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Hauptfiguren von The Crown: Warum jede Staffel ein komplett neues Königshaus zeigt

Stell dir vor, du schaust eine Serie über sechs Jahrzehnte englische Geschichte – und alle zwei Staffeln tauschst du das komplette Königshaus aus. Neue Queen, neuer Prinz Philip, neue Margaret. Genau das hat Peter Morgan mit The Crown gewagt, und es hätte gewaltig schiefgehen können.

Ist es aber nicht. Stattdessen wurde das Rotationsprinzip zum eigentlichen Markenzeichen der Serie. Die Hauptfiguren von The Crown wurden alle zwei Staffeln komplett neu besetzt, weil die Handlung von 1947 bis 2005 reicht – ein Zeitraum, den keine Schauspielerin und kein Schauspieler glaubwürdig allein altern lassen könnte.

Claire Foy, Olivia Colman und Imelda Staunton teilen sich die Rolle der Queen Elizabeth II., ähnlich läuft es bei Prinz Philip und Prinz Charles. Sechs Staffeln, 60 Episoden, drei Besetzungsgenerationen – so einfach lässt sich das Prinzip zusammenfassen.

Warum ein Wechsel der Hauptfiguren von The Crown alle zwei Staffeln?

Warum ein Wechsel der Hauptfiguren von The Crown alle zwei Staffeln

Man hätte es auch anders lösen können. Alterungs-Make-up, digitale Verjüngung, was auch immer Hollywood sonst noch zur Verfügung steht. The Crown hat sich bewusst dagegen entschieden. Der Grund liegt auf der Hand, sobald man ihn ausspricht:

Eine Schauspielerin, die 1947 eine 21-jährige Queen spielt, kann nicht glaubwürdig dieselbe Frau mit 79 Jahren verkörpern – jedenfalls nicht ohne dass die Illusion irgendwann bröckelt. Also entschied sich Peter Morgan für den radikalen Schnitt: neue Gesichter, neue Energie, neue Interpretation derselben Figur.

Jede Besetzung bringt eine eigene Lesart der Queen mit. Claire Foy zeigt eine junge Frau, die in eine Rolle hineingeworfen wird, für die sie nie vorgesehen war.

Olivia Colman spielt eine Monarchin, die längst gelernt hat, ihre Gefühle hinter Protokoll zu verstecken. Und Imelda Staunton? Sie zeigt eine Queen, die mit den Trümmern ihrer eigenen Familie klarkommen muss – Diana, die Scheidungen, der öffentliche Ansehensverlust der Windsors in den Neunzigern.

Die drei Königinnen: Wie Claire Foy, Olivia Colman und Imelda Staunton dieselbe Frau zu drei unterschiedlichen Menschen machen

Die Besetzung von Queen Elizabeth II. ist das Herzstück der gesamten Serie, und die Aufteilung folgt einer klaren Logik:

  • Staffel 1–2: Claire Foy spielt die junge Queen der 1940er- und 1950er-Jahre – frisch verheiratet, plötzlich Monarchin nach dem Tod ihres Vaters, noch unsicher im Umgang mit der eigenen Macht.
  • Staffel 3–4: Olivia Colman übernimmt für die 1960er- bis 1980er-Jahre. Hier wird aus der zögerlichen jungen Frau eine gefestigte, manchmal fast kühl wirkende Institution.
  • Staffel 5–6: Imelda Staunton führt die Figur in die späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre – die Ära von Dianas Tod, der Krise der Monarchie und schließlich der Hochzeit von Charles und Camilla im Jahr 2005.

Es ist kein reines Wechseln der Gesichter, sondern eine schauspielerische Staffelübergabe mit klarer dramaturgischer Funktion. Jede der drei bringt etwas Eigenes mit, ohne dass die Figur ihre Kontinuität verliert.

Prinz Philip und Prinz Charles Besetzung: Die zwei anderen zentralen Rollen im Rotationsprinzip

Prinz Philip und Prinz Charles Besetzung Die zwei anderen zentralen Rollen im Rotationsprinzip

Neben der Queen selbst folgen zwei weitere Figuren demselben Muster – und hier wird der Sinn des Konzepts besonders deutlich.

Prinz Philip, Herzog von Edinburgh

Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, wird über die Staffeln hinweg von Matt Smith (Staffel 1–2), Tobias Menzies (Staffel 3–4) und Jonathan Pryce (Staffel 5–6) gespielt.

Drei völlig unterschiedliche Energien: Smith zeigt einen jungen Mann, der mit der untergeordneten Rolle als Ehemann der Königin hadert. Menzies spielt einen Philip, der sich notgedrungen arrangiert hat. Pryce schließlich verkörpert den alternden Duke of Edinburgh, der auf ein langes Leben in der zweiten Reihe zurückblickt.

Prinz Charles

Prinz Charles, später König Charles III., taucht erst ab Staffel 3 als eigenständige Hauptfigur auf. Josh O’Connor übernimmt die Rolle für Staffel 3 und 4 und konzentriert sich auf die Jugendjahre und die Anfänge der Beziehung zu Diana.

Dominic West spielt Charles dann in Staffel 5 und 6 – hier liegt der Fokus klar auf der gescheiterten Ehe, der Scheidung und den Jahren bis zur Hochzeit mit Camilla Parker Bowles 2005.

Was viele unterschätzen: Diese zeitliche Verschiebung ist kein Zufall. Charles bekommt erst dann eine eigene erzählerische Gewichtung, wenn er selbst zur öffentlichen Figur wird – vorher ist er in der Erzählung eher Randfigur im Leben seiner Mutter.

Prinzessin Margaret und Diana: Zwei Figuren, die dem Rotationsprinzip eine emotionale Tiefe geben

Neben dem Trio Queen–Philip–Charles gibt es zwei weitere Rollen, die maßgeblich zur Wucht der Serie beitragen.

Prinzessin Margaret wird von Vanessa Kirby (Staffel 1–2), Helena Bonham Carter (Staffel 3–4) und Lesley Manville (Staffel 5–6) gespielt. Margaret ist über alle Staffeln hinweg das emotionale Gegengewicht zur pflichtbewussten Queen – die Schwester, die sich nicht in Konventionen fügen will und daran zerbricht.

Prinzessin Diana erhält dagegen nur zwei Besetzungen: Emma Corrin spielt sie in Staffel 4, Elizabeth Debicki übernimmt für Staffel 5 und 6. Der Grund liegt schlicht daran, dass Diana erst spät in die Handlung eintritt und schon 1997 stirbt – ihr Zeitfenster in der Serie ist dadurch kürzer als bei den anderen Hauptfiguren.

Debickis Darstellung konzentriert sich auf das, was man den „Medienkrieg“ der Neunziger nennen könnte: Dianas öffentlicher Kampf um Deutungshoheit über ihr eigenes Leben, bis hin zu ihrem Unfalltod in Paris.

Staffel 6 und der Diana-Hype: Warum die letzte Staffel das Netz besonders aufgewühlt hat

Kaum eine Staffel hat online so viel Wirbel verursacht wie die sechste – aus gutem Grund. Sie behandelt Dianas Tod 1997 und zugleich den Beginn der Liebesgeschichte zwischen Prinz William (Ed McVey) und Kate Middleton (Meg Bellamy) an der Universität St. Andrews.

Diese Gegenüberstellung von Trauer und beginnender neuer Liebe hat viele Zuschauer emotional getroffen – nicht zuletzt, weil man als Publikum weiß, wie die Geschichte real weitergegangen ist.

Die finale sechste Staffel wurde Ende 2023 in zwei Teilen veröffentlicht und bildet damit den Abschluss der Serie. Insgesamt kommt The Crown auf 6 Staffeln mit genau 60 Episoden – ein beachtlicher Umfang für eine Serie, die einen Zeitraum von 1947 bis zur Hochzeit von Charles und Camilla 2005 abdeckt.

Die allerletzte Folge deutet zudem, ganz am Rande, das reale Ableben der Queen im Jahr 2022 an – Stichwort Operation London Bridge, der Codename für die Beerdigungsprotokolle der britischen Monarchie.

Stand 2026 gibt es keine aktiven Pläne für eine Fortsetzung oder eine siebte Staffel. The Crown ist, zumindest fürs Erste, eine abgeschlossene Geschichte.

Der ewige Streit: Wie viel Wahrheit steckt in The Crown?

Der ewige Streit Wie viel Wahrheit steckt in The Crown

Kaum ein Aspekt der Serie wurde so heiß diskutiert wie die Frage nach der historischen Genauigkeit. Jede einzelne Staffel löste eine neue Runde der „Fakt oder Fiktion“-Debatte aus. Die britische Regierung forderte zeitweise sogar, Netflix solle einen expliziten Fiktions-Warnhinweis vor die Episoden setzen. Netflix lehnte das ab.

Schöpfer Peter Morgan selbst hat nie behauptet, ein Dokumentarfilm zu drehen. Er beschreibt die Serie als künstlerische Dramatisierung auf Basis realer Eckdaten – Namen, Ereignisse und Zeitpunkte stimmen, die Dialoge und inneren Motivationen sind Interpretation.

Das ist ein wichtiger Unterschied, den man als Zuschauer im Hinterkopf behalten sollte, gerade weil die Serie so überzeugend inszeniert ist, dass man leicht vergisst, wo Fakt aufhört und Drehbuch anfängt.

Wenn eine Serie das historische Interesse ganzer Nationen verschiebt

Hier wird es richtig interessant, und zwar auf eine Weise, die weit über Popcorn-Unterhaltung hinausgeht. The Crown hat nachweislich beeinflusst, wofür sich Menschen im Netz interessieren – und zwar innerhalb weniger Stunden.

Als in Staffel 3 enthüllt wurde, dass Anthony Blunt, der Kunstberater der Queen, in Wahrheit ein sowjetischer Spion war, schnellten die täglichen Aufrufe seiner Wikipedia-Seite von rund 1.500 auf knapp 195.000 Klicks – innerhalb von 24 Stunden.

Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bei Lord Mountbatten nach dessen Storyline in Staffel 4. Das zeigt etwas Grundsätzliches: The Crown funktioniert für viele Zuschauer als Einstiegspunkt in echte Geschichte. Man schaut eine Folge – und recherchiert danach zwei Stunden lang, was davon wirklich passiert ist.

Der Kostümaufwand: Zahlen, die die Produktionsdimension greifbar machen

Was bei all den Debatten über historische Genauigkeit gerne untergeht: der schiere handwerkliche Aufwand hinter der Serie. Für alle sechs Staffeln wurden über 45.000 Komparsen ausgestattet – eine Zahl, die man sich kaum vorstellen kann, bis man bedenkt, wie viele Krönungsszenen, Staatsbegräbnisse und königliche Empfänge über sechs Jahrzehnte hinweg nachgestellt werden mussten.

Die hauseigene Kostümabteilung fertigte zusätzlich über 800 maßgeschneiderte Outfits allein für die Hauptfiguren an.

Das aufwendigste Stück der gesamten Serie war die exakte Replik von Queen Elizabeths Hochzeitskleid aus Staffel 1 – allein die Bestickung der Schleppe beschäftigte ein sechsköpfiges Team fast sieben Wochen lang. Das sind Dimensionen, die man sonst eher aus der Haute Couture kennt, nicht aus einer Fernsehproduktion.

Acht Häuser für einen Palast: Wie Buckingham Palace ohne Drehgenehmigung entstand

Ein Detail, das viele Fans überrascht: Die Crew hat nie im echten Buckingham Palace gedreht. Eine Drehgenehmigung gab es schlicht nicht. Stattdessen mussten die Innenräume der königlichen Residenz durch eine Kombination aus acht verschiedenen historischen Herrenhäusern und Studios nachgebaut werden, darunter Lancaster House und Wilton House.

Das erklärt übrigens auch, warum bestimmte Räume in der Serie über die Staffeln hinweg leicht unterschiedlich wirken – je nachdem, welche Location gerade für welche Szene herhalten musste, verschieben sich Lichtstimmung und Architekturdetails minimal. Für aufmerksame Zuschauer ist das fast ein eigenes kleines Suchspiel.

Hauptfiguren von The Crown: Zwischen künstlerischer Freiheit und realer Geschichte

Erwarte keine nahtlose Kontinuität im klassischen Sinn. Jede neue Staffel-Generation bringt eine andere Grundstimmung mit, weil andere Schauspieler andere Schwerpunkte setzen. Das ist kein Makel, sondern Konzept.

Und wenn du wissen willst, wie viel von dem, was du siehst, wirklich passiert ist – nimm es als Ausgangspunkt für eigene Recherche, nicht als Geschichtsbuch. Genau das hat schließlich auch bei Anthony Blunt und Lord Mountbatten funktioniert.

Ein Königshaus, viele Gesichter

The Crown hätte mit einer durchgehenden Besetzung wahrscheinlich auch funktioniert – aber eben anders, kleiner, weniger mutig. Das Rotationsprinzip war ein Risiko, das sich ausgezahlt hat, weil es der Serie erlaubt hat, sechs Jahrzehnte britischer Geschichte zu erzählen, ohne dass eine einzelne Besetzung darunter zusammengebrochen wäre.

Ob man nun Claire Foy, Olivia Colman oder Imelda Staunton als „die beste Queen“ empfindet, bleibt am Ende Geschmackssache. Genau darin liegt vielleicht der eigentliche Erfolg des Konzepts.

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