Judith Niedl steht für eine neue Generation von Unternehmerinnen, die Erfolg nicht länger nach alten Maßstäben messen. Statt Leistungsdruck, Dauerstress und Funktionieren rücken Selbstbestimmung, Energie und echte Erfüllung in den Mittelpunkt. Immer mehr Frauen spüren, dass klassische Karrierewege nicht zu ihrem Leben passen.
Im Interview spricht sie darüber, warum innere Klarheit oft wichtiger ist als perfekte Strategien. Sie erklärt, weshalb viele Frauen sich kleiner halten als nötig und wie ein Business entsteht, das nicht auslaugt, sondern stärkt. Wer Erfolg neu definieren will, findet hier starke Impulse.
Interview mit Judith Niedl

© Aelia & the Camera
Warum entscheiden sich immer mehr Frauen bewusst für den Weg in die Selbstständigkeit?
Frauen entscheiden sich heute nicht mehr nur für die Selbstständigkeit, um „ihr eigener Chef“ zu sein. Sie tun es, weil das bestehende Wirtschaftssystem für sie oft eine Sackgasse darstellt.
Wir leben noch immer in Strukturen, die auf linearem Leistungsdruck, konstanter Verfügbarkeit und einem „Höher-Schneller-Weiter“ basieren – Prinzipien, die historisch gesehen nicht für weibliche Lebensrealitäten, Zyklen und Bedürfnisse entworfen wurden.
Die Selbstständigkeit ist für viele Frauen der radikale Akt der Selbstbestimmung. Es geht um die Freiheit, Arbeit um das Leben herum zu bauen und nicht das Leben um die Arbeit. Wir sehen eine Bewegung weg vom bloßen „Funktionieren“ hin zur Sinnhaftigkeit.
Frauen wollen ihre Werte – Kooperation, Empathie und ganzheitliches Denken – direkt in ihr Business einfließen lassen, anstatt sie am Empfang eines Konzerns abzugeben. Selbstständigkeit bedeutet hier: Endlich nicht mehr eine Rolle spielen zu müssen, sondern ständig ich selbst sein zu können.
Welche inneren Blockaden halten viele Frauen davon ab, ihr eigenes Business zu starten?
Die größte Blockade ist oft das tief sitzende Gefühl, „noch nicht bereit“ oder „nicht gut genug“ zu sein – der klassische Perfektionismus. Wir Frauen wurden darauf konditioniert, Sicherheit im Außen zu suchen: in Zertifikaten, in festen Anstellungen, in der Bestätigung durch andere.
Der Schritt ins eigene Business erfordert aber, die Sicherheit im Innerenzu finden.
Ein weiteres massives Hindernis ist die Angst vor Sichtbarkeit und das tief verankerte Konkurrenzdenken. Viele haben gelernt, dass der Platz an der Spitze begrenzt ist und man sich „hart durchbeißen“ muss. Das schreckt ab.
Zudem blockiert der Irrtum, dass Erfolg zwangsläufig mit Aufopferung und Erschöpfung einhergehen muss. Viele Frauen haben Angst, dass sie mit der Selbstständigkeit nur noch mehr Last auf ihre Schultern laden.
Meine Arbeit setzt genau hier an: Wir müssen verlernen, dass Business „hart“ sein muss, und stattdessen lernen, unserer Intuition als dem präzisesten Business-Algorithmus zu vertrauen.
Ihr eigener Weg führte vom Burnout zur Selbstständigkeit. Welche wichtigste Erkenntnis haben Sie daraus gewonnen?
Meine wichtigste Erkenntnis war schmerzhaft, aber befreiend: Mein Burnout war kein persönliches Versagen, sondern die logische Konsequenz einer jahrelangen Selbstverleugnung.
Ich hatte meine eigenen Grenzen so konsequent ignoriert, dass ich sie irgendwann gar nicht mehr gespürt habe. Ich habe in einem System funktioniert, das Leistung über Menschlichkeit stellt, und dabei die Verbindung zu mir selbst komplett verloren.
Heute weiß ich: Wenn dich der Weg zu einem Ziel krank macht, dann ist nicht nur der Weg falsch, sondern oft auch das Ziel selbst. Erfolg ist kein äußerer Status, sondern ein inneres Gefühl. Ich habe gelernt, dass meine Energie meine wichtigste Währung ist.
Heute folgt mein Business meiner Energie, nicht umgekehrt. Diese Erkenntnis bildet das Fundament für alles, was ich heute lehre: Business darf sich leicht anfühlen. Freude und Erfüllung sind keine Nebenprodukte des Erfolgs, sondern seine Voraussetzung.
Judith Niedl: Mut statt Warten

© Julia Kirisits
Welche Rolle spielen Netzwerke wie der Fempreneur Club für den Erfolg von Unternehmerinnen?
Netzwerke sind das Immunsystem für Unternehmerinnen. In einer Welt, die oft noch auf Konkurrenz setzt, schafft der Fempreneur Club einen Raum für echte Kooperation. Wir brauchen Orte, an denen wir nicht maskiert auftreten müssen, sondern uns in unserer Verletzlichkeit und in unserer Größe zeigen dürfen.
Ein Netzwerk wie der Club bricht die Isolation auf, die in der Selbstständigkeit oft entstehen kann. Es geht um den Austausch auf Augenhöhe und das gegenseitige „Groß-Halten“.
Wenn Frauen zusammenkommen und sich gegenseitig unterstützen, statt sich als Konkurrentinnen zu sehen, entsteht eine kollektive Kraft, die weit über das Individuum hinausgeht.
Der Club ist eine Institution für Frauen, die mutig genug sind, den weiblichen Weg des Erfolgs zu wählen und dabei zu wissen: Ich muss das nicht alleine schaffen. Gemeinsam verändern wir nicht nur unsere eigenen Unternehmen, sondern das Verständnis von Wirtschaft an sich.
Wie können Frauen lernen, ihren eigenen Erfolgsweg zu definieren, statt fremden Erwartungen zu folgen?
Der erste Schritt ist das radikale Hinterfragen: Wessen Ziele verfolge ich eigentlich gerade? Sind es meine eigenen oder die Vorstellungen einer Gesellschaft, die Erfolg mit Statussymbolen gleichsetzt?
Um den eigenen Weg zu finden, müssen wir wieder lernen, die innere Stimme wahrzunehmen. Das bedeutet oft, erst einmal im Außen „leiser“ zu werden, um innen wieder etwas hören zu können.
Ich nenne das die „energetische Statik“. Wir dürfen uns erlauben, Erfolg über unsere inneren Werte wie Freiheit, Zeit für die Familie oder Selbstverwirklichung zu definieren. Wir müssen aufhören, Männer zu kopieren und anfangen, unsere weiblichen Führungsqualitäten – wie Intuition und ganzheitliches Denken – als unsere größte Stärke anzuerkennen.
Erfolg ist es dann, wenn man am Ende des Tages nicht nur erschöpft auf die Zahlen schaut, sondern weiß, dass man mit seiner Arbeit etwas Positives bewirkt hat und sich dabei entspannt und tief erfüllt fühlt.
Welchen Tipp geben Sie Frauen, die den Schritt in ein selbstbestimmtes Business wagen möchten und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Mein wichtigster Tipp: Warte nicht auf den Moment, in dem du dich „bereit“ fühlst. Dieser Moment existiert nicht im Kopf, sondern nur im Tun. Suche dir Menschen, die bereits dort sind, wo du hinwillst und erlaube dir, groß zu denken.
Das wichtigste Investment ist nicht das in die Technik oder das Marketing, sondern das Investment in dich selbst und deine eigene Energie. Erinnere dich daran: The only limit is you. Du bist nicht hier, um zu jagen, sondern um zu wählen. Wähle den Weg, der sich für dich stimmig anfühlt, auch wenn er unkonventionell erscheint.
Wer bereit ist, Business neu zu denken und Teil dieser Bewegung zu werden, findet mich und alle Informationen zum Fempreneur Club auf, auf Instagram: @fempreneur_club und auf LinkedIn @Fempreneur Club.
Über Judith Niedl
Judith Niedl ist Unternehmerin und Gründerin des Fempreneur Clubs. Nach mehreren Jahren in der Konzernwelt entschied sie sich infolge eines Burnouts bewusst gegen das klassische Erfolgsmodell und für einen neuen Weg von Business, der auf Selbstverbindung, weiblicher Energie und innerer Wahrheit basiert.
Heute begleitet sie Frauen dabei, ihr Business im Einklang mit sich selbst zu führen und aus Klarheit, Intuition und echter Selbstführung heraus zu wachsen. Mit dem Fempreneur Club hat sie ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen geschaffen, das auf Verbindung statt Konkurrenz basiert und Frauen dabei unterstützt, Erfolg neu zu definieren – für Business in Alignment.





