Ein Buch beginnt selten mit dem perfekten ersten Satz. Viel öfter beginnt es mit Zweifel, Chaos, unfertigen Szenen und dem Mut, trotzdem weiterzuschreiben. Genau daran scheitern viele, noch bevor die erste Seite steht: Die Geschichte im Kopf fühlt sich groß an, aber auf dem Papier wird sie plötzlich angreifbar.
Stefanie Santer kennt diesen Moment sehr genau. Vom Leben auf dem Segelboot bis zur Sports Romance rund um Ehrgeiz, Leistungsdruck und große Gefühle fließen ihre Erfahrungen immer wieder in ihre Bücher ein. Im Interview erzählt sie, warum Schreiben vor allem Durchhalten bedeutet, weshalb Perfektionismus der größte Feind eines Manuskripts ist und warum Bücher manchmal mehr über uns selbst verraten, als wir erwartet hätten.
Stefanie Santer im Interview

© SN/Wildbild
Sie haben auf einem Segelboot gelebt und viele Länder bereist – wie haben diese Erfahrungen Ihre Arbeit als Autorin geprägt?
Diese Erfahrungen haben mich wahrscheinlich in jeder nur möglichen Hinsicht geprägt. Nicht nur als Autorin, sondern vor allem als Mensch.
Ich war es schon immer gewöhnt, mich an mehreren Orten zuhause zu fühlen, weil meine Mutter aus Österreich kommt, mein Vater aus Italien und ich in beiden Ländern Familie habe. Meine Sommer habe ich schon als Kind am Meer verbracht und deshalb hat sich die Zeit auf dem Segelboot vielleicht sogar von allen Orten, an denen ich je gelebt habe, am meisten nach Ankommen angefühlt.
Noch nie in meinem Leben habe ich so viele neue Leute kennengelernt und auch wieder gehen lassen, weil man sich oft nur für kurze Zeit in derselben Gegend befindet und dann weiterreist.
Das klingt jetzt erst mal gar nicht so toll, aber mit vielen dieser Menschen bin ich heute noch befreundet und ich glaube, dass mir das gezeigt hat, dass man überall Leute finden kann, die einem ans Herz wachsen. Genauso wie Erfahrungen. Viele Dinge, die ich erlebt habe, packe ich in meine Bücher. Geschichten, die ich von anderen gehört habe, Orte, die ich gesehen habe.
Die Zeit auf dem Segelboot hat mich aber vor allem gelehrt, besser mit Stress umzugehen. Egal wie gut man geplant hat, oft gab es Situationen, die man nicht vorhersehen konnte. Sei es ein plötzlicher Wetterumschwung oder technische Gebrechen.
Dann half es nichts, zuerst den Kopf in den Sand zu stecken. Man musste so schnell wie möglich eine Lösung finden und das Beste aus dem machen, was man eben gerade hatte oder tun konnte.
Das habe ich auf jeden Fall beibehalten und auch wenn die Verlagswelt eine ganz andere ist, geht es auch da oft sehr last minute mäßig und stressig zu, sodass ich froh bin, mittlerweile genau zu wissen, dass ich unter Druck gut funktioniere.
Wann haben Sie erkannt, dass Schreiben mehr als nur ein Hobby für Sie sein könnte?
Ich habe immer schon gerne viel erzählt und war ein sehr kreatives Kind, das die Dinge (sehr zum Leidwesen meiner Mama) gerne anders angegangen ist. Die Sache mit dem Segelboot fand sie zum Beispiel gar nicht so toll ☺ Aber was das Schreiben angeht, hat sie mich eigentlich schon immer bestärkt.
Noch bevor ich alle Buchstaben des Alphabets konnte, habe ich versucht, Geschichten zu schreiben, die ich zu Büchern gebastelt habe. Meine Mama hat ein paar davon aufgehoben und ich bin einfach nur unendlich dankbar, dass ich quasi meinen Kindheitstraum zu meinem Job machen konnte.
Bücher schreiben und lesen zählt auch heute noch zu meinen größten Hobbies, auch wenn es sich stetig verändert und entwickelt. In meiner Jungend gingen die Geschichten in eine Romance/RomCom Richtung.
Ich habe über meinen eigenen Herzschmerz oder übers Verliebtsein geschrieben und gleichzeitig bekannte Bücher verschlungen, in denen Charaktere die Liebe finden. Deshalb war klar, dass ich in meinen Zwanzigern exakt das schreiben möchte.
Mittlerweile bewegen mich andere Themen und ich versuche mich an anderen Genres. Bestimmt kann ich dazu schon ganz bald mehr verraten, aber im Moment darf ich noch nicht über meine neuen Projekte quatschen.
Was waren die größten Herausforderungen auf Ihrem Weg zur veröffentlichten Autorin?
Puh, da gab es einige. Man muss schon ein bisschen „delusional“ sein, um nicht aufzugeben, denn Absagen sind die Norm. Irgendwo habe ich mal gehört, dass man jede Absage als einen Schritt weiter in Richtung Ziel betrachten soll.
Das lässt sich allerdings nur so einfach sagen, wenn man es bereits ins Ziel geschafft hat. Vorausgesetzt das Ziel lautet: Literaturagentur und Verlagsvertrag.
Denn danach steckt man sich neue Ziele, denen man hinterherträumt. Man wünscht sich ein Buch mit toller Ausstattung, Farbschnitt, positive Rückmeldungen von LeserInnen, Events, … einen Bestseller …
Ich glaube, dass es gleichzeitig wichtig ist, diese Träume zu haben, denn andere AutorInnen zeigen ja, dass es möglich ist. Dennoch sollte man die Freude am Schreiben nicht aus den Augen verlieren, denn der Druck und die vielen Ansprüche (von allen Seiten) können einen leicht vergessen lassen, warum man überhaupt mit dem Schreiben angefangen hat.
Spätestens wenn man dann überlegt, das mit dem Schreiben hinzuwerfen, erinnert man sich daran und weiß: nein, ohne geht’s nicht.
Anderen würde ich deshalb raten: Erinnert euch stetig daran, dass ihr in erster Linie schreibt, um zu schreiben. Weil ihr nicht nicht schreiben könnte. Weil ihr Geschichten liebt und wie man mit bloßen Wörtern Bilder in den Köpfen von anderen Menschen erschaffen kann.
Und dann braucht es natürlich eine Portion Durchhaltevermögen und eine kleine Prise Glück. Ich kenne wirklich niemanden in der Branche, der nicht irgendwo einmal eine Absage bekommen hätte. Bewerbt euch also weiter bei Agenturen, bei Verlagen. Schleift an euren Manuskripten und glaubt ganz fest an euch.
Viele Menschen träumen davon, ein Buch zu schreiben – warum scheitern die meisten bereits vor der ersten Seite?
Hmm … Ich kann hier natürlich nur für mich sprechen und da geht es mir bei jedem neuen Buch gleich: Bevor ich anfange, kann ich nichts falsch machen. In meinem Kopf existiert die Geschichte als perfektes Konstrukt, aber sobald ich sie zu Papier bringen soll, wird es anstrengend.
Man muss unzählige Handlungsstränge im Kopf behalten. Plot Holes, die man nicht bedacht hatte, tun sich auf. Die Charaktere machen nicht das, was man mit ihnen vorhatte. An manchen Tagen hasse ich das Schreiben. Aber selbst an diesen Tagen liebe ich es, geschrieben zu haben.
Deshalb ist eins meiner wichtigsten Learnings, sich wirklich hinzusetzen und einfach einen Buchstaben nach dem anderen zu tippen. Alles, was dasteht, lässt sich überarbeiten. Was man nicht schreibt, ist im Kopf vielleicht weiterhin perfekt.
Aber die Anstrengung des „die Geschichte aus dem Kopf Bekommens“ muss man früher oder später machen, wenn man ernsthaft ein Buch schreiben will. Also schreibt. Nur so entsteht ein Buch.
Und denkt immer daran, dass die Bücher, die ihr so liebt, unzählige Male überarbeitet wurden. Kein Rohentwurf ist perfekt. Perfektionismus ist wirklich der größte Feinds des Schreibens. Werft ihn so bald wie möglich über Bord!
Stefanie Santer wirft Zweifel über Bord

© Charly Gomez
In Ihrem neuen Roman „Terms of Attraction 2 – The Waterproof Deal“ treffen Leistungsdruck, Ehrgeiz und Gefühle aufeinander – warum hat Sie dieses Thema besonders gereizt?
Beide Teile dieser Dilogie, auch Band 1 The Knockout Contract, sind Sports Romances. Es war also klar, dass es irgendwo um Ehrgeiz und Leistungsdruck gehen muss, wenn Sport im Spiel ist.
Gefühle stecken in jedem meiner Bücher – sogar mehr, als man vielleicht auf den ersten Blick erahnt, weil ich (wenn auch versteckt) immer ganz viel von meinem eigenen Leben und den Dingen, die mich beschäftigen, in meine Geschichten packe.
Den Leistungsdruck, dem sowohl Caden als auch Jenna ausgesetzt sind, können – in abgewandelter Form – wahrscheinlich sehr viele von uns nachvollziehen. Während Caden versucht, seine Zeiten beim Schwimmen zu halten, seine Stellung als perfekter Ivy League Captain, geht es bei Jenna darum, dass sie als Programmiererin nicht ernstgenommen wird.
Sie will es unbedingt. Apps bauen ist ihre Leidenschaft. Aber die Tatsache, dass sie eine junge blonde Frau ist, kommen ihr (wie sie denkt) immer wieder in die Quere. Ich weiß genau, wie es ist, sich als junge Frau behaupten zu müssen.
Die Verlagswelt ist, abseits vom Romance-Genre, oft sehr traditionell. Man wird dann schnell als „die minderwertige Literatur“ abgetan und hört so Dinge, wie: „Romance ist ja keine echte Belletristik“. Dabei ist Liebe (oder das Fehlen davon) das Thema, das alle Menschen beschäftigt.
Darüber so schreiben zu können, dass die einmillionste Liebesgeschichte immer noch LeserInnen begeistern kann, finde ich also eine Gabe, für die sich alle Romance-AutorInnen auf die Schulter klopfen sollten.
Die Hauptfiguren Jemma und Caden wirken auf den ersten Blick sehr unterschiedlich – was macht diese Dynamik für Leserinnen so spannend?
Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Aber bis die Charaktere erkennen, dass sie sich eigentlich mögen, liefern vor allem ihre Differenzen und der Schlagabtausch tolle Szenen, die meinen Romance Geschichten den gewissen RomCom Charakter geben, den ich selbst auch in den Geschichten von anderen AutorInnen so sehr liebe.
Welche wichtige Botschaft wünschen Sie sich, dass Leserinnen nach der letzten Seite Ihres neuen Buches mitnehmen?
Jedes meiner Bücher hat eine ganz bestimmte Message. Manchmal gibt es auch mehrere. Aber ein Hauptthema ist mir jedes Mal besonders wichtig. Bei The Waterproof Deal spiegelt sich die Botschaft an meine LeserInnen bereits in dem Eingangszitat. Aber erst wenn man die Geschichte bis zur letzten Seite gelesen hat, spürt man, wie die Charaktere diese Lektion gelernt haben.
Das ist eins der Dinge, die ich am Romance Genre liebe: Dass so viele wichtige Themen miteinfließen können und man diese als LeserInnen gemeinsam mit den Protagonisten durch die verschiedensten Erlebnisse / Szenen wirklich als eine Art augenöffnende Experience lernt, anstatt die Moral der Geschichte einfach so um die Ohren geknallt zu bekommen.
Menschen mögen es für gewöhnlich nicht, gesagt zu bekommen, was das Beste wäre. Die meisten lernen aus ihren Fehlern. Das tolle an Büchern ist, dass das menschliche Gehirn beim Lesen nicht unterscheidet, ob wir etwas selbst erleben, oder es bloß durch die Charaktere in der Geschichte erleben. Wir lernen also mit jeder Story, die wir lesen.
Ist das nicht irgendwie magisch, dass Bücher das schaffen? Leute abholen, ihnen Dinge aufzeigen und am Ende vielleicht sogar wichtige Botschaften mitzugeben?
Welchen Tipp geben Sie Menschen, die selbst davon träumen, ein Buch zu veröffentlichen und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Der größte Tipp, neben jenen, die ich bereits erwähnt habe, wäre neben dem Nicht-Aufgeben, sich von Anfang an eine kleine Fanbase zu suchen. Bei mir waren das meine Freunde, denen ich meine Geschichten gezeigt habe und später anderer AutorInnen, mit denen ich im Kontakt stehe, sodass wir uns in nicht so tollen Phasen gegenseitig zum Weitermachen motivieren können.
Positives Feedback ist einfach etwas wahnsinnig Schönes, wenn man bedenkt, dass das Schreiben ja meist relativ „einsam“ von statten geht, weil man ja oft allein vor seinem Laptop sitzt. Deshalb gibt es nichts tolleres, als Freunde, die bereits darauf warten, weiterlesen zu dürfen und die einem Feedback geben.
Dass es irgendwann echte LeserInnen wurden, die mir auf Instagram ihre Rezensionen schicken, hätte ich mir am Anfang nie erträumen lassen, ist aber heute der mit Abstand schönste Part meines Berufs, weil ich merke, dass ich nicht mehr nur für mich schreibe, sondern für ganz viele Menschen.
Mehr von Stefanie Santer gibt es auf Instagram unter @stefanie.santer. Dort teilt sie Einblicke in ihre Bücher, Schreibmomente und alles rund um ihre Romance-Welten.
Titelbild: © Charly Gomez





