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Simone Brett-Murati sprengt LinkedIn Mythen

Simone Brett-Murati zeigt, warum brillante Arbeit auf LinkedIn oft unsichtbar bleibt und warum Personal Branding keine Selbstdarstellung ist, sondern ein strategischer Wachstumstreiber für Unternehmerinnen, Selbstständige und Angestellte.

Simone Brett Murati erklärt außerdem, wie innere Klarheit, konsequente Positionierung und ein Social Selling System aus Reichweite echte Anfragen macht und warum Kommentare oft schneller wirken als Posts, wenn Zeit knapp ist.

Interview mit Simone-Brett-Murati

Interview Simone Brett-Murati

Warum unterschätzen viele Frauen die strategische Kraft ihrer Personal Brand?

Frauen, Unternehmerinnen und Angestellte, gehen oft davon aus, dass gute Arbeit für sich spricht. Das Prinzip „Qualität setzt sich durch“ funktioniert auf LinkedIn jedoch erst bei mehreren tausend Followern. Um dahin zu kommen, gilt der Grundsatz

Tue Gutes und rede darüber.

Sichtbarkeit ist keine Selbstdarstellung, sondern Selbstzweck. Frauen müssen das lernen und anwenden. Das gilt offline im Business-Club genauso wie online auf LinkedIn. Jedoch besuchen sie deutlich seltener LinkedIn-Trainings.

Wer sich aus falscher Zurückhaltung nicht präsentiert, bleibt auch nicht in Erinnerung. Auf LinkedIn und Instagram sorgen die Algorithmen oft dafür, dass Frauen-Profile und Inhalte unsichtbar bleiben. Deswegen müssen Frauen selbst aktiv werden.

Welche innere Klarheit braucht es, bevor Sichtbarkeit überhaupt Sinn macht?

Auf keiner sozialen Plattform ist die Hürde für guten Content so hoch wie auf LinkedIn. Ohne klares Selbstbild und Botschaft ist es deshalb sehr schwer, Aufmerksamkeit und positive Reaktionen – die für den Algorithmus entscheidenden User Signale – zu bekommen.

Personal Branding beginnt mit Selbstreflektion. Die innere Klarheit ist der Hebel, um Differenzierung bewusst herbeizuführen. Denn aus Kundensicht sind Produkte, Kompetenzen und Leistungen auf den ersten Blick austauschbar.

Einzigartigkeit entsteht, wenn du klar benennen kannst, inwiefern das Zusammenspiel aus Methode, Kompetenzen und persönlichem Antrieb den Unterschied im Ergebnis machen.

Der neue LinkedIn Algorithmus 360Brew macht eine exakte thematische Einordnung unerlässlich. Der KI-Algorithmus belohnt Profile, die in Profilslogan, Infokasten und Werdegang eine erkennbare thematische Linie verfolgen.

Nur dann kann ist auch sichergestellt, dass Content und Profil an LinkedIn User ausgespielt werden, die mit den Informationen matchen. Das ist das Neue an 360Brew. Mithilfe einer fokussierten Positionierung wird es wieder einfacher, Kontakte 2ten und 3ten Grades außerhalb der eigenen Bubble zu erreichen.

Für Solo-Selbstständige Frauen, die Frauen ansprechen, ist das besonders wichtig, da sie auf kontinuierlichen Neukundenkontakt angewiesen sind. Diese Arbeit nimmt der Algorithmus mit einer klaren Positionierung ab.

Was ist das größte Missverständnis beim Aufbau von Reichweite auf LinkedIn?

Der größte Fehler beim Aufbau von Reichweite auf LinkedIn ist, zu posten und hoffen, dass von selbst etwas passiert.

Zwar kommt auch hier der neue LinkedIn Algorithmus wieder zum Tragen. In den letzten Jahren konnten frisch veröffentlichte Inhalte von Accounts mit wenigen Followern nur schwer Reichweite erhalten, da noch keine historischen Daten da waren.

Der Algorithmus basierte auf einem zahlengetriebenen System, dass aus Nutzerverhalten lernte. Dies ließ sich leicht manipulieren, doch es war schwer nachhaltig Reichweite in der Zielgruppe aufzubauen.

Der neue KI-Algorithmus 360Brew erkennt nun semantische Zusammenhänge zwischen Profil, Werdegang und Content. Daher ist Konsistenz so wichtig.

Wichtig ist aber auch, selbst aktiv zu werden. Passive Accounts, die sich nicht oft einloggen, nie kommentieren und nur scrollen, werden in der Reichweite zurückgestuft.

LinkedIn ist ein soziales Netzwerk, das Konversationen fördert. Wer Reichweite durch andere User möchte, sollte daher selbst großzügig und wertschätzend die Beiträge der Zielgruppe kommentieren.

Kommentare sind generell extrem wichtig für die Sichtbarkeit der Personal Brand. Neu seit 2025 ist, das auch Impressions von Kommentaren getrackt werden. Mit einem fundierten Kommentar unter einem reichweitenstarken Post lassen sich leicht zigtausende Impressions erreichen – häufig das Vielfache von einem Post.

Frauen, die mit Substanz auf sich aufmerksam machen wollen und wenig Zeit haben, sollten zunächst anfangen zu kommentieren, bevor sie posten.

Simone Brett Murati über LinkedIn Reichweite

Zitat Simone Brett-Murati

Wie wird aus LinkedIn-Reichweite ein stabiler Strom zahlender Kundinnen?

Damit aus LinkedIn-Reichweite LinkedIn-Leads werden, braucht es zuerst ein konkretes Angebot. Da empfehle ich einen kritischen Blick von außen, denn viele unterschätzen, ob ihr Angebot wirklich klar genug ist. Beim Angebot geht es weniger um das persönliche Why. Kunden möchten in erster Linie sehen, ob und wie man sie an ihr gewünschtes Ziel bringt.

Zweite Voraussetzung ist eine Content Strategie, die alle Phasen des Sales Funnels – Aufmerksamkeit, Interesse, Desire und Action – bedient. Know-how über die Zielgruppe, deren Pains und Needs, ist unerlässlich. Diese müssen spielerisch im Content adressiert werden.

Neue Kunden kommen meistens nicht nach dem ersten Beitrag und auch nicht allein durch Content. LinkedIn Content hat die Funktion, Awareness herzustellen und Vertrauen aufzubauen. Bei einem Post pro Woche braucht das in der Regel ein paar Monate.

Wichtiger Teil der Content Strategie sind Conversion Posts und so genannte Two-Step- oder Raise-your-hand-Posts, die eine Vielzahl an Reaktionen auslösen. Bekannte Beispiele sind Posts, die einen Lead Magneten, z.B. ein Cheat-Sheet, bewerben. Wer es möchte, muss die Hand heben, indem er einen Kommentar schreibt. Auf diese Weise erhält der User das gewünschte Cheat Sheet und der Absender hat nebenbei einen potentiellen Lead identifiziert, mit dem über den Chat ein persönlicher Austausch entsteht.

Gibt es ein „Geheimnis“ auf LinkedIn, das erfolgreiche Personal Brands anders nutzen als die Masse?

Täglich gibt es tausende Posts, die neue „Growth Hacks“ verkaufen wollen. In der Regel ist das alter Wein in neuen Schläuchen. Das Geheimnis lautet Konsistenz, ehrliches Interesse an Followern, Disziplin und ein klares Ziel, was ich mit meiner Sichtbarkeit erreichen will.

Was etablierte Personal Brands vielen Followern voraus haben, ist in der Tat Mut. Mut, den ersten Schritt gemacht zu haben, Mut, eine Haltung einzunehmen und sich zu positionieren. Mut anzufangen, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Es nehmen immer noch sehr viel weniger Frauen an einem LinkedIn Training teil, als Männer.

Auch gibt es deutlich mehr männliche Nutzerprofile auf LinkedIn als weibliche Nutzer. Das zeigt, dass noch zu wenig Frauen den Stellenwert von LinkedIn für ihren Geschäftserfolg erkannt haben.

Es ist wichtig, die Algorithmus Tricks für Viralität zu kennen. Doch man sollte nie allein nur für den Algorithmus posten. Follower merken sehr schnell, wer Orientierung bietet und nachhaltig guten Content abliefert.

Last but not least sind die Qualitätskriterien der LinkedIn Redaktion hoch. Top Voices werden nicht für Followerzahlen und Reichweite ausgezeichnet, sondern weil sie einen sichtbaren Beitrag zum beruflichen Fortkommen der Mitglieder auf der Plattform leisten. Sich daran zu orientieren, ist ein guter Nordstern für eigenen Content.

Welchen ersten Schritt empfehlen Sie Unternehmerinnen, die sich authentisch positionieren wollen?

Der erste Schritt ist, sich zu verdeutlichen, was bedeutet Authentizität am Arbeitsplatz für mich. Authentizität wird ja gern oft gleichgesetzt mit „Sei einfach, wie du bist.“

In der Zusammenarbeit mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden sind wir aber in einer professionellen Rolle und müssen ganz klar auch Erwartungen erfüllen und berücksichtigen. Trotzdem möchte man sich nicht verbiegen.

Um der eigenen Authentizität auf die Schliche zu kommen, empfehle ich eine kurze etymologische Einordnung. Authentizität kommt aus dem Altgriechischen. Es ist eine Zusammensetzung von auto, selbst, and hentes, Tun oder Handeln.

Authentisch sein heißt also, aus dem Selbst heraus, den eigenen Werten und Prinzipien entsprechend eigenverantwortlich zu handeln. In der beruflichen Rolle gilt es abzugleichen, welche Werte ich nach außen zeigen will und wie sich Werte in meinem Handeln und in den Ergebnissen für Kunden spiegeln.

Wenn man die eigene Rollen-Authentizität erfasst hat, wird es sehr einfach, sich auf LinkedIn authentisch im Sinne von glaubwürdig zu positionieren. Authentizität auf LinkedIn heißt demnach definitiv nicht, Privates zu teilen. Details aus dem Privatleben haben in der Öffentlichkeit nichts verloren.

Über Simone Brett-Murati

Simone Brett-Murati ist LinkedIn B2B-Expertin und Beraterin für berufliche Rollen-Authentizität. Mit Schulungen, Workshops und strategischer Beratung unterstützt sie Selbstständige im Aufbau ihrer authentischen Personal Brand sowie mittelständische Unternehmen dabei, LinkedIn als Vertriebskanal aufzubauen.

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