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Das Kaffeehaus hat nichts gegen deine Arbeit

In der Gumpendorfer Straße im sechsten Bezirk hängt seit einigen Jahren ein Schild, über das sich halb Wien aufgeregt hat. Im Café Phil sind Laptops nicht erwünscht.

Der Betreiber hat es sehr direkt formuliert. Wir sind ein Café und kein Co-Working-Space. Fünfundzwanzig Laptops im Lokal, sagte er sinngemäß, und niemand redet mehr mit irgendwem.

Musil und Zweig saßen stundenlang bei einer Melange

Das Kuriose daran ist, dass genau dieses Kaffeehaus das Arbeiten erfunden hat. Robert Musil, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig. Sie alle haben zum Preis einer einzigen Tasse ganze Vormittage in Wiener Lokalen verbracht, diskutiert, Zeitung gelesen und an ihren Werken geschrieben. Es gibt einen eigenen Begriff dafür, die Kaffeehausliteratur.

Das war Coworking, hundert Jahre bevor jemand das Wort erfunden hat. Ein Platz, eine Melange, unbegrenzte Sitzdauer, und niemand hat je jemanden hinauskomplimentiert, weil er zu lange am selben Absatz feilte.

Wenn also heute jemand sagt, im Kaffeehaus wird nicht gearbeitet, dann stimmt das historisch hinten und vorne nicht. Da geht es um etwas anderes.

Niemand hat je Stefan Zweigs Notizbuch verboten

im caffee arbeiten

Es geht nämlich nicht um die Arbeit. Es geht um das Ding, das du dabei aufstellst.

Ein Laptop ist eine Wand. Er hat einen Bildschirm, der zu dir schaut, und einen Deckel, der zum Rest des Raumes schaut. Er sagt jedem am Nebentisch, dass hier gerade ein Büro aufgebaut wurde, und dass Ansprechen keine gute Idee wäre. Ein Notizbuch macht das nicht. Eine Zeitung im Halter macht das auch nicht. Beide liegen flach, offen und harmlos auf dem Marmor.

Und genau hier wird die Sache für dich interessant. Ein Tablet liegt nämlich auch flach. Es baut nichts auf, es stellt nichts hin, es sieht aus wie ein Buch. Vorausgesetzt, es steckt in etwas, das sich zuklappen lässt. Bei der Frage, welche iPad Hülle zu dir passt, zählt deshalb die Klappe mehr als die Farbe. Sie entscheidet, ob du im Lokal wie eine Leserin wirkst oder wie eine Filiale.

148 Stimmen dagegen, und das Verbot blieb trotzdem

Wie ernst es den Wirtinnen und Wirten damit ist, zeigt der Verlauf im Phil recht gut. Nach dem Probemonat gab es eine Umfrage auf Instagram, 148 Stimmen kamen zusammen. 98 sprachen sich gegen das Verbot aus, nur 60 dafür. Geblieben ist es trotzdem, weil vor Ort, so der Inhaber, einfach alle zufriedener waren.

Alleine ist das Phil damit nicht. Das Café Frida am Yppenplatz hat nachgezogen. In der J.Hornig Kaffeebar sind Laptops am Wochenende tabu und unter der Woche auf eine Stunde begrenzt. Der Kompromiss im Phil ist eine Laptop-Happy-Hour von zwölf bis eins, und inzwischen ein einzelner Tisch von Montag bis Freitag.

Als Selbstständige kannst du dich darüber ärgern. Oder du nimmst zur Kenntnis, dass es eine Grenze gibt, und dass sie nicht bei deiner Arbeit verläuft.

Im Vollpension sperrt Oma Marianne dein Handy weg

Beim zweiten Gerät auf dem Tisch ist man übrigens noch kreativer. In der Vollpension in Wieden gibt es einen Tresor fürs Handy, und wer seines hineinlegt, bekommt von Oma Marianne etwas ausgegeben.

Auch das zielt nicht auf das Telefonieren, sondern auf das Display, das alle drei Minuten aufleuchtet. Ein Gerät, das mit dem Rücken nach oben auf Marmor liegt, ist erstens still und zweitens innerhalb eines Jahres zerkratzt, weil Marmor härter ist als du denkst. Deswegen lohnt bei Hüllen für Smartphones und Tablets der Blick auf Varianten mit Klappe, für beide Geräte. Zu ist zu, ganz ohne Einstellung.

Das Kaffeehaus verlangt nichts Unmögliches von dir. Es hätte nur gerne, dass man dir ansieht, dass du da bist.

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