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Lucie Westermann und der Weg zu echter Erfüllung

Lucie Westermann ist Frauencoachin, Sozialwissenschaftlerin und Musikerin. Sie begleitet erfolgreiche Frauen dabei, den Kontakt zu sich selbst wiederzufinden, alte innere Muster zu lösen und erfüllte Beziehungen auf Augenhöhe zu leben. In ihrer Arbeit verbindet sie psychologische Tiefe mit weiblicher Intuition, persönlicher Erfahrung und kreativer Ausdruckskraft.

Im Interview spricht Lucie Westermann darüber, warum äußerer Erfolg häufig mit innerer Leere einhergeht, welche unbewussten Muster Frauen im Beruf und in Beziehungen sabotieren und weshalb Selbstliebe allein nicht ausreicht, um echte Nähe und Verbundenheit zu erleben. Sie zeigt, wie Frauen ihren eigenen Wert klar definieren, Verantwortung für ihre innere Welt übernehmen und ihr Leben wieder aus innerer Stimmigkeit gestalten können.

Interview mit Lucie Westermann

Interview Lucie Westermann

Warum verlieren so viele Frauen trotz Erfolg den Kontakt zu sich selbst?

An diesem Punkt lohnt sich zuerst eine ehrliche Frage: Ist der Erfolg aus einer intrinsischen Motivation heraus entstanden – oder aus äußeren Erwartungen, Anerkennungswünschen oder Leistungsdruck? Wenn Erfolg nicht aus dem eigenen Inneren wächst, geraten viele Frauen in ein berufliches Hamsterrad. Termine reihen sich aneinander, ein Call folgt dem nächsten, der Blick ist permanent auf das nächste Ziel gerichtet. Für Innehalten, Selbstreflexion oder echtes Spüren bleibt kaum Raum.

Erfolg ist zudem häufig mit hohem Druck verbunden: dem Druck, ein bestimmtes Bild nach außen zu erfüllen, Erwartungen von Familie, Freundeskreis oder Öffentlichkeit gerecht zu werden und den einmal erreichten Status zu halten. Ein bewusster Break könnte bedeuten, kurzfristig weniger zu leisten und genau das fällt vielen erfolgreichen Frauen schwer, mit ihrem Selbstbild zu vereinbaren.

Hinzu kommt ein energetischer Aspekt: Erfolg wird gesellschaftlich oft über Tun, Umsetzen, Produktivität und Zielorientierung definiert – Qualitäten, die klassisch der männlichen Energie zugeordnet werden. Weibliche Qualitäten wie Vertrauen, Loslassen, Intuition, Empfangen und Entspannung haben darin wenig Platz. Wenn Frauen langfristig ausschließlich im Modus des Machens funktionieren, verlieren sie leicht den Kontakt zu ihrer inneren Stimme und ihrer Weiblichkeit.

Der Verlust der Selbstverbindung ist also kein persönliches Versagen, sondern oft das Ergebnis eines Erfolgsverständnisses, das innere Bedürfnisse systematisch ausklammert.

Welche inneren Muster sabotieren Frauen am häufigsten in Beziehungen und im Beruf?

Eines der häufigsten sabotierenden Muster wurzelt in der Kindheit – im sogenannten verletzten inneren Kind. Erfahrungen wie ständige Kritik durch Eltern, Lehrer oder andere Autoritätspersonen prägen tief. Als Erwachsene reagieren diese Frauen oft überempfindlich auf Feedback: Kritik vom Partner, vom Chef oder aus dem Kollegenkreis fühlt sich nicht sachlich an, sondern persönlich und bedrohlich.

Das führt zu Rückzug, Rechtfertigung oder emotionalen Konflikten. Genau hier ist die Arbeit mit dem inneren Kind essenziell, um alte Verletzungen von der Gegenwart zu trennen. Hinzu kommen Muster, die wir uns im Laufe des Lebens selbst antrainiert haben.

Ein Beispiel: Eine Frau spürt seit Jahren den starken Wunsch, auf die Bühne zu gehen, sichtbar zu sein, ihr Talent zu zeigen – geht diesem Impuls jedoch aus Angst oder geringem Selbstwertgefühl nicht nach. Nicht gelebte Bedürfnisse verschwinden nicht, sie verlagern sich. Häufig entstehen dann unbewusst Drama, Konflikte oder emotionale Verwicklungen im eigenen Leben.

Gerade in Beziehungen zeigen sich diese Dynamiken besonders deutlich. Unbewusste Beziehungsspiele – etwa Kontrolle, Unzufriedenheit oder Manipulation – sind ein häufiger Grund dafür, warum Beziehungen scheitern oder gar nicht erst entstehen. Sobald Frauen diese Muster erkennen und durchdringen, entsteht oft ein enormer Aha-Effekt. Deshalb ist das gemeinsame Aufdecken dieser inneren Dynamiken einer der ersten Schritte in meiner Arbeit mit Frauen.

Was verändert sich konkret, wenn Frauen beginnen, ihren eigenen Wert ernst zu nehmen?

An dieser Stelle spreche ich bewusst von mehreren Werten und nicht von abstrakten Begriffen wie Liebe, Frieden oder Ehrlichkeit. Gemeint sind die ganz persönlichen Werte, die eine Frau im Kern ausmachen, wie z.B. Musik, Kreativität, Partnerschaft oder Freiheit. Sobald Frauen diese klar benennen und aktiv leben, entsteht oft ein spürbarer innerer Wandel.

Viele neigen dazu, ihre Fähigkeiten kleinzureden: „Das können andere doch auch.“ Entscheidend ist jedoch nicht, was andere können, sondern was meine Passion ist und wie ich sie einzigartig lebe. Aus dieser Ehrlichkeit entwickelt sich eine individuelle Vision.

Den eigenen Wert zu leben bedeutet, ihn zu pflegen und weiterzuentwickeln. Wer Musik als zentralen Wert hat, übt, wächst und zeigt sich. Das verändert das Selbstbild: Vergleich wird unwichtig, Entscheidungen klarer, Leben authentischer. Der Fokus verschiebt sich von Selbstzweifel hin zu Selbstverantwortung – echte innere Stabilität entsteht.

Zudem zieht das Leben eigener Werte passende Menschen an. Als ich meine Musik ernst nahm und auftrat, lernte ich meinen Partner kennen, der ebenfalls Musiker ist. Heute stehen wir regelmäßig als Duo auf der Bühne. Das zeigt: Authentisch zu leben stärkt nicht nur das Selbstbild, sondern bringt auch die richtigen Menschen und Möglichkeiten ins Leben.

Lucie Westermann über echte innere Klarheit

Zitat Lucie Westermann

Woran erkennen Sie, dass eine Frau bereit ist, ihr Leben wirklich zu verändern?

Der wichtigste Indikator ist die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen – ohne Ausflüchte und ohne Schuld ausschließlich im Außen zu suchen. Oft zeigt sich dieser Wendepunkt in Momenten persönlicher Krisen.

Nach meiner eigenen letzten Trennung habe ich beispielsweise aufgehört, Männer pauschal für alles verantwortlich zu machen. Stattdessen habe ich gespürt: Jetzt ist es an der Zeit, genauer hinzusehen und Verantwortung für die eigenen Muster zu übernehmen.

Diese Form von Ehrlichkeit ist selten bequem. Persönliche Entwicklung ist kein Zuckerschlecken, und echte Veränderung fordert Mut. Auch ich habe mich in dieser Phase coachen lassen – und genau dort beginnt Transformation: wenn eine Frau bereit ist, sich auch mit unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen.

Bei vielen Frauen muss der innere Frust oder Leidensdruck zunächst sehr hoch werden, bevor sie ins Handeln kommen. Der Wunsch nach Veränderung entsteht dann nicht mehr aus Theorie, sondern aus innerer Notwendigkeit.

Es gibt jedoch auch Frauen, die nicht erst zusammenbrechen müssen. Manche entscheiden sich aus purer Neugier, aus dem Wunsch nach Wachstum und Tiefe, für persönliche Weiterentwicklung. Unabhängig vom Auslöser zeigt sich echte Bereitschaft besonders deutlich daran, dass Frauen Zeit, Energie und Geld in sich selbst investieren. Wer bereit ist, in die eigene Entwicklung zu investieren, signalisiert:

Ich nehme mich ernst und ich bin bereit, mein Leben aktiv zu verändern.

Warum reicht Selbstliebe allein oft nicht aus für erfüllte Beziehungen?

Ich habe lange geglaubt, es genügt, mir täglich zu sagen: „Ich bin gut so, wie ich bin“ und dass dann irgendwann der sprichwörtliche Prinz auf dem weißen Pferd erscheint. Doch dieser Gedanke ist ein Trugschluss.

Affirmationen können ein Einstieg sein, ersetzen aber keine echte innere Arbeit. Für erfüllte Beziehungen braucht es ehrliches Hinschauen, das Durchbrechen eigener Muster und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene emotionale Erleben zu übernehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das aufrichtige Interesse am Gegenüber. Menschen, die ständig damit beschäftigt sind, sich selbst zu bestätigen oder innerlich stabil zu halten, entwickeln oft kaum echte Neugier auf andere. Beziehung lebt von Offenheit, Resonanz und dem Wunsch, den anderen wirklich zu sehen – nicht nur von Selbstfokus.

Viele Frauen machen sich zudem unbewusst etwas vor: Sie sagen, dass sie sich lieben, leben ihre zentralen Bedürfnisse aber nicht. Selbstliebe ist wichtig, doch entscheidend ist der Weg dorthin – ein lebenslanger Prozess, den man irgendwann auf Augenhöhe mit einem anderen Menschen teilen kann.

Besonders kraftvoll kann es sein, gemeinsam etwas zu gestalten: Projekte, Hobbys oder kreative Unternehmungen – etwa Musik oder Kunst – schaffen Nähe auf Augenhöhe. Wer zusammen etwas erschafft oder teilt, erlebt Verbindung nicht über Bedürftigkeit, sondern über gemeinsame Freude, Engagement und geteilte Werte. Diese Art von Resonanz ist oft stabiler und erfüllender, weil sie aus aktivem Miteinander entsteht, nicht aus dem Versuch, innere Leere zu füllen.

Welche Wahrheit über persönliche Entwicklung wird Ihrer Meinung nach viel zu selten ausgesprochen?

Eine der am meisten unterschätzten Wahrheiten ist, dass persönliche Entwicklung nicht dauerhaft angenehm ist. Bis zu einem gewissen Punkt kann Wachstum inspirierend, befreiend und sogar leicht sein. Doch sobald tiefere Schichten berührt werden, wird es oft unbequem. Genau an dieser Stelle steigen viele Frauen innerlich aus – nicht aus mangelndem Willen, sondern weil es emotional herausfordernd wird, ehrlich hinzuschauen.

Echte Entwicklung konfrontiert uns mit alten Verletzungen, Schutzmechanismen und Mustern, die lange funktioniert haben. Das kann Unsicherheit, Traurigkeit oder Widerstand auslösen. Doch genau dort beginnt nachhaltiges Wachstum. Persönliche Entwicklung ohne sogenannte Wachstumsschmerzen bleibt meist an der Oberfläche und führt selten zu tiefgreifender Veränderung.

Ein weiterer Punkt, der selten offen benannt wird, ist die Notwendigkeit des Dranbleibens. Transformation ist kein einmaliges Aha-Erlebnis und auch kein Wochenendprozess. Sie erfordert Kontinuität, Wiederholung und die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu begegnen – auch dann, wenn es gerade nicht leichtfällt.

Gleichzeitig braucht es die bewusste Verabschiedung von einer weit verbreiteten Illusion: der Vorstellung, irgendwann „fertig“ zu sein. Persönliche Entwicklung kennt keinen Endpunkt, kein perfektes Ich, das erreicht werden muss. Sie ist ein lebenslanger Prozess. Wer das akzeptiert, nimmt Druck aus dem eigenen Wachstum und beginnt, Entwicklung nicht als Ziel, sondern als fortlaufenden Weg zu verstehen.

Über Lucie Westermann

Als Sozialwissenschaftlerin, Frauencoachin und Musikerin verbindet Lucie Westermann Herz, Stimme und Tiefe. Gemeinsam mit ihrem Partner stehen sie seit 2023 als Duo auf der Bühne und schaffe Räume für Verbindung und Entwicklung. Lucie Westermann begleite Frauen dabei, erfüllte Beziehungen zu leben und ihren eigenen Weg mutig zu gestalten.

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