Man merkt schnell, ob jemand Bücher nur präsentiert oder wirklich für Geschichten brennt. Bei Annkathrin Malterer ist es dieses Funkeln, das zählt: nicht das perfekte Regal, nicht der nächste Trend, nicht der lauteste Verriss. Sondern Menschen, die lesen, fühlen, weiterdenken und ihre Begeisterung so teilen, dass man selbst wieder neugierig wird.
Ihre eigene Buchreise begann mit Büchereistapeln, Joy Fielding Nächten und einer frühen Rezension zu Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“. Heute steht hinter Ankas Geblubber ein gewachsener Buchkosmos aus Blog, YouTube, Instagram und TikTok. Im Interview geht es um Kinderbücher, Thriller, Kreativität, echte Verbindung und die Frage, weshalb Zahlen nie wichtiger werden sollten als die Freude am Austausch.
Interview mit Annkathrin Malterer

©Julia Basmann Photography
Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?
Gelesen habe ich schon als Kind unheimlich gern. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als kleiner Stöpsel stapelweise „Lese-Löwen“-Bücher aus der Bücherei ausgeliehen habe.
In meiner Jugend hat die Leselust etwas nachgelassen, doch auch da gab es Phasen, in denen ich mit den Spannungsromanen von Joy Fielding die Nacht zum Tag gemacht habe.
Während meines Studiums und meiner Ausbildung habe ich dann wieder mehr gelesen und auch das erste Mal über ein Buch geschrieben. Damals hatte ich einen privaten Blog, auf dem ich meinen Freund*innen tagebuchartig erzählte, was mich gerade bewegte und was ich erlebte.
Nach dem Abi hatten sich unsere Wege getrennt, und über meinen Blog konnte ich sie trotzdem weiter an meinem Leben teilhaben lassen, auch wenn wir uns nicht mehr täglich sahen.
Als ich „Der Seelenbrecher“, einen heftigen Thriller von Sebastian Fitzek, gelesen hatte und ihn unbedingt weiterempfehlen wollte, entstand quasi meine erste Rezension. Das war 2006.
Danach durften noch ein paar Jahre ins Land ziehen, bevor ich 2010 intensiver als Buchbloggerin Rezensionen schrieb und später auch mit Verlagen und Autor*innen zusammenarbeitete.
Wie wählst du deine Bücher aus – eher spontan wegen Cover, Klappentext oder Empfehlungen?
Es ist sicher ein Mix aus Empfehlungen, Autor*innen, die ich gern lese, und Klappentexten, wobei der Inhalt bei mir eigentlich immer am meisten ins Gewicht fällt. Tja, und dann stehe ich vor meinen bunt gefüllten Bücherregalen und weiß trotzdem nicht, zu welchem Buch ich als Nächstes greifen soll.
Dabei hilft mir dieses Jahr mein TBR-Game (TBR = to be read). Meine Community hat mir zu Beginn des Jahres ganz viele kreative Aufgaben genannt, die ich auf kleine Zettel geschrieben habe. Immer, wenn ich ein Buch beendet habe, ziehe ich einen neuen Zettel und wähle anhand der Aufgabe mein nächstes Buch aus.
Die Aufgaben lauten zum Beispiel: „Lies ein Buch außerhalb deiner Komfortzone“, „Lies ein Buch einer deutschen Autorin“ oder „Lies ein Buch, dessen Titel aus drei Wörtern besteht“. Das macht unheimlich viel Spaß.
Und tatsächlich habe ich dank dieses Spiels dieses Jahr bereits zum ein oder anderen Buch gegriffen, das ohne die Aufgabe sicherlich noch länger unbeachtet im Regal gewartet hätte.
Welche Genres oder Themen ziehen dich immer wieder an? Gibt es auch Dinge, die du bewusst meidest?
Ich liebe Kinder- und Jugendliteratur und finde es unglaublich schön, wie sehr sie sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten verändert hat. Lesen ist nicht nur schön, sondern auch wichtig.
Schon früh können Kinder in und mit Büchern lernen, was Empathie bedeutet.
Sie tauchen in andere Welten und Lebensrealitäten ein, erfahren, was Freundschaft ist, und entwickeln Fantasie. Deshalb ist es mir so wichtig, auf meinen Kanälen auch immer wieder Kinderbücher vorzustellen.
Ähnlich geht es mir mit Jugendbüchern. Das Angebot ist mittlerweile riesig, Jugendliche werden beim Lesen mehr gefordert und haben heute die Möglichkeit, sich selbst in Geschichten wiederzufinden. Diversität, Ängste und Schicksale werden thematisiert.
Ich empfinde zum Beispiel die Jugendbücher von Alicia Zett, in denen sie über queere Teenager schreibt, als unglaublich wichtig. Nicht nur für die eigentliche Zielgruppe, sondern auch für ihre Angehörigen. Jugendliche finden sich in den Figuren wieder, fühlen sich verstanden und gesehen.
Ansonsten zähle ich mich ganz klar zu den Querbeet-Lesenden. Ich tauche gern in Romances ein, lese Dystopien, Krimis und Thriller, greife neuerdings auch mal zu dem ein oder anderen Sachbuch, verliere mich in Fantasywelten oder lasse mich von gemütlichen Wohlfühlromanen einlullen.
Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?
Oh Himmel, nein! Ich breche definitiv Bücher ab. Meine Lebens- und Lesezeit ist leider begrenzt, sodass ich sie nicht mit Geschichten verbringen möchte, die mich nicht catchen. Da kenne ich nichts.
Ich breche Bücher rigoros ab – egal, ob nach fünf Seiten, wenn mir zum Beispiel der Schreibstil überhaupt nicht liegt, nach 50 Seiten, weil die Geschichte nicht in Fahrt kommt, oder auch im letzten Drittel, wenn ich die Entwicklung der Storyline nicht gutheiße oder glaubwürdig finde.
In meinen Bücherregalen warten soooo viele Bücher, die gelesen und entdeckt werden wollen.
Welche Autor:innen hast du zuletzt neu entdeckt und was begeistert dich an ihnen?
Ich habe vor Kurzem „Keine Angst, Darling“ von Vera Buck gelesen, in dem sie den Tradwife-Trend thematisiert. Für mich war das ein unglaublich moderner, fesselnder Thriller mit einer guten Portion Gesellschaftskritik und Aufklärung. Sowas mag ich. Ich möchte unbedingt mehr von der Autorin lesen.
Aber auch Josi Wismar hat mich mit der „Fallen Grace“-Dilogie („Fractured Fates“ & „Shattered Silence“) beeindruckt. Clever spinnt sie eine Geschichte, die sich anfangs fluffig wie eine Romance-Suspense-Story liest und sich dann unaufhaltsam in einen starken Female-Rage-Roman entwickelt, der nachhallt.
Im YA-Bereich haben mich zuletzt Basma Hallak mit ihrem mittlerweile mehrfach ausgezeichneten Roman „Please Unfollow“ über die Schattenseiten von Family-Influencern begeistert sowie Katie Kento mit ihrem YA-Krimi „Hotel Ambrosia“, der sowohl spannend als auch superlustig war.
Im Bereich der Kinderbücher hat mich Ali Standish mit ihrer Baskerville-Hall-Reihe mitgerissen. Wer abenteuerliche Mystery-Geschichten mit Internatssetting mag, sollte sich diese Bücher nicht entgehen lassen.
Annkathrin Malterer sucht echte Buchmenschen
Wie und warum hast du deinen Bookstagram- oder BookTok-Account gestartet?
Angefangen hat damals alles mit meinem Blog. Kurz darauf folgte mein YouTube-Kanal. Für mich stand immer der Austausch mit anderen Lesenden im Fokus. Gleichzeitig begleitet mich die Liebe zum Schreiben schon seit meiner Kindheit. Dieser Leidenschaft konnte ich auf meinem Blog nachgehen.
YouTube hat mich dann als zusätzliches Medium fasziniert. Vor der Kamera zu stehen und locker und flockig über das zu blubbern, was ich liebe, hat direkt Spaß gemacht.
Und natürlich geht man mit der Zeit. Social Media kam auf. Da ich Neuem gegenüber stets offen bin und es für mich selbstverständlich ist, nicht nur mich selbst, sondern auch Ankas Geblubber weiterzuentwickeln, war ich mit meinem buchigen Content nach und nach auf Facebook und Instagram und mittlerweile auch auf TikTok vertreten.
Was macht für dich einen Account wirklich interessant – was bringt dich dazu, jemandem zu folgen?
Authentizität und Kreativität. Es ist nicht das perfekt ausgeleuchtete Bücherregal, das Aufspringen auf jeden Trend, das neueste Buch oder der krasseste Verriss, die mich dazu bringen, den „Follow“-Button zu drücken.
Ich bin ein Fan von Menschen und Geschichten. Menschen, die für etwas brennen. Das Funkeln in ihren Augen, wenn sie von ihrem letzten Lesehighlight sprechen, ist für mich so viel spannender als ein perfektes Skript.
Zudem mag ich kreative Content-Ideen. Ebenso wichtig finde ich, dass ich eine Verbindung zu den Creator*innen aufbauen kann. Wie tickt die Person? Was beschäftigt sie? Da kann unser Lesegeschmack auch mal ganz unterschiedlich sein.
Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?
Fragt euch zuerst, warum ihr buchigen Content produzieren möchtet. Was erwartet ihr davon? Es gibt natürlich verschiedene Herangehensweisen. Ganz egal, ob ihr von vornherein einen klaren Plan habt, euren Account superprofessionell aufzieht oder es einfach mal ausprobieren möchtet: Seid dabei ihr selbst, verstellt euch nicht und vernetzt euch!
Und: Setzt euch nur vor die (Handy-)Kamera, wenn ihr euch dabei wohl fühlt. Postet nur das, wohinter ihr zu 100 Prozent steht. Macht euch ein Post oder Video vorab Bauchschmerzen? Dann schlaft noch mal eine Nacht darüber. Denkt daran: Alles, was einmal im Internet ist, ist im Internet.
Seid fair, neugierig, habt Spaß und lasst euch aber auch nicht alles gefallen. Checkt ruhig hin und wieder eure Analytics, aber klammert euch daran nicht fest. Ich bin der Meinung, dass Social Media nicht nur aus viralen Videos besteht – oder bestehen sollte. Der Algorithmus ist der Algorithmus. Und Zahlen sind am Ende des Tages auch nur Zahlen.
Ein gesunder Blick auf Views, Retention Rate, Interaktionen und die Anzahl der Follower ist gut, sollte euch aber nicht zu sehr beeinflussen, wenn der Spaß an eurem Account im Vordergrund steht.
Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem du jemals gelesen hast?
Vielleicht ist es nicht der ungewöhnlichste Ort, aber der Besonderste für mich: an einem Wasserloch in Namibia.
Tatsächlich fiel es mir zeitweise echt schwer, mich aufs Lesen zu konzentrieren, wenn vor mir Gnus, Zebras und Giraffen vorbeizogen. Ich kann mich aber an eine Lesesituation erinnern, in der ich doch tief in die Geschichte eintauchen konnte.
Als ich das nächste Mal aufblickte, hatte sich eine kleine Elefantenherde rund ums Wasserloch versammelt. Ich hatte sie nicht kommen hören – sie war plötzlich da.
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