Marion Elsinghorst begleitet hochsensible Menschen in verantwortungsvollen beruflichen Rollen dabei, innere Klarheit zu gewinnen und Überverantwortung bewusst zu steuern. In ihrer Arbeit verbindet sie psychologische Tiefe mit langjähriger Konzernerfahrung und einem realistischen Blick auf den Berufsalltag. Ihr Fokus liegt darauf, Sensitivität nicht als Schwäche zu behandeln, sondern als Fähigkeit, die klare Selbstführung braucht.
Im Interview mit LadyBusiness spricht Marion Elsinghorst darüber, warum hochsensible Menschen oft mehr Verantwortung tragen als ihnen guttut, wie innere Anspannung entsteht und weshalb echte Entlastung nicht durch Anpassung, sondern durch klare innere Ordnung entsteht. Sie zeigt, wie bewusste Grenzziehung, Rollenklärung und Selbstführung dazu beitragen, Stabilität, Ruhe und Wirksamkeit im beruflichen Alltag zurückzugewinnen.
Marion Elsinghorst im Interview

© Sophie Steinebach Fotografie – Marion Elsinghorst
Was hat Sie motiviert, hochsensible Menschen zu begleiten?
Meine eigene Hochsensibilität ist der Ursprung meiner Arbeit. Sie prägt meine Art, Menschen wahrzunehmen, Zusammenhänge zu erfassen und feine Unterschiede zu erkennen. Lange erschien mir diese Form der Wahrnehmung selbstverständlich – zugleich aber auch anstrengend, ohne sie wirklich einordnen zu können.
Erst durch die bewusste Beschäftigung mit dem Thema Hochsensibilität wurde mir klar, dass es sich dabei nicht um einen persönlichen Stil handelt, sondern um eine spezifische Art der Wahrnehmung und Verarbeitung. Dieses Verstehen war entlastend. Es hat meinen Blick auf Sensitivität grundlegend verändert: weg von Anpassung und ständiger Selbstkontrolle, hin zu bewusster Selbstführung.
Sensitivität braucht innere Klarheit – nicht Anpassung.
Diese Erfahrung verbinde ich heute mit meinem beruflichen Hintergrund. In über zwanzig Jahren im Konzern habe ich viele leistungsstarke, feinfühlige Menschen erlebt, die nach außen souverän wirken und innerlich unter anhaltender Anspannung stehen. Genau an dieser Schnittstelle arbeite ich heute: Sensitivität so zu führen, dass sie Klarheit schafft – statt Überlastung.
Welche typischen Herausforderungen sehen Sie bei hochsensiblen Menschen?
In meiner Arbeit begegne ich vielen hochsensiblen Menschen, die fachlich sehr kompetent sind und viel Verantwortung tragen. Sie erfassen Zusammenhänge schnell, nehmen Stimmungen und Erwartungen wahr und behalten auch in komplexen Situationen den Überblick.
Herausfordernd wird es dort, wo aus dieser feinen Wahrnehmung ein inneres Zuständigkeitsgefühl entsteht. Viele reagieren bereits auf unausgesprochene Erwartungen, denken mit, gleichen aus und bleiben innerlich bei Themen, die formal gar nicht ihre Aufgabe sind – oft, weil sie erfassen, was gebraucht wird und Stabilität herstellen wollen.
„Nicht jede Verantwortung, die ich spüre, gehört zu mir.“
Hinzu kommen hohe innere Maßstäbe und ein starkes Bedürfnis, zuverlässig zu sein. Eigene Grenzen werden dabei häufig nicht eingehalten, Zuständigkeiten dauerhaft übernommen und Spannungen lange mitgetragen. Die Folge sind anhaltende innere Anspannung und Überlastung.
Nach außen wirkt dieses Verhalten engagiert und souverän. Innerlich zeigt sich jedoch häufig eine dauerhafte Wachsamkeit, weil Sensitivität, Verantwortungsbereitschaft und Selbstanspruch eng ineinandergreifen.
Welche ersten Veränderungen erleben Ihre Klientinnen und Klienten meist?
Viele der Menschen, die ich begleite, erleben erstmals einen Rahmen, in dem sie ankommen können, ohne funktionieren zu müssen. Rollen, Erwartungen und ständige Selbststeuerung treten in den Hintergrund und das verändert bereits viel.
Aus diesem Raum heraus entwickelt sich Verständnis. Menschen beginnen zu erkennen, warum sie so intensiv wahrnehmen, viel denken und Verantwortung übernehmen. Dieses Erleben zeigt sich nicht als persönlicher Mangel, sondern als gewachsene Struktur, die lange getragen hat und heute häufig überfordert. Die eigene Wahrnehmung wird nicht länger als „zu viel“ erlebt, sondern als in sich stimmig.
Dieses Verständnis vertieft die Entlastung im Alltag. Gedanken ordnen sich, Prioritäten werden klarer. Erste Veränderungen zeigen sich ganz konkret: weniger automatisches Mittragen, klarere Grenzen und ein bewussterer Umgang mit Verantwortung.
Marion Elsinghorst: Klarheit und Selbstführung für Hochsensible

© Sophie Steinebach Fotografie – Marion Elsinghorst
Wie helfen Sie Menschen, die funktionieren, aber sich selbst verlieren?
Ich arbeite mit systemischer Klarheit und psychologischer Tiefe. Entscheidend ist dabei eine Haltung, die es ermöglicht, innere Zusammenhänge wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Ein zentraler Teil meiner Arbeit besteht darin, sichtbar zu machen, was Menschen über Jahre hinweg zuverlässig ins Funktionieren gebracht hat – oft ohne dass sie selbst zur Ruhe kommen.
Dazu gehören ein tief verankertes Verantwortungsgefühl, der Anspruch, alles richtig machen zu müssen, unbewusste Loyalitäten sowie die Schwierigkeit, eigene Grenzen rechtzeitig wahrzunehmen. Viele merken dabei erstmals, dass sie innerlich ständig mitdenken und mittragen, auch wenn sie nach außen nichts sagen.
„Grenzen schaffen Freiheit, wenn ich sie bewusst setze.“
Im 1:1 entsteht ein ruhiger, verlässlicher Rahmen, in dem dieses innere Mittragen sichtbar wird. Wenn Menschen erkennen, dass ihr reflexhaftes „Ich kümmere mich“ ein erlerntes Verhalten ist und kein Persönlichkeitsmerkmal, verändert sich ihr Selbstbild. Zuständigkeiten werden bewusster gewählt – und die eigene Rolle gewinnt wieder an Klarheit.
Was macht Ihren Coachingstil besonders wirksam?
Die besondere Wirksamkeit meines Coachings liegt darin, innere Zusammenhänge verständlich zu machen und das eigene Erleben neu einordnen zu können. Viele der Menschen, die ich begleite, nehmen sich dadurch erstmals nicht mehr dauerhaft als überfordert oder innerlich unklar wahr, sondern entwickeln ein klareres Bild von sich selbst.
Ein zentraler Unterschied meiner Arbeit ist, dass ich das Gesamtbild in den Blick nehme: das Zusammenspiel von Sensitivität, Verantwortungsbereitschaft und Selbstanspruch und wie es sich ganz konkret im Alltag zeigt. Meine Arbeitsweise ist geprägt von einer feinen Wahrnehmung innerer Zusammenhänge.
Dadurch wird klarer, was wirklich zur eigenen Rolle gehört und was zusätzlich getragen wird. Das entlastet und gibt Sicherheit im Umgang mit sich selbst.
Meine langjährige Erfahrung im Konzern trägt wesentlich zu dieser Wirksamkeit bei. Ich kenne die Realität von Verantwortung, Entscheidungsdruck und hohen Erwartungen aus eigener Erfahrung. Viele empfinden es als entlastend, mit jemandem zu arbeiten, der sowohl die inneren Prozesse als auch die beruflichen Anforderungen versteht und beides zusammenbringt.
Was empfehlen Sie jemandem, der spürt, dass sich etwas ändern muss?
Ich empfehle, dieses Empfinden ernst zu nehmen und nicht zu übergehen. Wenn jemand merkt, dass er zwar zuverlässig funktioniert, innerlich aber nicht mehr zur Ruhe kommt, ist das kein persönliches Versagen, sondern ein wichtiges Signal. Oft zeigt es, dass zu viel Verantwortung auf zu wenigen Schultern liegt.
Der erste Schritt ist, innezuhalten und genauer hinzuschauen:
- Was trage ich gerade alles mit?
- Was gehört wirklich zu mir und
- was habe ich übernommen, weil es selbstverständlich wurde?
Viele versuchen lange, diese Fragen für sich allein zu beantworten. Entlastung entsteht jedoch häufig erst, wenn man sich bewusst einen Raum nimmt, in dem man nicht weiter funktionieren muss.
Veränderung beginnt nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Klarheit. Wer bereit ist, die eigenen Muster ehrlich zu betrachten und Unterstützung anzunehmen, schafft die Grundlage dafür, Verantwortung bewusster zu tragen, Grenzen zu setzen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig stabilisieren statt erschöpfen.
Über Marion Elsinghorst
Marion Elsinghorst begleitet hochsensible Menschen in verantwortungsvollen Rollen dabei, innere Klarheit zu gewinnen und Überverantwortung bewusster zu steuern. Mit ihrer langjährigen Konzernerfahrung und einem feinen Gespür für innere Zusammenhänge verbindet sie psychologische Tiefe mit einem realistischen Blick auf den Berufsalltag. Ihr Coaching schafft Orientierung und Entlastung und unterstützt einen klareren Umgang mit sich selbst.





