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Corinna Hintenberger: Sichtbarkeit mit Sogwirkung

Corinna Hintenberger kennt das Kernproblem vieler Selbstständiger: Ideen sind reichlich vorhanden, doch klare Ergebnisse bleiben aus. Nicht fehlendes Talent bremst den Erfolg, sondern eine unscharfe Positionierung, zu viel Grübeln und der Versuch, es allen recht zu machen. Wer alles anbietet, bleibt für Wunschkunden oft unsichtbar.

Im Interview erklärt sie, weshalb echte Sichtbarkeit nichts mit lautem Auftreten zu tun hat. Entscheidend sind klare Botschaften, mutiges Umsetzen und eine Marke mit Persönlichkeit. Wer aufhört, perfekt wirken zu wollen, zieht plötzlich genau die Menschen an, die wirklich passen.

Corinna Hintenberger im Interview

Interview Corinna Hintenberger

© Andra Sojka

Viele Selbstständige haben unzählige Ideen. Warum ist klare Positionierung trotzdem so entscheidend?

Ideen sind wunderbar, aber der häufigste Grund für das Scheitern im Business ist nicht der Mangel an Ideen, sondern dass schlichtweg nichts passiert. Wir sind oft so überflutet von Möglichkeiten und „Marketingfachchinesisch“, dass wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen und mental blockiert sind.

Viele machen den Fehler, ihr gesamtes Wissen und alle Interessen in ihre Positionierung packen zu wollen. Aber genau das macht es deinen Kunden unmöglich zu verstehen, bei welchem konkreten Problem oder Ziel du ihnen eigentlich helfen kannst.

Die entscheidende Frage ist:

Für wen willst du da sein und mit welchem Thema sollen dich die Menschen verbinden?

Ohne diese „klare Kante“ wirst du in der Masse nur zum leisen „Echo“. Wenn du aber deine Position findest, wirst du zur „Stimme“, die gehört wird. Denn am Ende des Tages kaufen Menschen keine nackten Produkte – sie kaufen den Nutzen und das tiefe Gefühl, endlich wirklich verstanden zu werden.

Welche typischen Fehler machen Einzelunternehmer beim Start mit Social Media?

Der größte Killer ist die Perfektionsfalle. Viele warten monatelang auf das perfekte Branding, anstatt einfach mit dem Handy und dem, was sie haben, loszulegen.

Ich kenne das von mir selbst: Man will professionell wirken, aber Perfektion kommt erst durchs Tun. Auch wenn man sich am Anfang schrecklich vorkommt – nur durch das regelmäßige Üben wird man besser. Auch die Angst vor Ablehnung bremst viele aus, gerade die Bewertung des engsten Umfeldes.

Was werden wohl die Anderen über mich sagen? Aber Sichtbarkeit ist ein Wachstumsthema. Wir müssen uns daher trauen, unsere authentische Stimme zu finden – auch wenn uns andere Menschen dabei zu sehen. Und eins ist sicher: Wer am Spielfeld steht, hat fix mehr Chancen zu gewinnen als diejenigen, die nur vom Spielfeldrand aus andere bewerten.

Ein weiterer Fehler ist es, Social Media als reine Einbahnstraße zu nutzen, um Angebote rauszuposaunen. Dabei übersehen viele das wertvollste Tool: die Direktnachrichten. Dort findet die wahre Magie statt. Wer nur Content produziert, aber nie zurückschreibt oder keine echten Dialoge führt, verschenkt das größte Potenzial für echte Bindung.

Viele stehen zudem unter dem enormen Druck, viral gehen zu müssen, und glauben, dass Follower automatisch Kunden sind. Aber es geht nicht um die Millionen, die sich gar nicht für dich interessieren. Qualität schlägt Quantität! Lieber eine kleine, „heiße“ Community aus echten Fans als eine riesige, stille Zahl.

Wir vergessen oft: In einem echten Raum würde niemand sagen, dass 500 Menschen wenig sind. Hinter jedem Bildschirm sitzt ein echter Mensch und genau diese Verbindung ist das Ziel.

Wie gelingt es, sichtbar zu werden, ohne sich ständig wie ein Verkäufer zu fühlen?

Sichtbar zu werden, ohne sich wie eine klassische Verkäuferin zu fühlen, gelingt, indem wir den vollen Fokus auf unser Gegenüber und das Nutzenstiften legen. Daher ist es wichtig, quasi in seiner Zielgruppe zu leben und ganz genau zu verstehen, wie es diesen Menschen geht.

  • Was beschäftigt sie wirklich?
  • Was lässt sie nachts nicht schlafen?
  • Was wünschen sie sich sehnlichst?

Erst wenn wir das wissen, können wir schauen, wie wir ihnen mit unseren eigenen Fähigkeiten bestmöglich helfen können.

In der Sichtbarkeit sollten wir deshalb vollen Wert auf echten Mehrwert legen und immer aus der Perspektive der Menschen kommunizieren, für die wir da sein wollen. Wenn du das tust, wirst du für sie relevant und sie hören dir gerne zu. Mit der Zeit entsteht dadurch ein tiefes Vertrauen. Und wenn diese Menschen dann wirklich Bedarf haben, werden sie ganz natürlich zu demjenigen gehen, dem sie vertrauen und dem sie schon lange folgen.

Dabei dürfen wir eines nicht vergessen: Verkaufen ist grundsätzlich absolut nichts Schlechtes! Im Gegenteil, die meisten Menschen lieben es zu kaufen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht: Wenn wir alles gratis rausgeben, setzen die Menschen es oft nicht um.

Aber genau das ist es, was Kunden am Ende kaufen: echte Ergebnisse und die tatsächliche Umsetzung. Daher ist es völlig in Ordnung und sogar wichtig, auch seinen Preis zu verlangen – denn das schafft das nötige Commitment für den gemeinsamen Erfolg.

Corinna Hintenberger: Mut schlägt Perfektion

Zitat Corinna Hintenberger

© Sansoni Photography

Warum fällt es vielen Selbstständigen schwer, sich wirklich als Expertin oder Experte zu zeigen?

Ich glaube, die ehrliche Antwort ist: Die meisten fühlen sich anfangs gar nicht so! Gerade echte Expert:innen wissen nämlich ganz genau, wie riesig ihr Fachgebiet ist und was sie alles noch nicht wissen.

Genau da schlägt das fiese Imposter-Syndrom – das sogenannte Hochstapler-Syndrom – wahnsinnig gerne zu. Oft klopft der Perfektionismus an und flüstert uns ein, dass wir noch nicht gut genug sind oder noch schlauere Folien brauchen. Wir haben Angst, nicht „erwachsen“ oder „kompetent“ genug zu wirken.

Mein absoluter Lieblingstipp dagegen: Sammle so viel Praxiserfahrung wie nur irgendwie möglich! Die wahre Selbstsicherheit und das Gespür dafür, was in der Praxis wirklich funktioniert und was nicht, bekommst du ausschließlich durchs pure Tun.

Dabei folgen Menschen echten Menschen mit Ecken und Kanten, nicht glatten Avataren. Gerade am Anfang ist es auch völlig in Ordnung, deine Leistung mal kostenlos anzubieten, um dir einen starken „Track Record“ aufzubauen – also handfeste Ergebnisse und Kundenstimmen zu sammeln. Das gibt dir ein massives Fundament.

Welche ersten Schritte helfen Unternehmern, die richtigen Wunschkunden anzuziehen?

Zuerst musst du wissen, für wen du wirklich da sein willst und zwar so konkret wie möglich. Schau durch die Augen deiner Zielgruppe: Was beschäftigt sie nachts wirklich?

Klar, du kannst online Google oder eine KI anschmeißen und recherchieren, was die Leute zu deinem Thema fragen. Aber der größte Gamechanger ist und bleibt es, mit echten Menschen zu sprechen! Ich empfehle das all meinen Kund:innen und mache es selbst bis heute.

Führe echte Interviews und Gespräche, da erfährst du das meiste. Im optimalen Fall zeichnest du diese Unterhaltungen auf, lässt sie transkribieren und nutzt dann eine KI, um die Muster zu erkennen. So findest du heraus, worum es wirklich geht, und kannst genau diese Worte für deine gesamte Kommunikation nutzen.

Wenn du das weißt, musst du herausfinden, wo sich diese Menschen aufhalten. Es gibt im Grunde zwei Wege zu deiner Wunschkundin: Erstens, der direkte Weg: Wo treiben sie sich online und offline herum? Zweitens – und das ist ein genialer Hebel – über sogenannte „Zielgruppenbesitzer“.

Wer hat bereits die Community, die du suchst? Das können andere Selbstständige sein, Firmen oder Netzwerke. Überlege dir, was du diesen Leuten anbieten kannst (zum Beispiel einen spannenden Fachvortrag), damit sie dir Zugang zu ihrer Community verschaffen.

Und der absolute Turbo für all das: Um Menschen nachhaltig anzuziehen, ist es immer von Vorteil, eine eigene Personal Brand aufzubauen. Denn eine echte Marke funktioniert wie ein Magnet.

Sie zieht automatisch genau die richtigen Wunschkunden an und stößt die falschen – mit denen es ohnehin nur mühsam werden würde – ganz natürlich ab. Wer sich dann noch traut, persönlich (nicht privat!) zu sein, zieht automatisch Menschen an, die den gleichen Schlag haben.

Was raten Sie Selbstständigen, die ihre Positionierung und Sichtbarkeit verbessern möchten und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Mein wichtigster Rat: Weniger grübeln, mehr machen! „Hau raus“ und fang einfach an. Erst im puren Tun ergeben sich nämlich oft Dinge, die man vorher gar nie am Schirm hatte, und es öffnen sich völlig neue Türen. Und trau dich, perfekt unperfekt zu sein.

Zudem solltest du dir unbedingt ein Umfeld schaffen, das ähnliche Ziele und Ambitionen hat wie du – am besten mit Menschen, die vielleicht sogar schon einen Schritt weiter sind. Ich würde mir auch immer jemanden als Mentor:in suchen, der oder die bereits genau das geschafft hat, was ich mir selbst wünsche.

Mehr Inspiration dazu teile ich jede Woche in meinem Podcast „Business mit Himbeersaft“, der zu den beliebtesten Marketing-Podcasts gehört. Wer mit mir in Kontakt treten will, findet mich auf Social Media (Instagram, Facebook und LinkedIn) unter @corinnahintenberger oder auf meiner Website. Ich freue mich riesig auf den Austausch!

Über Corinna Hintenberger

Corinna Hintenberger ist Personal Branding Strategin und Mentorin für Unternehmer:innen, die mehr wollen als nur ein Standard-Business. Mit ihrer Erfahrung verwandelt sie Expert:innen in unverwechselbare Markenpersönlichkeiten, die ihre Wunschkunden durch echte Anziehungskraft – statt hartem Verkauf – gewinnen.

Ihre Mission ist klar: Schluss mit der Perfektionsfalle und dem Verstecken hinter leblosen Logos. Corinna setzt auf authentische Sichtbarkeit und den Aufbau loyaler Communities am ‚digitalen Lagerfeuer‘.

Als Gründerin des Happy Business Festivals und Host des Podcasts „Business mit Himbeersaft“, der mit dem Podfluencer Award ausgezeichnet wurde, beweist sie täglich, dass Erfolg und Lebensfreude Hand in Hand gehen. Für ihren innovativen Ansatz wurde sie zudem als Jungunternehmerin des Jahres sowie mit dem ‚Next Generation Award‘ ausgezeichnet.

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