Interviews

Franziska Fröhner findet Heimat auf Bookstagram

Manchmal beginnt Buchliebe nicht mit einem grossen Plan, sondern mit einem Buch, das man nach wenigen Seiten nicht mehr weglegen kann. Bei Franziska Fröhner waren es Reihen wie „Gallagher Girls“ und später „Begin Again“, die aus gelegentlichem Lesen eine feste Leidenschaft gemacht haben. Besonders New Adult wurde für sie zu einem Genre, in dem Erwachsenwerden, mentale Gesundheit und echte Nähe plötzlich greifbar wurden.

Mitten in der Pandemie startete sie ihren Bookstagram Account, erst ohne Konzept, dann immer mehr mit eigenem Stil und wachsender Community. Aus Rezensionen wurden Gespräche, aus Empfehlungen neue Lesemomente und aus der gemeinsamen Buchliebe sogar Freundschaften. Im Interview erzählt Franziska Fröhner, weshalb Bookstagram ihre Lesegewohnheiten verändert hat, wann Bücher auch Druck machen können und warum der schönste Anfang manchmal einfach darin besteht, loszulegen.

Franziska Fröhner im Interview

Interview Franziska Fröhner

Wann hast du angefangen zu lesen und wann wurde daraus mehr als nur ein Hobby?

Geschichten haben mich eigentlich schon von meiner Kindheit an begleitet. Sei es als Vorlesegeschichten, Hörbücher bzw. -spiele oder später als Bücher, die ich selbst gelesen habe.

Trotzdem war es so, dass es bei mir auch immer wieder Phasen gab, in denen ich wenig oder gar nicht gelesen habe. In meiner Schulzeit habe ich oft eher nur im Urlaub gelesen.

Wenn ich dann aber ein Buch oder eine Reihe gefunden hatte, die mich richtig begeisterte, dann konnte ich auch damals schon manche Bücher gar nicht mehr aus der Hand legen.

Wirklich regelmäßig angefangen zu lesen, habe ich mit 16 Jahren. Zwei Jahre später habe ich dann auch meinen Buchblog auf Instagram (Bookstagram) begonnen und seitdem begleiten mich Bücher und das Lesen jeden Tag. Ich erzähle über Bücher, teile Empfehlungen und Rezensionen und tausche mich mit anderen Leser*innen aus.

Gibt es ein Buch, das dich besonders geprägt hat oder dich „in die Bücherwelt gezogen“ hat?

Da gibt es auf jeden Fall einige, aber spontan fallen mir da besonders zwei Buchreihen ein.  Zunächst einmal die Gallagher Girls Reihe von Ally Carter, die ich so mit ca. 13 Jahren gelesen habe. Das ist eine der ersten Buchreihen, die mich so richtig in den Bann gezogen hat.

Ich weiß noch ganz genau, wie ich mir nach nur wenigen Tagen immer direkt den nächsten Band kaufen musste, weil ich die Bücher so schnell gelesen habe und dann unbedingt wissen musste, wie es weitergeht.

Die ganze Buchreihe habe ich dann innerhalb weniger Wochen (oder vielleicht sogar eher Tage) verschlungen, was ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht von mir kannte.

Und dann muss ich da auf jeden Fall noch die Again Reihe von Mona Kasten nennen. Diese Reihe hat mich nämlich mit 17 Jahren ins New Adult Genre gebracht und damit auch irgendwie zu Bookstagram.

Mit Begin Again, dem 1. Band der Reihe, habe ich dieses damals noch recht neue Genre kennengelernt. Zum ersten Mal habe ich über Charaktere im Studierendenalter gelesen, die keine Jugendlichen mehr sind, aber eben doch auch noch nicht so ganz erwachsen.

Sie begleiten Themen rund ums Studieren, Erwachsenwerden und mentale Gesundheit – hier habe ich mich schnell wiedergefunden und danach noch unzählige weitere Bücher in dem Genre gelesen. Mit Begin Again hat meine Reise in die New Adult Welt also begonnen und es ist bis heute das Genre, das ich mit Abstand am meisten lese.

Franziska Fröhner findet Freundinnen durch Bücher

Zitat Franziska Fröhner

Liest du jedes Buch bis zum Ende oder brichst du auch mal eines ab? Wenn ja, wann entscheidest du das?

Mir fällt es immer super schwer, Bücher abzubrechen. Wenn ich aber merke, sie gefallen mir wirklich gar nicht, ich finde nicht in die Geschichte hinein oder werde mit den Charakteren einfach nicht warm, dann breche ich Bücher auch mal ab.

Das passiert mir aber zum Glück eher selten, da ich meinen Lesegeschmack meistens doch ganz gut einschätzen kann.

Es bringt aber auch wirklich nichts, sich durch eine Geschichte zu „quälen“, wenn man merkt, dass sie nichts für einen ist – dann doch lieber abbrechen und ein anderes Buch auswählen, was einen wieder mehr begeistern kann.

Wie und warum hast du deinen Bookstagram-Account gestartet?

Ich habe im Herbst 2020 mit Bookstagram angefangen – also mitten in der Pandemie. In dieser Zeit von Lockdowns und eingeschränkten sozialen Kontakten waren Bücher ein fester Begleiter meines Alltags.

Ich bin dann zufällig auf die Buchcommunity auf Instagram aufmerksam geworden und habe das Ganze zuerst einmal einfach als Zuschauerin verfolgt. Irgendwann kam dann bei mir auch immer mehr die Lust auf, es auch einfach mal selbst auszuprobieren.

Ohne viel darüber nachzudenken, habe ich mir also einen Account erstellt, spontan ein Bild eines meiner gelesenen Bücher gemacht und es hochgeladen. Ich hatte eigentlich gar kein wirkliches Konzept und überhaupt keine Ahnung davon, wie das alles funktioniert und habe einfach angefangen, über meine liebsten Bücher zu erzählen.

Die Buchcommunity ist unfassbar herzlich und ich wurde direkt lieb aufgenommen und von allen begrüßt, denn die Community war damals noch um einiges kleiner, als das heute der Fall ist (das bedeutet aber natürlich nicht, dass sie heute weniger herzlich ist).

Es hat mir total viel Spaß gemacht, mich über Bücher auszutauschen, neue Empfehlungen zu bekommen und ganz viele andere Leser*innen kennenzulernen, die die gleichen Bücher mögen wie ich. Mit der Zeit fand ich mich immer besser zurecht, fand heraus, was mir gefällt und entwickelte meinen eigenen Stil in meinen Bildern.

Heute – fast 6 Jahre später – ist Bookstagram ein fester Bestandteil meines Alltags geworden und ich könnte mir aktuell auch gar nicht vorstellen, dass es nicht so wäre.

Wie hat Bookstagram deine eigenen Lesegewohnheiten verändert?

Bookstagram hat meine Lesegewohnheiten auf jeden Fall deutlich verändert und das sowohl positiv als auch negativ. Zuerst einmal lese ich viel aktuellere Bücher als vor meiner Zeit als Bloggerin.

Früher hätte ich wohl nie einen Blick in eine Verlagsvorschau geworfen, aber heute weiß ich oft schon mehrere Monate vor dem Erscheinungstermin eines Buches darüber Bescheid.

Das ist einerseits echt schön, weil man so meistens zu den ersten Personen gehört, die ein Buch lesen dürfen und komplett unvoreingenommen in die Geschichte gehen kann. Im besten Falle gefällt sie einem natürlich und man kann das Buch weiterempfehlen und so dafür sorgen, dass es viele weitere Leser*innen erreicht.

Andererseits vermisse ich es aber auch manchmal, einfach in eine Buchhandlung zu gehen und ein Buch dort zum ersten Mal zu entdecken. Das kommt mittlerweile nur noch selten vor.

Auch lese ich insgesamt einfach sehr viel mehr als früher, was natürlich in erster Linie echt schön ist. Ich merke aber auch, dass durch Bookstagram manchmal ein gewisser Druck entsteht, viel lesen zu müssen und immer die neuesten Neuerscheinungen zu kennen.

Man sieht oft, wie viel andere Blogger*innen lesen und bekommt dann manchmal das Gefühl, das auch schaffen zu müssen. Außerdem ist Lesen eben auch nicht mehr „nur“ ein Hobby, denn bei Rezensionsexemplaren, Blogtouren etc. sind Fristen einzuhalten.

Das alles kann einen schon mal unter Druck setzen. Letztendlich sollte man aber nie vergessen, dass das Lesen Spaß machen soll und man Buchblogger*in sein kann, egal wie viel oder wenig man liest.

Franziska Fröhner

Was überzeugt dich, ein Buch aktiv weiterzuempfehlen oder darüber Content zu machen?

Das ist recht einfach, wenn mir ein Buch gefällt, empfehle ich es weiter. Ich zeige eigentlich immer, was ich gerade so lese und teile dazu auch ehrlich, ob es mir gefällt oder was mich vielleicht stört.

Es ist aber auch so, dass ich es nicht schaffe, immer einen eigenen Beitrag für all meine gelesenen Bücher zu erstellen. Da schaue ich dann immer etwas danach, welche Bücher mir besonders gefallen haben, welche Autor*innen ich gerne unterstützen würde oder wie aktuell das Buch auch ist.

Welche Tipps würdest du angehenden Bookstagrammer:innen oder BookTok-Creators geben?

Wenn ihr Lust darauf habt, fangt einfach an!

Es gibt nicht die eine richtige Herangehensweise und keiner weiß am Anfang gleich über alles Bescheid. Wichtig ist vor allem, Spaß dabei zu haben und man selbst zu sein.

Wenn es euch hilft, könnt ihr euch vorher schon Gedanken darüber machen, wie ihr euren Account gestalten wollt und welche Art von Content ihr gerne machen würdet.

Hier könnt ihr eventuell schon mal ein paar Apps zur Bild- und/oder Videobearbeitung testen oder euch am Content aufnehmen ausprobieren.

Ansonsten würde ich sagen, ist es einfach ein stetiger Lernprozess – mit der Zeit merkt man immer mehr, was einem gefällt und Spaß macht und entwickelt einen eigenen Stil. Es lohnt sich auf jeden Fall, einfach dranzubleiben.

Es ist völlig normal, am Anfang noch keine riesige Community zu haben und auch ein Netzwerk zu Verlagen und Autor*innen entwickelt sich immer erst mit der Zeit.


Folge Franziska Fröhner auf Instagram für New Adult, Rezensionen und echte Buchnähe.

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