhergehenden Lockdowns habe ich beschlossen, Online ebenfalls über Bücher zu sprechen.
Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?
Im Allgemeinen Dystopien, vor allem die Bestimmung und die Tribute von Panem. Das sind Reihen, die mich bis heute begleiten.
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Enemies to Lovers und Dystopien sind für mich zwei Stichpunkte, wo ich bei einem Buch näher hinschaue. Slow Burn oder Second Chance Bücher meide ich eher, weil ich bei solchen Titeln nie richtig warm werde und dafür gibt es zu viele Bücher, die darauf warten, gelesen zu werden…
Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?
Ich breche auch ab, das entscheide ich nach ca. 30-50 %. Wenn das Buch für mich noch nicht richtig Fahrt aufgenommen hat oder mir als Leser nicht zeigt, wohin es denn gehen soll, breche ich ab.
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Zuletzt ist auch schon ein bisschen her, aber definitiv eine Autorin, bei der ich zukünftig alles blind kaufen werde – Marah Woolf, eine unglaublich gute deutsche Autorin, die ich viel zu lange nur beobachtet habe, anstatt mal eins ihrer Bücher in die Hand zu nehmen.
Das habe ich letztes Jahr geändert und bin begeistert, jedes Buch hat die perfekte Mischung aus Spannung, Witz und Liebe. Ich weiß nicht, wie Sie es macht, aber ihr Schreibstil macht süchtig.
Wie und warum hast du deinen BookTok-Account gestartet?
Mein Freund meinte in der Pandemie zu mir, ich wäre gut darin, auch Videos zu den Büchern zu machen und online mit Menschen darüber zu reden. Ich habe niemals damit gerechnet, dass sich wirklich Menschen für meine Meinung interessieren würden.
Saskia Papen bremst den Neuheitenrausch
Wie hat BookTok deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?
Zu stark, dass ich es je richtig greifen könnte. 2025 war für mich nach 5 Jahren Booktok das erste Jahr, womit ich da richtig zu kämpfen hatte. Ich habe mir zu viel Druck gemacht, dem ständig wachsenden Rezensionsexemplar Stapel hinterher zu kommen und gleichzeitig zeitnah Content dazu zu drehen.
Man muss mithalten bei den Neuerscheinungen und das stresst enorm.
So habe ich die Lust am Lesen verloren. Mittlerweile atme ich tief durch und lese entspannter, bei über 50.000 Neuerscheinungen kann man halt nicht jedes Buch lesen. Und der Spaß sowie die Leidenschaft fürs Lesen sollten nach wie vor an erster Stelle stehen.
Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?
Es klingt banal, aber ich mag die simplen Accounts, Personen, die sich vor die Kamera setzen und komplett über ihre Lesewoche, ihre letzten Bücher oder andere Themen des Buchhandels reden können. Man braucht nicht viele Effekte oder das krasseste Mikrofon. Ich möchte die Liebe zu den Büchern durch den Bildschirm spüren.
Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?
Wenn mich das Buch so sehr gepackt hat, dass ich Non-Stop darüber nachdenke, egal ob auf der Arbeit oder wortwörtlich im Traum.
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Fang einfach an. Man merkt erst viel später, wie man seine Beiträge eigentlich gestalten möchte und worüber man gerne redet. Und schau niemals zu viel auf die Zahlen. Viele Follower sind zwar cool, aber was wirklich zählt, sind die Personen, die mit dir im ständigen Austausch zu deinem Content sind.
Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?
Ich habe tatsächlich ein paar Ideen, die in die Dystopie Richtung gehen, sowie auch die ein oder andere Romance Idee (mit Fokus auf Schauspiel und Musicals), aber gestehen, ich glaube ich wäre nicht gut darin, diese Ideen zu formen und wirklich niederzuschreiben.
Mehr von Saskia Papen gibt es auf Instagram und TikTok mit ehrlichen Buchvideos, BookTok Gedanken und Empfehlungen für alle, die Leseliebe ohne Druck mögen.







