Aimie Carstensen ist überzeugt, dass Kreativität weit mehr ist als ein Hobby oder ein hübscher Zeitvertreib. Für die Gründerin von ArtNight ist sie eine Haltung zum Leben und ein kraftvolles Gegenmodell zur passiven Konsumkultur unserer Zeit. Während viele Menschen täglich durch soziale Medien scrollen, vergleichen und bewerten, plädiert sie für einen radikalen Perspektivwechsel: selbst gestalten statt nur reagieren. Mit ArtNight hat sie genau dafür eine Plattform geschaffen. Mehr als 1,5 Millionen Teilnehmer haben bereits erlebt, wie befreiend es sein kann, den kreativen Flow wiederzuentdecken und etwas Eigenes zu erschaffen.
Aimie Carstensen erklärt im Interview, warum Kreativität gerade im Zeitalter von KI zur wertvollsten menschlichen Fähigkeit wird und weshalb so viele Erwachsene den Zugang zu ihrer schöpferischen Kraft verlieren. Sie spricht über Selbstwirksamkeit, Mut und die Entscheidung, das eigene Leben aktiv zu gestalten. Ein Gespräch über Unternehmertum, das nicht nur wirtschaftlichen Erfolg anstrebt, sondern auch gesellschaftlichen Mehrwert schafft und Menschen wieder ins Tun bringt.
Interview mit Aimie Carstensen

© Farina Deutschmann
Warum ist Kreativität für Sie mehr als ein Hobby?
Für mich ist Kreativität kein dekorativer Zeitvertreib, sondern eine Lebenseinstellung. Ich definiere Kreativität als die Fähigkeit, aktiv neue Ideen zu generieren und unabhängig von äußeren Einflüssen zu handeln. Das ist der direkte Gegenentwurf zur Reaktivität.
Die Welt drängt uns oft in die Rolle der passiven Konsumentin. Wir scrollen, bewerten und vergleichen uns im Minutentakt – Kreativität holt uns wieder zurück ins Tun. Wenn wir gestalten, entscheiden wir. Wir kommen in den „Creative Flow“, diesen Zustand, in dem wir ganz bei uns sind. Genau das erleben über 1,5 Millionen Menschen bei ArtNight. Kreativität ist ein Muskel, der trainiert werden will, um im Leben nicht nur zu reagieren, sondern die Regie zu übernehmen.
Was hat Sie dazu bewegt, Kreativität als Business zu denken?
Ich habe Kreativität nie als bloße „Bastelei“ gesehen, sondern als den ultimativen Differenzierungsfaktor. Gerade jetzt, im Zeitalter von KI, wird die menschliche Schaffenskraft zur wertvollsten Währung, die wir haben. Während Algorithmen Inhalte optimieren, können sie eines nicht: den tiefen, menschlichen Stolz nachempfinden, etwas mit den eigenen Händen erschaffen zu haben.
Ich wollte ein Business bauen, das genau diesen „Human Factor“ skaliert. Wir leben in einer Zeit, in der wir theoretisch alles konsumieren können, uns aber oft leer fühlen. Echte Zufriedenheit entsteht nicht durch das nächste Online-Abo, sondern durch Selbstwirksamkeit. Mit ArtNight habe ich 2016 ein Modell geschaffen, das Menschen aus der passiven digitalen Welt zurück ins analoge Tun holt. Über 1,5 Millionen Teilnehmer zeigen: Das Bedürfnis nach echtem Erleben ist gewaltig.
Mein Antrieb war auch eine persönliche Lebensphilosophie: Man bereut am Ende fast immer die Dinge, die man nicht gewagt hat – niemals die, bei denen man es zumindest versucht hat. Ich wollte nicht nur zusehen, wie sich die Welt digitalisiert, ich wollte einen Gegenpol schaffen. Ein Business zu gründen, das Menschen hilft, ihre eigene Schöpferkraft (wieder) zu entdecken, ist für mich die sinnvollste Form von Unternehmertum. Es verbindet wirtschaftliche Skalierung mit einem tiefen gesellschaftlichen Mehrwert: Resilienz durch Kreativität.
Warum verlieren so viele Erwachsene den Zugang zu ihrer Kreativität?
Weil wir darauf konditioniert werden, zu funktionieren, statt mutig zu gestalten. Als Kinder erschaffen wir völlig furchtlos. Dann kommen die Schule, die Bewertung, der Vergleich und schließlich der Perfektionismus. Viele Frauen tragen den Glaubenssatz in sich: „Ich bin nicht kreativ.“
Doch Kreativität geht nicht verloren, sie wird höchstens blockiert. In unseren Events geht es deshalb nie um das „perfekte“ Ergebnis, sondern um den Prozess des Loslassens. Sobald man sich erlaubt den inneren Kritiker stummzuschalten, passiert ein gewaltiger Shift im Selbstbild: Weg vom „Ich kann das nicht“ hin zum „Ich erschaffe das gerade“.
Aimie Carstensen über die Kraft der Kreativität

© Farina Deutschmann
Was verändert sich im Leben, wenn Menschen wieder schöpferisch werden?
Sie übernehmen die volle Verantwortung für ihr Narrativ. Kreativität beschränkt sich ja nicht auf die Leinwand. Es ist die Entscheidung: Ich gestalte mein Leben aktiv.
Ich erlebe das bei ArtNight immer wieder: Jemand kommt verunsichert zum Kurs und geht mit einem selbst geschaffenen Werk nach Hause. Dieser Moment der Selbstwirksamkeit ist magisch. Die Botschaft lautet: „Wenn ich das hier schaffen kann, was kann ich dann noch alles in meinem Job oder meinem Privatleben bewegen?“ Schöpferisch zu sein steigert die Lebenszufriedenheit und macht uns resilient gegenüber Krisen.
Welche Rolle spielt Kreativität für unternehmerische Stärke und Lebensqualität?
Eine fundamentale. Technologie skaliert, aber Kreativität differenziert. In Zeiten von KI bleibt das Menschliche unser größter Wettbewerbsvorteil. Intuition, Verbindung und schöpferisches Denken lassen sich nicht automatisieren.
Unternehmerische Stärke entsteht dort, wo wir bereit sind, neue Wege zu denken und das „Nice Try“ über das Scheitern zu stellen. Auf persönlicher Ebene schafft dieser kreative Flow einen tiefen Sinn und Sinn ist der Treibstoff für Lebensqualität.
Welche Haltung möchten Sie Frauen mitgeben und wie können Leserinnen mit Ihnen in Kontakt treten?
Meine wichtigste Botschaft ist: Warte nicht darauf, dass du dich bereit fühlst. Bewege dich und werde bereit. Ich war keine Malerin, als ich ArtNight gegründet habe, und ich hatte auch keinen lückenlosen Masterplan. Aber ich hatte den Mut anzufangen. Gerade wir Frauen unterschätzen oft unser Gestaltungspotenzial, weil wir glauben, erst alles zu 100% beherrschen zu müssen. Doch Kreativität ist kein Talent, sie ist eine Entscheidung.
Dare to Create – auch wenn du noch nicht genau weißt, wo die Reise hingeht.
Wer Lust hat, diesen kreativen Funken (wieder) zu entdecken, findet hier unsere Website oder kann sich direkt auf Instagram mit mir vernetzen. Lasst uns gemeinsam anfangen, statt nur zu warten!
Über ArtNight
ArtNight bringt Menschen offline zusammen – kreativ, persönlich und unvergesslich. Jeden Monat finden über 1.000 kreative Events in mehr als 60 Städten statt, angeleitet von über 250 professionellen Künstler*innen.
Es geht nicht um Perfektion, sondern ums Loslassen, Ausprobieren und den kreativen Flow.
Für Erwachsene. Für Kids. Für Teams. Für Dich.





