Claudia Leonessa Jesse arbeitet als systemische Beraterin und Coachin mit Führungskräften, Teams und Organisationen, die spüren, dass etwas feststeckt, obwohl Kompetenz, Motivation und Erfahrung vorhanden sind. Ihr Fokus liegt nicht auf schnellen Lösungen, sondern auf dem Verstehen von Zusammenhängen, Rollen und Dynamiken, die Zusammenarbeit prägen oder blockieren.
In ihrer Arbeit verbindet Claudia Leonessa Jesse soziologische Tiefe mit klarer Praxisorientierung. Sie schafft Räume, in denen Verantwortung neu sortiert wird, Gespräche wieder möglich werden und Entwicklung nachhaltig entstehen kann, ohne Druck und ohne Schuldzuweisungen.
Interview mit Claudia Leonessa Jesse
Wie sind Sie zur systemischen Beratung gekommen?
Mein Weg in die systemische Beratung war kein geradliniger Karriereschritt, sondern eher eine langsame Annäherung. Ich habe ursprünglich Soziologie studiert und mich früh mit Fragen beschäftigt wie: Warum handeln Menschen so, wie sie handeln? und Was hält Systeme zusammen – oder bringt sie ins Stocken?
Schon damals hat mich weniger das Individuum isoliert interessiert als vielmehr das Geflecht aus Beziehungen, Erwartungen, Rollen und unausgesprochenen Regeln, in dem wir uns bewegen.
Später, in meiner beruflichen Praxis, habe ich immer wieder erlebt, dass Probleme selten dort entstehen, wo sie zunächst sichtbar werden. Konflikte in Teams, Führungsthemen oder persönliche Krisen hatten fast immer eine systemische Dimension: ein unausgesprochenes Spannungsfeld, eine übernommene Rolle, eine Loyalität, die längst nicht mehr trägt.
Die systemische Haltung hat mir dafür eine Sprache gegeben und vor allem Werkzeuge, die nicht bewerten, sondern verstehbar machen.
Systemische Beratung bedeutet für mich bis heute: nicht schneller sein als das System, sondern neugierig bleiben. Nicht Lösungen überstülpen, sondern Bedingungen schaffen, unter denen Entwicklung möglich wird.
Mit welchen Themen kommen Menschen oder Teams meist zu Ihnen?
Die Themen, mit denen Menschen oder Teams zu mir kommen, sind sehr vielfältig und doch gibt es wiederkehrende Muster. Häufig geht es um das Gefühl, festzustecken: Entscheidungen werden vertagt, Konflikte schwelen, Rollen sind unklar oder Menschen spüren, dass sie nicht mehr stimmig handeln.
Im Einzelcoaching stehen oft Übergänge im Mittelpunkt: neue Führungsrollen, berufliche Neuorientierung, Überforderung oder der Wunsch nach mehr Klarheit und innerer Ausrichtung. Viele meiner Klient:innen sind leistungsstark, reflektiert und erfolgreich und gleichzeitig müde davon, ständig zu funktionieren.
In Teams und Organisationen geht es häufig um Kommunikation, Verantwortung und Vertrauen. Um die Frage: Wer trägt hier eigentlich was? Oder: Warum reden wir aneinander vorbei, obwohl alle es gut meinen? Besonders spannend finde ich Konstellationen, in denen Veränderungen anstehen – Fusionen, Wachstum, Führungswechsel und alte Muster plötzlich sichtbar werden.
Wie hilft der systemische Blick, Konflikte besser zu verstehen?
Der systemische Blick verschiebt die Perspektive: Weg von Schuldfragen, hin zu Zusammenhängen. Konflikte werden nicht als Störung verstanden, sondern als Hinweis darauf, dass etwas im System nicht mehr in Balance ist.
Statt zu fragen: Wer hat Recht? fragen wir: Was hält diesen Konflikt am Leben? Welche Funktion erfüllt er möglicherweise? Welche Bedürfnisse, Loyalitäten oder Ängste stehen dahinter? Oft zeigt sich, dass Konflikte weniger mit persönlichen Antipathien zu tun haben als mit widersprüchlichen Erwartungen oder unklaren Strukturen.
Diese Haltung wirkt entlastend. Sie schafft Raum für Verständnis – nicht im Sinne von „alles ist okay“, sondern im Sinne von: Es ergibt Sinn, dass es so gekommen ist. Und genau an diesem Punkt wird Veränderung möglich. Wenn Menschen sich gesehen fühlen, müssen sie nicht mehr kämpfen.
Systemische Beratung mit Claudia Leonessa Jesse
Was verändert sich typischerweise in Teams oder Führung, wenn sie mit Ihnen arbeiten?
Eine der ersten Veränderungen ist oft eine andere Qualität von Gesprächen. Dinge, die lange unausgesprochen waren, dürfen benannt werden – ohne Eskalation. Führungskräfte gewinnen mehr Klarheit über ihre Rolle, Teams über ihre gemeinsame Verantwortung.
Langfristig entsteht häufig mehr Selbststeuerung. Menschen warten weniger auf „Anweisungen von oben“, sondern übernehmen Verantwortung für ihren Handlungsspielraum. Führung wird weniger kontrollierend und mehr rahmensetzend.
Was mir besonders wichtig ist: Es geht nicht darum, Harmonie herzustellen. Sondern um Arbeitsfähigkeit. Um Klarheit, Verlässlichkeit und ein gemeinsames Verständnis davon, wofür man zusammenarbeitet. Wenn das gelingt, wird Zusammenarbeit leichter und oft auch wirksamer.
Für wen eignet sich Coaching besonders gut?
Mein Coaching eignet sich besonders für Menschen und Organisationen, die bereit sind, sich ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Für Führungskräfte, Unternehmer:innen und Teams, die nicht nach schnellen Patentlösungen suchen, sondern nachhaltige Entwicklung wollen.
Ich arbeite gern mit Menschen, die Verantwortung tragen – für andere und für sich selbst. Mit Organisationen, die verstehen, dass Veränderung nicht verordnet werden kann, sondern gestaltet werden muss. Und mit Klient:innen, die bereit sind, auch unbequeme Fragen zuzulassen.
Weniger geeignet ist mein Ansatz für alle, die lediglich ein „Reparaturprogramm“ erwarten. Systemische Arbeit braucht Offenheit, Zeit und den Mut, nicht alles sofort kontrollieren zu wollen.
Was raten Sie Menschen, die spüren, da steckt etwas fest und die starten möchten?
Mein erster Rat ist: Nehmen Sie dieses Gefühl ernst. Wenn etwas feststeckt, ist das kein persönliches Versagen, sondern oft ein Signal, dass ein bisher tragendes Muster nicht mehr passt.
Der zweite Rat: Versuchen Sie nicht, alles allein zu lösen. Entwicklung braucht Resonanz. Ein Gespräch, eine neue Perspektive, einen geschützten Raum, in dem gedacht und gefühlt werden darf.
Und schließlich:
Haben Sie Geduld mit sich.
Systemische Veränderung ist kein Sprint. Sie beginnt oft leise – mit einer anderen Frage, einem neuen Blick, einem ersten kleinen Schritt. Aber sie wirkt nachhaltig, wenn sie einmal in Gang gekommen ist.
Über Claudia Leonessa Jesse
Claudia Leonessa Jesse arbeitet als systemische Beraterin und Coachin mit Führungskräften, Teams und Organisationen an Fragen von Zusammenarbeit, Führung und Veränderung. Ihr Ansatz verbindet soziologische Tiefe mit klarer Praxisorientierung. Im Mittelpunkt steht stets der Mensch im System – nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung.







