Jenny Heyer spricht über ein Thema, das im Business lange unterschätzt wurde: Energie als strategischer Erfolgsfaktor. Während viele Leadership-Programme Verhalten optimieren, geht sie eine Ebene tiefer – zum Nervensystem, zum inneren Zustand, aus dem Entscheidungen, Kommunikation und Performance überhaupt erst entstehen.
Im Interview erklärt Jenny Heyer, warum High Performer trotz Erfolg an Energie verlieren, weshalb Durchhalten kein nachhaltiges Erfolgsmodell ist und wie Führungskräfte lernen können, aus innerer Stabilität statt aus Dauerspannung zu handeln. Ein Gespräch über Selbstführung, Regulation und die neue Definition von High Performance.
Interview mit Jenny Heyer
Warum verlieren High Performer trotz Erfolg langfristig ihre Energie?
Viele High Performer verlieren ihre Energie nicht, weil sie zu wenig leisten oder ihren Job nicht lieben. Im Gegenteil: Sie sind ambitioniert, verantwortungsbewusst und oft sehr identifiziert mit dem, was sie tun.
Das Problem entsteht meist über die Zeit. Verantwortung hört nicht um 18 Uhr auf. Entscheidungen wirken nach und Gedanken bleiben präsent. Wer dauerhaft viel leistet, läuft innerlich häufig auf Spannung. Oftmals, ohne es richtig zu merken.
Nach außen funktioniert alles: Die Ziele werden erreicht, Projekte laufen super und die Geschäftsergebnisse stimmen. Doch im Hintergrund verändert sich etwas. Schlaf bringt nicht mehr dieselbe Erholung, sich zu fokussieren braucht mehr Kraft und die „Zündschnur“ wird immer kürzer, sprich die Geduld wird knapper.
Das sind dann keine Charakterfragen und auch keine Frage von Disziplin. Es ist ein physiologischer Zustand. Wenn das Nervensystem über lange Zeit auf Alarm oder Daueranspannung läuft, sinkt nämlich die Reserve. Und ohne Reserve verliert selbst die stärkste Persönlichkeit an Klarheit und Energie.
Was bedeutet nachhaltige Leistungsfähigkeit jenseits von Durchhalten?
Durchhalten ist kurzfristig betrachtet eine Stärke. Viele Führungskräfte haben genau dadurch Karriere gemacht.
Nachhaltige Leistungsfähigkeit bedeutet jedoch etwas anderes. Sie heißt, Verantwortung tragen zu können, ohne permanent über innere Spannung zu gehen. Entscheidungen treffen zu können, ohne innerlich auszubrennen.
Für mich heißt nachhaltige Performance, dass Energie planbar wird. Dass Führung nicht jedes Mal Kraft kostet, die man anschließend mühsam regenerieren muss.
Es geht darum, aus einem regulierten Zustand zu führen. Wenn der Körper Sicherheit signalisiert, werden Entscheidungen klarer, Kommunikation präziser und Energie effizienter eingesetzt. Leistung entsteht dann nicht gegen den eigenen Zustand, sondern aus ihm heraus.
Jenny Heyer über Leadership-Energie
Woran erkennt man, dass Selbstführung wichtiger wird als Selbstoptimierung?
Selbstoptimierung zielt meist auf Verhalten: bessere Routinen, effizientere Zeitplanung, mehr Disziplin. Selbstführung beginnt eine Ebene tiefer. Sie fragt: Aus welchem Zustand heraus handle ich eigentlich?
Wenn jemand trotz klarer Strategie immer schneller gereizt reagiert, Entscheidungen aufschiebt oder sich innerlich unter Druck fühlt, liegt das Problem selten im Wissen. Es liegt im Zustand.
Die meisten Leadership-Programme trainieren Verhalten. Ich arbeite am Zustand, aus dem dieses Verhalten entsteht. Denn wer seinen inneren Zustand regulieren kann, braucht weniger Selbstoptimierung. Viele Themen lösen sich nicht durch „mehr machen“, sondern durch innere Stabilität.
Warum ist Energie heute der entscheidende Leadership-Faktor?
Unsere Arbeitswelt ist schneller, dichter und komplexer geworden. Führung bedeutet heute Dauerpräsenz, permanente Kommunikation und hohe Entscheidungsfrequenz.
In diesem Umfeld wird Energie zum strategischen Faktor. Nicht Motivation im Sinne von Begeisterung, sondern die Fähigkeit, unter Druck stabil zu bleiben.
Wenn das Nervensystem ruhig bleibt, obwohl es komplex wird, entstehen bessere Entscheidungen. Gespräche werden klarer geführt. Teams fühlen sich sicherer.
Energie entscheidet darüber, ob jemand reaktiv führt oder ganz bewusst. Deshalb ist Regulation für mich kein Wellness-Thema, sondern ein zentraler Leadership-Skill.
Deshalb verbinde ich Business Coaching mit körperbasierter Regulation. Strategie und Nervensystem gehören einfach zusammen, denn ohne innere Stabilität bleibt selbst die allerbeste Führungsstrategie nur theoretisch.
Jenny Heyer über Selbstführung
Was verändert sich im Business, wenn Menschen aus Flow statt Dauerspannung handeln?
Dauerspannung fühlt sich oft produktiv an. Ist sie aber nicht, denn unter Spannung wird man enger im Denken, reaktiver im Ton, schneller im Urteil.
Und „im Flow zu sein“ ist kein esoterischer Zustand. Er entsteht, wenn Sicherheit im System da ist. Aus meiner Sicht wird „Flow“ oft romantisiert. Ich meine damit keinen dauerhaften Hochzustand, sondern einen regulierten Arbeitsmodus.
Wenn Menschen nicht dauerhaft unter innerer Spannung stehen, passiert etwas Interessantes:
- ihr Denken wird flexibler
- Kommunikation wird klarer und ruhiger
- Meetings sind fokussierter
- Entscheidungen werden nicht aus Angst, sondern aus Klarheit getroffen
- Energie bleibt verfügbar.
Ich habe Führungskräfte begleitet, die vorher sagten: „Ich halte gerade alles zusammen.“ Nach stabiler Regulation sagen sie: „Ich führe wieder bewusst.“ Das ist ein riesen Unterschied.
Welche Haltung möchten Sie Führungskräften mitgeben?
Meine Haltung ist klar: Energie ist kein Bonus. Sie ist ein relevanter Führungsfaktor!
Wer viel Verantwortung trägt, darf lernen, mit seinem eigenen Zustand professionell umzugehen. Nicht erst, wenn es kippt, sondern frühzeitig. Performance und innere Stabilität schließen sich dabei nicht aus. Im Gegenteil: Sie bedingen sich.
Interessierte finden weitere Informationen auf meiner Website oder können ein kostenfreies Einordnungsgespräch vereinbaren.
Dort klären wir gemeinsam, wo sie aktuell stehen und welcher Schritt sinnvoll ist.
Zur Person:
Jenny Heyer ist Business Coach und Gründerin von the energy code®. Nach über 20 Jahren in Führungs- und Projektleitungsrollen in komplexen Unternehmensstrukturen begleitet sie heute Führungskräfte und Unternehmer:innen dabei, leistungsfähig zu bleiben ohne sich dauerhaft zu verbrauchen. Ihr Ansatz verbindet Business Coaching mit körper- und nervensystembasierter Regulation.









