Interviews

Alexandra Flint findet Magie im Alltag

Manche Geschichten entstehen nicht aus einem perfekten Plan, sondern aus einem Kopf, der einfach nicht aufhört, Möglichkeiten zu sehen. Ein Riss im Asphalt, ein Gespräch, ein ganz normaler Alltagmoment und plötzlich ist da eine neue Szene. Bei Alexandra Flint war Schreiben nie nur ein Talent, sondern fast schon ein innerer Drang.

Ihre Bücher verbinden große Gefühle, Familienkonstellationen, Spannung und dieses besondere Gefühl, zwischen den Seiten ankommen zu dürfen. Im Interview erzählt Alexandra Flint, warum sie ihren Figuren trotz Planung viel Freiraum lässt, weshalb Familie in ihren Geschichten immer wieder eine Rolle spielt und weshalb selbst sie beim Schreiben manchmal überrascht wird.

Interview mit Alexandra Flint

Interview Alexandra Flint

©Kay Blaschke

Wann hast du gemerkt, dass du schreiben möchtest und was hat dich dazu gebracht, dranzubleiben?

Meine Antwort darauf ist eigentlich sehr klassisch würde ich sagen: Ich schreibe schon, seit ich denken kann und habe nie wieder so richtig damit aufgehört. Schon im Kindergarten habe ich mir immer irgendwelche Geschichten und Märchen ausgedacht – ein klarer Fall von Kind mit zu viel Fantasie (gibt es natürlich nicht) – und sobald ich dann schreiben konnte, habe ich meine Geschichten festgehalten.

Entweder auf zusammen getackerten Notizzetteln oder  Servietten im Urlaub oder später in meinen Schulheften und auf Arbeitsblättern. Einmal habe ich in der Schule sogar eine Notiz für eine Geschichte auf eine Klassenarbeit geschrieben, das fand meine Lehrerin damals nicht so lustig.

Also long story short: Die vielen Ideen in meinem Kopf haben mir gar keine andere Wahl gelassen, als zu schreiben und so  mit 13/14 kam dann auch zum ersten Mal der Wunsch auf, diese Geschichten mit anderen zu teilen. Zu diesem Zeitpunkt ein scheinbar utopischer Gedanke, trotzdem wollte ich nicht einfach aufgeben und habe weitergeschrieben.

Und irgendwie bin ich dann über viele Umwege genau dort gelandet, wo ich jetzt bin.

Was inspiriert dich aktuell am meisten für deine Geschichten?

Kurz gesagt: Mein Alltag. Die Herausforderungen und neuen Begegnungen, aber auch Gespräche mit Freund*innen, die mich schon lange begleiten, und meiner Familie.

Ich übernehme selten 1 zu 1 Dinge aus meinem alltäglichen Leben – wäre vermutlich nicht so spannend, wenn sich meine Charaktere mit der Steuerklärung oder Windeln rumschlagen würden – aber viele der ganz gewöhnlichen Ereignisse stoßen größere Gedanken an und setzen Ideen in Bewegung, falls das irgendwie Sinn für euch ergibt.

Ich finde das Leben an sich sehr inspirierend und wer die Augen offenhält, kann Dinge entdecken, die andere vielleicht niemals bemerken.

Ein Beispiel: Der scheinbar gewöhnliche Riss im Asphalt – mein Kopf spinnt daraus sofort eine Story über das, was wohl darunter liegen könnte. So funktioniert mein Gehirn einfach und deswegen ist alles um mich herum auf seine Art inspirierend.

Wie würdest du deinen Schreibstil oder deine Bücher in wenigen Worten beschreiben?

Authentisch, abwechslungsreich, bildhaft, echt und nach-Hause-kommen (auch bei meinen Suspense und & Fantasy-Büchern ist es mir wichtig, dieses Gefühl zu erzeugen, meine Leser*innen sollen in meinen Geschichten ankommen, auch wenn schon der Prolog den Atem stocken lässt).

Gibt es Themen oder Emotionen, die sich wie ein roter Faden durch deine Geschichten ziehen?

Das Thema Familie ist immer irgendwie in meinen Büchern verwoben.

Entweder schwierige, außergewöhnliche oder sehr heilsame Konstellationen – vermutlich, weil ich selbst aus einer wirklich turbulenten Patch-Workfamilie komme und Familie für mich nicht immer dasselbe Blut bedeutet.

Oft sind die Familienkostellationen in meinen Büchern der Ausgangspunkt für meine Storys und geben den Charakteren ihre Motivation. Auf welche Art auch immer.

Ansonsten definitiv Emotionsachterbahnen: Ich liebe es, meinen Protagonist*innen viel Fallhöhe zu geben, sodass sie viel zu verlieren, aber noch mehr zu gewinnen haben. Das macht Spannungen noch einmal so viel interessanter und lässt Raum für Vergangenheiten und die Päckchen, die ich ihnen mitgebe.

Alexandra Flint vertraut dem Überraschungsmoment

Zitat Alexandra Flint

©Kay Blaschke

Wie sieht dein typischer Schreibprozess aus – eher geplant oder intuitiv?

Bevor ich meine wundervolle Agentin Gerlinde Moorkamp gefunden habe, war mein Prozess sehr intuitiv. Ich habe einfach drauf los geschrieben und alles in die Geschichten gepackt, was mir zufällig in den Sinn gekommen ist.

Es gab so gut wie nie ein festes Konzept. Ich wusste meistens nicht einmal, was der große Konfliktpunkt ist, oder wie das Buch ausgeht, bis ich es geschrieben habe. Ich habe quasi mit den Charakteren gelebt, die ebenso wenig wussten, was auf sie zukommt, wie ich.

Mittlerweile fertige ich Exposés und Handlungsbeschreibungen an, weil die Verlage natürlich wissen möchten, was sie da einkaufen. Trotzdem lasse ich mir so viel Freiraum wie möglich und sehe die Handlungsskizzen eher als grobes Gerüst an, sodass ich immer noch vieles erst beim Schreiben mit den Charakteren herausfinden kann.

In meinen Augen macht genau das Story so authentisch und weniger konstruiert und es ist das, was ich am Schreiben so liebe: Manchmal weiß ich selbst nicht, was passiert und werde überrascht.

Welche Szene oder welcher Moment aus deinen Büchern ist dir besonders im Kopf geblieben und warum?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen, weil ich in den letzten Jahren so viel geschrieben habe und leider ziemlich durch die einzelnen Bücher gerauscht bin, aber meine Emerdale-Dilogie wird immer einen besonderen Platz in meinem Kopf haben, weil sie die erste Veröffentlichung im Publikumsverlag gewesen ist und mich die Charaktere schon davor so lange begleitet habe.

Ansonsten lebt eigentlich immer das aktuelle Projekt großflächig in meinem Kopf. Aktuell sind es Dakota & Beckett aus Rivals – The Effect of Hating You, das am 30.9.26 erscheint. Die beiden haben es schon sehr in sich und ich LIEBE die Begegnungen zwischen den beiden, denn der Titel ist hier wirklich Programm.

Was sollen Leser:innen fühlen oder mitnehmen, wenn sie dein Buch beendet haben?

Wenn sie sich auch nur in einer Nuance der Geschichte wiedergefunden haben oder ihnen meine Geschichten dabei geholfen haben, für ein paar Stunden den Kopf abzuschalten, dann habe ich schon alles erreicht.

Meine Bücher sollen ein Safe Space sein und im besten Fall ein oder mehrere Themen beinhalten, mit denen meine Leser*innen relaten können. Ich möchte, dass sie sich wohlfühlen und eine gute Zeit haben und sich zwischen den Seiten verlieren.

Woran arbeitest du gerade und worauf dürfen sich deine Leser:innen als Nächstes freuen?

Ich sitze gerade an den letzten Zügen von Rivals – The Effect of Loving you, das ist der zweite Teil der Rivals-Dilogie, die wie gesagt diesen Herbst bei Penguin erscheint.

Und danach steht ein Projekt an, dessen Grundidee schon seit fast zehn Jahren in meinen Gedanken lebt – ich kann euch nicht sagen, wie sehr ich mich darauf freue – aber leider darf ich dazu noch nicht sagen.

Bis es soweit ist, könnt ihr euch aber natürlich die Wartezeit mit meiner cozy Romance Trilogie Mont Lacroix versüßen, die erst dieses Jahr erschienen ist, oder auf meine Romantic Suspense Dilogie Rivals warten – meine heimlichen Lieblingsbücher von mir.


Mehr von Alexandra Flint gibt es auf Instagram und TikTok. Dort teilt sie Schreibmomente, Buchnews und Einblicke in ihre Geschichten voller Gefühl, Spannung und Fallhöhe.

 

Titelbild: ©Kay Blaschke

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