Interviews

Julian-Klaus Nussel liest gegen Männerklischees

Er begann nicht mit Bücherbergen im Kinderzimmer, sondern mit einer Frau, die einfach in Ruhe lesen wollte. Julian-Klaus Nussel war Ende zwanzig, als das Lesen plötzlich in sein Leben rückte. Ein Thriller vom Flohmarkt, Sebastian Fitzeks „Die Therapie“, kostete einen Euro und wurde zum Einstieg in eine Welt, die ihn bis heute nicht mehr loslässt.

Aus Neugier wurde Bookstagram, aus Anonymität ein Gesicht und aus einem Hobby ein sichtbares Statement. Denn männliche Buchblogger waren damals selten und genau das machte seinen Account irgendwann größer als nur ein Regal voller Thriller. Im Interview erzählt Julian-Klaus Nussel von Mood Reading, Hype Abstand, ehrlichen Rezensionen und der traurigen Frage, weshalb manche Männer ihr Lesen noch immer verstecken.

Julian-Klaus Nussel im Interview

Interview Julian-Klaus Nussel

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Ich habe ziemlich spät mit dem Lesen angefangen, ich glaube ich war 28 Jahre, also so ziemlich genau vor 10 Jahren. Ich wurde von meiner Frau quasi gezwungen mit dem Lesen zu beginnen, da ich sie damals immer abgelenkt hatte, wenn Sie am Lesen war. Mit dem Bloggen habe ich dann im Februar 2019 begonnen.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Es war damals Die Therpaie von Sebastian Fitzek, mein erster Thriller, den ich mir für 1,-€ auf dem Flohmarkt kaufen musste.

Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?

Ich bin absoluter Mood-Reader. Einen ausreichend großen SuB (Stapel ungelesener Bücher) zu haben ist Pflicht.

Ich stöbere ein wenig und schaue dann, worauf ich spontan Lust habe.

Manchmal fällt mir die Entscheidung aber auch zwischen 2 oder 3 Büchern schwer, dann lasse ich meine Frau entscheiden.

Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?

Ich lese am häufigsten Thriller, es darf aber auch gerne mal Fantasy oder ein wenig Romance sein, hier sollte es dann aber schon witzig/ und/oder spicy sein. Mit Biografien und historischen Romanen werde ich bisher leider nicht warm.

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Ich finde, jedes Werk hat es verdient, komplett gelesen zu werden, denn es kann immer noch der Wow-Effekt eintreten. Bücher abbrechen mache ich wirklich sehr selten.

Julian-Klaus Nussel vertraut dem Wow-Effekt

Zitat Julian-Klaus Nussel

Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?

Oh, ganz klar Matt Dinniman mit der Dungeon Crawler-Reihe. Ich habe sowas vorher noch nie gelesen, war aber total begeistert und es hat mich komplett mitgenommen. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände. Aber Achtung: Suchtgefahr für diese Buchreihe!

Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?

Ich habe damals aus lauter Langeweile einen Buchaccount auf Instagram erstellt, da meine Frau 6 Wochen vorher mit dem „Game“ gestartet hatte und somit wurde meine Neugierde geweckt.

Am Anfang war ich Anonym unterwegs. Damals gab es kaum männliche Buchblogger, was mich relativ fix dazu animiert hatte, auf meinem Account Gesicht zu zeigen. Nach meinem „Reveal“ habe ich viel Zuspruch erhalten und es hat viele Männer auch animiert mit Bookstagram zu beginnen.

Aber allein der Gedankengang, dass manche Männer nicht wollten, dass ihre Arbeitskollegen, Fußballfreunde, allgemein der Bekanntenkreis mitbekommen könnten, dass sie zuhause heimlich lesen, fand ich damals – wie auch heute – sehr traurig.

Wie hat Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Man lässt sich schon sehr mitreißen, immer direkt die Neuerscheinungen zu lesen. Und irgendwann wird es einfach zu viel. Ich glaube diese Erfahrung haben die meisten BloggerInnen bereits gemacht. Jedoch lasse ich mittlerweile gerne Neuerscheinungen etwas liegen, um dem Hype aus dem Weg zu gehen und somit das Buch anders wahrzunehmen.

Erst recht, um sich nicht von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen. Oftmals sind die Bücher, wenn man sie erst ein halbes Jahr später liest, gar nicht mal mehr sooo cool, wie zum Release viele Bloggende bewertet haben.

Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?

Ganz klar, der Buchgeschmack, wenn der zu meinem passt, lass uns Freunde werden, aber mir ist auch wichtig, dass das Profil authentisch rüberkommt. Genauso ist es unrealistisch, wenn der Account nur 5 Sterne Rezensionen veröffentlicht.

Was bringt dich dazu, ein Buch sofort kaufen oder lesen zu wollen?

Ehrlich gesagt, muss hier nur der richtige Name draufstehen, schon kaufe ich es. Bei manchen AutorInnen dann lese ich mir nicht mal den Klappentext durch, ich weiß schon bei Ankündigung eines neuen Buches, dass ich es brauche.

Julian-Klaus Nussel

© Pixabay

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Ich versuche bei jedem Buch, welches ich lese, meine FollowerInnen dabei ein wenig mitzunehmen. Ich würde behaupten 95% der Bücher, die ich gelesen habe, rezensiere ich auch.

Welche Art von Kooperationen mit Autor:innen oder Verlagen findest du spannend und welche eher nicht?

Ehrlichgesagt gibt es hier kein Geheimrezept, wie man mich zu einer Kooperation überzeigen kann. In erster Linie muss mich die Beschreibung, bzw. der Klappentext überzeugen.

Welche Tipps würdest du angehenden Creators geben?

Seid ehrlich, authentisch und vor allem nahbar! Zieht euer Ding durch und bleibt euch selbst treu!

Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?

Puuhhh… auf dem Klo 😉

Wenn du selbst ein Buch schreiben würdest – worum würde es gehen?

Es wäre definitiv ein Thriller, aber mehr würde ich an dieser Stelle nicht verraten. Nicht, dass mir noch jemand meine Idee klaut. 😊


Folge Julian-Klaus Nussel auf Instagram für ehrliche Buchtipps, Thrillerliebe und echten Bookstagram Austausch.

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