Sherina Ogbomo begleitet erfolgreiche Frauen an inneren Wendepunkten – genau dort, wo Karriereziele erreicht sind, aber neue Fragen auftauchen. Wenn Leistung nicht mehr erfüllt, wenn Erfolg sich leer anfühlt und der innere Kompass neu justiert werden will, beginnt ihre eigentliche Arbeit.
Im Interview spricht Sherina Ogbomo über Selbstwert, kulturelle Identität und die Kunst, Veränderung zu gestalten, ohne erneut im Burnout zu landen. Ein Gespräch über innere Reife, weibliche Führung und den Mut, Erfolg neu zu definieren.
Sherina Ogbomo im Interview
Warum geraten gerade erfolgreiche Frauen an innere Wendepunkte?
Ich glaube, der innere Wendepunkt kommt nicht trotz des Erfolges, sondern wegen ihm. Viele Frauen haben über Jahre nur eine Vision: Es nach ganz oben zu schaffen – in der Selbstständigkeit oder im Unternehmen. Erfolg, Anerkennung und Sicherheit werden zum inneren Kompass.
Parallel dazu läuft das Leben weiter: Familie, Kinder, Verantwortung, Durchhalten. Man funktioniert, wächst, kämpft sich hoch – Schritt für Schritt, Berg für Berg.
Und dann ist er da: der Moment, in dem man beruflich wirklich erfolgreich ist. Die Vision ist erreicht. Man steht auf dem Gipfel und blickt auf all die Jahre, die Kraft, die Disziplin und die Opfer zurück.
Genau dort werden die Fragen leise, aber unüberhörbar: Und jetzt? Soll ich den nächsten Berg erklimmen? Oder darf ich mich umschauen und wahrnehmen, was jenseits des ständigen „Höher, schneller, weiter“ noch möglich ist?
Dann taucht eine tiefere Frage auf: Was steckt noch in mir – jenseits meiner Leistung, meiner Rolle, meiner Erfolge? Plötzlich stellt man sich, trotz allem Erfolg, die ehrlichste Frage von allen: Bin ich wirklich glücklich, oder war das erst die Hälfte der Reise?
Der Wendepunkt beginnt dort, wo diese leisen Fragen Raum bekommen. Nicht weggedrückt, nicht vom nächsten Ziel übertönt, sondern ernst genommen. Dann entsteht ein Prozess: Innehalten, Neuorientierung, bewusste Neuausrichtung. Nicht, weil etwas falsch gelaufen ist, sondern weil etwas Neues reif geworden ist.
Ein Wendepunkt ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von innerer Reife und von dem Mut, nicht nur erfolgreich zu sein, sondern erfüllt.
Woran erkennen Frauen, dass es Zeit ist, ihr Leben neu auszurichten?
Oft nicht an einem großen Knall, sondern an einem leisen inneren Wandel. Frauen spüren es, wenn die Tätigkeit, die sie jahrelang erfüllt hat, plötzlich keine Freude mehr macht. Früher war da ein inneres Feuer. Man wusste, wofür man morgens aufsteht. Und dann verändert sich etwas – nicht abrupt, sondern schleichend.
Das, was früher leicht war, fühlt sich schwer an. Der Flow ist weg. Die Energie sinkt. Selbst das Geldverdienen fühlt sich nicht mehr nach Fülle an, sondern nach Müssen. Nach Druck. Nach Funktionieren. Die Freude verschwindet, was bleibt, ist Erschöpfung.
Viele Frauen merken es daran, dass sie den inneren Druck kaum noch aushalten. Sie fühlen sich leer, obwohl im Außen alles „stimmt“. Da ist eine Traurigkeit ohne klaren Anlass. Man fühlt sich gefangen – nicht in äußeren Umständen, sondern im eigenen Leben, wie in einem inneren Gefängnis.
Genau hier klopft die Seele leise an und sagt: So wie bisher geht es nicht mehr weiter. Nicht, weil etwas falsch ist, sondern weil etwas Neues wahr werden will. Die Neu-Ausrichtung beginnt dort, wo Frauen aufhören, sich ausschließlich über Leistung zu definieren und anfangen, ihrem inneren Erleben wieder zuzuhören. Nicht lauter werden, sondern ehrlicher.
Welche Rolle spielt Selbstwert bei beruflichen Entscheidungen?
Selbstwert ist das unsichtbare Fundament jeder beruflichen Entscheidung. Er bestimmt, wie groß wir denken, wie mutig wir handeln und was wir uns erlauben. Das zeigt sich deutlich im Vergleich zweier Frauen:
Die eine kennt ihren Wert, geht selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen, weiß, was sie kann und welchen Beitrag sie leistet. Sie fordert ein, was ihrer Leistung entspricht – nicht aus Überheblichkeit, sondern aus innerer Selbstachtung.
Die andere weiß ebenfalls, was in ihr steckt, hat aber nie wirklich gelernt, für sich einzustehen. Ihre inneren Sätze lauten oft: „Eigentlich könnte ich mehr, aber …“, „Ich will nicht zu viel verlangen“, „Ich bin dankbar, überhaupt hier zu sein.“
Der Unterschied liegt nicht im Können, sondern im Selbstwert. Selbstwert entscheidet, ob wir uns klein halten oder uns erlauben zu wachsen, ob wir uns anpassen oder uns zeigen, ob wir aus Angst oder aus innerer Klarheit handeln. Ein stabiler Selbstwert sagt:
Ich darf wachsen. Ich darf Raum einnehmen. Ich darf scheitern und bleibe trotzdem wertvoll.
Sherina Ogbomo über Selbstwert, Wendepunkte und Neuorientierung
Wie gelingt echte Veränderung, ohne erneut im Burnout zu landen?
Echte Veränderung beginnt nicht im Außen, sondern im Inneren. Viele Frauen verändern Job oder Lebensumstände und wundern sich, warum sie Jahre später wieder erschöpft am gleichen Punkt stehen. Der Grund ist einfach: Man nimmt sich selbst mit.
Wer die äußeren Bedingungen ändert, aber die inneren Antreiber behält – Leistungsdruck, Perfektionismus, der Drang, sich zu beweisen – landet früher oder später wieder in Erschöpfung. Vielleicht in einem schöneren Setting, aber mit dem gleichen inneren Druck.
Veränderung ohne erneuten Burnout gelingt, wenn Frauen lernen, ihre Energie als wertvollste Ressource zu achten, Pausen als Kompetenz zu begreifen, nicht nur zu funktionieren, sondern sich selbst mitzunehmen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, bevor der Körper laut wird.
Es braucht neue innere Erlaubnisse: langsamer werden dürfen, Erfolg neu definieren, ein Leben aufbauen, das sich auch innen stimmig anfühlt – nicht nur außen beeindruckend.
Warum ist kulturelle Identität eine Kraftquelle für weibliche Führung?
Kulturelle Identität ist gelebte Erfahrung und genau darin liegt ihre Kraft. Frauen mit kultureller Prägung bringen mehrere Perspektiven mit. Sie sind es gewohnt, zwischen Welten zu navigieren, unterschiedliche Werte und Sichtweisen zu verbinden und Spannungen auszuhalten. Daraus entstehen starke Vermittlungskompetenzen.
Hinzu kommen Resilienz, emotionale Intelligenz, Selbstwirksamkeit und Durchhaltevermögen – alles zentrale Führungsqualitäten in einer komplexen Welt. Kulturelle Identität ermöglicht eine authentische Führung, die nicht angepasst ist, sondern verwurzelt.
Menschen folgen nicht nur Positionen, sondern Haltung.
Welchen Rat geben Sie Frauen, die spüren, dass mehr in ihnen steckt und wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?
Mein wichtigster Rat: Nimm dieses Gefühl ernst. Wenn du spürst, dass mehr in dir steckt, ist das kein Zufall, sondern ein innerer Ruf nach Entwicklung. „Das Leben wieder bunter machen“ bedeutet für mich nicht, alles schönzureden, sondern den Mut zu haben, sich trotz Widerständen neu auszurichten. Dann wird die Welt wieder bunter – durch neue Möglichkeiten, neue Stärke und neue Klarheit.
Ich begleite Frauen durch diesen Prozess – online, in Präsenz in Berlin und in intensiven Coaching-Tagen auf Mallorca. Der erste Schritt ist immer ein Gespräch. Wer spürt, dass es Zeit für Veränderung ist, kann sich melden und wir schauen gemeinsam, ob der Weg stimmig ist.
Über Sherina Ogbomo
Sherina Ogbomo ist Mutter von zwei Kindern, Unternehmerin und Coach. Trotz eigener Lernschwächen war sie viele Jahre erfolgreich selbstständig, bis ein schweres Burnout sowie persönliche Schicksalsschläge ihr Leben grundlegend veränderten. Heute begleitet sie Frauen dabei, innere Wendepunkte zu meistern, neue Kraft zu finden und ihr Leben bewusst neu auszurichten.







