Stefani Pfeifer spricht ein Problem an, das viele erfolgreiche Unternehmerinnen kennen und kaum aussprechen: Außen läuft alles, innen wächst die Erschöpfung. Termine, Verantwortung, Leistung und ständiges Funktionieren wirken stark nach außen, kosten jedoch oft Kraft, Klarheit und das Vertrauen in die eigene innere Stimme.
Sie zeigt, warum echte Wirksamkeit nicht durch noch mehr Disziplin entsteht, sondern durch Verbindung zu sich selbst. Mit Somatic Leadership, Nervensystemregulation und verkörperter Präsenz beschreibt sie einen Weg, auf dem Frauen klarer entscheiden, souveräner auftreten und wieder aus ihrer eigenen Stärke führen.
Interview mit Stefani Pfeifer

© Anne Kaiser
Was verstehen Sie unter Somatic Leadership und warum wird dieser Ansatz für moderne Führung immer wichtiger?
Wir erleben gerade eine Welt zunehmender Komplexität, geprägt von Dynamiken, die sich nicht mehr rein analytisch lösen lassen. In diesem Kontext reicht es nicht mehr aus, nur zu reagieren oder zu funktionieren. Es braucht die Fähigkeit, Unsicherheit mit innerer Klarheit, Präsenz und Mut zu begegnen.
Somatic Leadership beinhaltet das griechische Wort SOMA, das für das innere, körperliche Erleben steht. Übertragen auf Führung bedeutet es, Führung nicht nur zu denken. Es geht vielmehr darum ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was uns innerlich bewegt und eine Kohärenz zwischen Denken, Fühlen und Handeln herzustellen.
Im Kern bedeutet das: Somatic Leadership beginnt in der Beziehung zu uns selbst als Mensch. Denn nur, wenn wir mit uns selbst verbunden sind, können sich Möglichkeitsräume öffnen, in denen sich resonante Beziehungen, Innovationen und Zukunft entfalten können, statt alte Muster zu reproduzieren.
Warum reicht reine mentale Stärke im Business oft nicht aus, um wirklich authentisch und wirksam zu führen?
Reine mentale Stärke basiert häufig auf Kontrolle, Disziplin und dem Anspruch, dauerhaft zu funktionieren. Sie führt viele Führungskräfte in eine Spirale der Selbstoptimierung und trennt sie gleichzeitig von einem wesentlichen Teil ihrer inneren Intelligenz.
Denn wenn wir ausschließlich aus der Ratio heraus agieren, verlieren wir den Zugang zu Emotionen, Intuition und Körperwissen. Und genau dort liegen jedoch oft die entscheidenden Informationen für stimmige Entscheidungen und dem Umgang mit Ungewissheit.
Wirksame und vor allem gesunde Führung erfordert den Mut nach innen zu schauen und zu erkennen, aus welchem inneren Zustand heraus wir wirklich handeln. Aus innerem Druck und Angst? Oder eher aus Klarheit, Vertrauen und innerer Stabilität?
Letztere Qualitäten bilden die Grundlage für Präsenz, Empathie und klare Entscheidungen, was wiederum ein reguliertes Nervensystem erfordert. Und diese Regulation entsteht nicht im Kopf, sondern durch die bewusste Resonanz von Körper, Emotion und Bewusstsein.
Welche Rolle spielt Körperintelligenz bei Selbstwirksamkeit, Präsenz und authentischer Führung?
Körperintelligenz, in Form eines geschulten Körperbewusstseins ist die Grundlage für Selbstwirksamkeit. Denn wir können nur dann bewusst führen, wenn wir wahrnehmen, was in uns passiert.
Unser Nervensystem entscheidet maßgeblich darüber, wie wir handeln. In einem dauerhaften Stresszustand greifen wir auf alte Muster zurück – oft geprägt von Angst, Perfektionismus oder dem Gefühl, nicht zu genügen. Unser Denken wird enger, unsere Reaktionen automatischer.
Der Körper wirkt dabei wie ein Navigationssystem. Er zeigt uns, ob wir in Verbindung sind – oder im Stressmodus agieren. Wenn wir lernen, diese Signale zu lesen, entsteht eine neue Qualität von Selbstführung.
Das beginnt im Kleinen: über den Atem, über Bewegung, über bewusste Pausen. Vor allem aber über die Fähigkeit, sich immer wieder ehrlich zu fragen:
Was ist gerade wirklich da?
Gerade für Frauen liegt hier eine besondere Kraft. Zyklische Prozesse und regenerative Phasen sind keine Schwäche, sondern eine Ressource. Sie ermöglichen uns, immer wieder nach innen zu schauen und aus dieser Verbindung heraus klarer, präsenter und bewusster zu führen.
Stefani Pfeifer weckt verlorene Führungskraft

© Anne Kaiser
Wie können Unternehmerinnen lernen, wieder stärker auf ihre innere Führung und Intuition zu vertrauen?
Der erste Schritt ist, den Kontakt zu sich selbst wieder bewusst herzustellen. Viele Unternehmerinnen sind stark im Außen orientiert – im Tempo, in Erwartungen, im ständigen Reagieren. Intuition braucht jedoch Raum. Sie entsteht nicht im Dauerstress.
Das bedeutet, sich immer wieder bewusst zu verlangsamen, aus dem äußeren Takt auszusteigen und den eigenen Rhythmus wiederzufinden. Sich zu fragen: Was nehme ich gerade wahr – körperlich, emotional, mental?
Um diese Signale wahrnehmen zu können, braucht es Sicherheit im eigenen System. Wenn unser Nervensystem reguliert ist, entsteht ein innerer Zustand, in dem wir uns selbst wieder vertrauen können.
Dieser Zugang entsteht über den Körper – z.B. durch regulierende Atemtechniken wie die tiefe Bauchatmung oder Box-Breath, durch Erdung, bewusste Bewegung oder Achtsamkeitstechniken zur Schulung der eigenen Präsenz.
Gleichzeitig braucht dieser Weg eine klare innere Ausrichtung. Denn nur wenn wir Klarheit darüber haben, wofür wir losgehen, können wir uns im Außen bewegen, ohne sich darin zu verlieren. Diese innere Klarheit ermöglicht es, sich immer wieder bewusst auszurichten – statt sich von äußeren Dynamiken treiben zu lassen.
In der Arbeit mit meinen Klientinnen verstehe ich diesen Prozess als einen zyklischen Weg – von innen nach außen:
Zuerst geht es darum, wieder in Verbindung mit sich selbst zu kommen – den eigenen Körper zu spüren, die innere Stimme wahrzunehmen und Präsenz aufzubauen. Darauf aufbauend entsteht die Fähigkeit zur Regulation – also ein bewusster Umgang mit dem eigenen Nervensystem, mit Emotionen und Grenzen, der innere Stabilität schafft.
Aus dieser inneren Sicherheit heraus wird Resonanz im Außen möglich: in Beziehungen, in Kommunikation und im eigenen Wirken. Und genau daraus entsteht verkörperte Führung – eine Form von Leadership, die nicht auf Kontrolle basiert, sondern auf Klarheit, Verbindung und innerer Ausrichtung.
Welche Erfahrungen aus Ihrer eigenen Zeit als Führungskraft haben Ihren Coachingansatz besonders geprägt?
Ich war lange selbst stark im Außen orientiert und habe mich über Leistung und eine „Always-on“-Mentalität definiert. Mangels Vorbilder habe ich mich an bestehenden, oft männlich geprägten Führungsbildern orientiert – und dabei schleichend die Verbindung zu mir selbst verloren.
Die Signale meines Körpers habe ich lange ignoriert. Migräne, Autoimmunreaktionen, innere Leere und Getriebenheit habe ich übergangen und meinen Grenzen weiter ausgereizt. Selbst meinen Zyklus habe ich über Jahre hinweg verloren. Heute weiß ich: Das war ein Ausdruck der tiefen Entkopplung von mir selbst.
Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Führung grundlegend verändert. Ich habe begonnen zu erforschen, was es bedeutet, als Frau wirklich in Verbindung mit sich selbst zu führen. Gleichzeitig habe ich als Führungskraft erlebt, welche Räume sich in Beziehungen öffnen, wenn wir Emotionen nicht als Schwäche sehen, sondern als Ressource.
Wenn Qualitäten wie Verbundenheit, Intuition, Kreativität und Empathie als Leadershipkompetenzen gelebt werden. Wenn wir uns erlauben Masken fallen zu lassen, Vertrauen schenken und uns echt und verletzlich zeigen.
Genau diese Fähigkeiten sind meiner Wahrnehmung nach entscheidend, wenn wir selbst Teil der Lösung sein und Zukunft aktiv gestalten wollen.
Wenn Unternehmerinnen ihre authentische Wirkkraft im Business stärken möchten, wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Mit all meinen Angebote bestärke ich Frauen im Bewusstsein für ihre eigene, feminine Wirksamkeit und ermutige sie ihre eigene Strahlkraft authentisch zu verkörpern. Der Weg dorthin ist vielfältig und individuell.
Ich arbeite online im 1:1 in einem körperorientierten Coachingansatz, in dem wir gezielt an Inner Development, Nervensystemregulation, emotional Release und verkörperter FührungsKRAFT arbeiten.
Zusätzlich begleite ich Frauen in einem speziellen Leadership Retreat Lead from within sowie im 12-wöchigen Mentoring Circle Bewusst.Wirksam.Sein., in dem wir über mehrere Monate hinweg genau die im Artikel beschriebenen Themen in der Tiefe bearbeiten.
Zu finden bin ich über meine Webseite und über Linkedin (www.linkedin.com/in/stefanipfeifer).
Über Stefani Pfeifer
Stefani Pfeifer begleitet Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten auf dem Weg zu mehr innerer Klarheit, verkörperter Präsenz und authentischer Wirksamkeit. In ihrer Arbeit verbindet sie Somatic Leadership, Nervensystemregulation und moderne Persönlichkeitsentwicklung für nachhaltige Führung von innen nach außen.





